Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 21 (31.8.1897)
- Date
- 1897-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/1304829-3453397-3453418--4895-3459406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Redaction u. Adininistration Wien, 2. Növaragasse 27. A. k. österr. Postsparcaffe .Lheck-Lonto Nr. 635,240. Insvrut.r werben billigst berechnet. Manuscnpte -werden nicht retournirl. 0e81erreiekisek-unga1׳j8oks 6vütrLl-0xgLL für die Interessen der Csntoren und Lultusbemnten. Er s ch eint j e d e n z eh n t e n T d g. Begründer: Obercanior Jacob Bauer. Prännmerations-Prei- FiirCnntvre»u.C»Un»t»r»n»r» in Vrsterr«ic«1-Un^»v» .Ganzjährig . . . . . st. 5.— Laldjäbrig ..... fl. 2.50 FürMnirtove» 11.lS11itu1»l)Knntr int Buafoub Gnirzjäyrig .... .10 M,rk oder 5 Rubel. Für PcibAt« und 3»|tftntr Ganzjährig . ... st. 6.— BbonnementW 11. Änfrrtkon«- betrüg« pnd» in Wien!nlzlbor. i —■———m Nr. 21. Wien, 31. Aüguff 1897. 17. MtzWmrA < Bon Zeit zu Zeit dringt ein Nothschrei in die Oeffentlich-! feit, der sich den gepressten Herzen der jüdischen Cultusbeamten; entringt und ihre. traurige Lage, - ihr! drückendes Elend zui schildern sucht. Mögen aber;die Farben noch so grell aufge- ■ tragen, werden, das düstere Bild, das sich nach solchen; Schilderungen vor unseren Augen , entrollt, kommt selten der \!Wirklichkeit!nahel Immerden'Wanderstab in der HaM in ׳ -. steter Angst^um--׳das kärgliche, täglicherBrod für Weib mud? Kind, mit trostlosem Ausblick in die Zukunft fristet der jüdische; CultiMeämte? auf den mehr oder minder! kürM Leidensstationen . seines Lebensweges ein kümmerliches Dasein, bis er irgendwo,^ gequält und gehetzt, der körperlichen und geistigen Kräfte beraubt,! zusammenbricht, ohne dass sein und seiner Familie Schicksal; Jenen besonders nahe zu Herzen geht, die ihn erbarmungslos zu Tode gehetzt haben. Dies ist! mit wenigen Ausnahmen das Lös aller Jener, die inden jüdischen Cultüsgemcinden einem ׳ . hehren undheiligen Berufe obliegen׳ mögen sie nun Rabbiner, Cantoren'wder Religionslehrer heißen, mag sie ihr flüchtiger Fuß dahin öder dorthin,- nach Oesterreich öder Ungarn getragen haben, überall harrt ihrer das gleiche Geschick, überall führen sie den gleichen harten Daseinskampf! und überall seufzen sie unter demselben schweren Joche. Und ihr Unglück wird dadurch noch größer, dass sie leider nur seufzen, sich-nicht aber mannhaft erheben und, unbeirrt durch -kleinliche -Standesunterschiede, unbekümmert um künstlich - anfgebaute territoriale Grenzen, im Bewusstsein ' der! Gleichheit ׳ihres Schicksales und ihrer Interesten nach Mitteln und Wegen suchen, um durch gemeinschaftliches, collegiales -'lZüsammenwwkeN'Ihr^Lös ׳-besserzü--gestalten. Seit- Aahren mühen wir uns vergebens ab, eine stramme Vereinl'guich -der gesammten Berufsgenossenschaft herbeizufüh'ten, ' döch olleVersuche scheiterten einerseits an der fast unbesiegbaren; '־ Apathie, . die. in den; großen Kreisen der jüdischen Cultuß-?beamtenschaff herrscht, und andererseits׳ am ׳dem Mangel der Urkeuntnis? dass ׳ eine! Bereinigung/ auf em einzelnes Grönland beschränkt, die! Lage .der' Cultusbeamten? die1 itt der ganzen WoNÜrchie die? - gleiche! ist? nicht/bestimweNd -beeinflußen : kann. -^Nchmen niir ׳ uns ׳ döch ׳ ein .Beispiel an denMiltusgemeinden! eines allgemeinen Gemeindebundes zusammengeschloffen, weil sie zu -der-׳-ganz richtigen׳ Einsicht gelängt sind, dass eK Zusammenwirkens aller-Factoren bedarf, um die dem gesammten vaterländischen -Jüdenthüm drohenden Gefahren zu bekämpfw, und dass ein planmäßiges und erfolgreiches Zusammenwirken -nur-daüu Möglich״ ist, wenn die neue Organisation vor» einer Cenchalsielle-aus, 'undzwar von der Metropole des Reiches, geleitet wird.- : - Gerade die- Bildung des allgemeinen israelitischen Gemeindebundes hätte die jüdischen Cultusbeamten auf den richtigen Weg leiten sollen; aber trotz aller Warnungen bleibe» sie blind und taub und treiben noch immer fort den gefährlichsten Separatismus, der bisher alle beruflichen Organisationen in der Entwicklung gehemmt und die hoffnungsvollsten Bestrebungen im Keime erstickt hat. Aus diesem Grunde haben WM vor einiger Zeit gegen die Creirung eines mährischen Cantoren-Verbandes Stellung genommen und können auch der' vom Vorstände des israelitischen Lehrervereines in Böhmen eingeleiteten Bewegung, die offenbar auf die Gründung eines böhmischen Cultusbeamten- Vereines abzielt, kein günstiges Prognostikon stellen. Vor uns liegt ein Aufruf, der sämmtliche Cultusbeamte in Böhmen, Rabbiner, Cantoren, Religionslehrer re. auffordert, -sich um das Panier des Landes-Lehrervereines zu schaaren und an der am 29. und 30. August in Prag stattfindenden General- Versammlung theilzunehmen. Der Wortlaut des Aufrufes dürfte unseren. Lesern ohnehin bekannt sein, umsomehr, als wir in dem Verfasser desselben den. Autor einer vor kurzer Zeit.in der - ״Oest.-ung. Cantoren-Zeitung" veröffentlichten Artikel-Serie vermuthen, der in diesem Blatte -mit fast gleichen Worten die -traurigen Verhältnißö derisraelitischen Cultusbeamten in Böhmen beleuchtete. Auch die 6 der General-Versammlung zur Beschluss- - fassung vorzulegenden Punkte enthalten die gleichen Forderungen ׳betreffs Gehaltsregulirung, Definitivum, Penfionssond re. Rehmen ׳ wir: nun den günstigsten Fall an, es gelänge wirklich, die Vmge- Wtung des5Lehxervereines .auf neuer, erweiterter׳ Basis, - und In ernster Zeit rin ernstes Wort. Die böhmischen - und mährischen Gemeinden besitzen in ihrem eigenen Kronkande ausgezeichnete Organisationen, die über hervorragende Talente und reichliche Mittel verfügen, aber trotzdem haben sie sich mit den übrigen Gemeinden zur Gründung