Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 19 (29.7.1897)
- Date
- 1897-07-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreich isch-ungarisch 1 Redaction n. Administraiion Wien, 2. Novaragasse 27, K. 1/öftere. Pojifpavcaffe : Lheck-Lonto Nr. 835,240. Inserate werde» billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retonrnirc. Otzvtr 31s- Organ für die Interessen der Cantoren nnd Cuttusbrsmten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercäntor taeod Bauer. Wien, 29. IM 1897. Prännmerations-PreiS. FiirE-rntoreil i>» Vesterreich-Unsar,^ Ganzjährig.st. 5.— Halbjährig . . . . fl. 2.5» 3ri1r<üAuU>1;e1111.<Eu(t11*t>eAmte im Anslaird Ganzjährig .... .lv Mark oder 5 Rubel. Fiir ArivAte nnt> stnstitttt« Ganzjährig . ... fl. 6.— Abonnement«- 11. stnsertio»»- beträte stnd in Wien ,«hlbAr. XI» Es stimmt nicht! Von M. Tintncr iss^ Bnnzlau, Schlesien. . . Gesang und Musik spielen von jeher bei allen Ange-. legeuheiteu, bei denen auf das Gefühl eiugewirkt und gleichsam die/Herzen aller zu einem einzigen vereinigt werden sollen, eine große! Rolle. Aber dennoch ,,stimmt es nicht immer.״ Wir Cantoren urtheilen > in. dieser -Hinsicht! aus practischer Erfahrung.. Ja, vieles sttmmt nicht im Leben, mitunter sogar auch nicht das- ״Soll und Habens in. den! Geschäftsbüchern. Das Schlimmste aber ist, wenn es!in uns selbst nicht mehr stimmt; wenn der Geist des Widerspruchs, der Unzufriedenheit in uns eingezogen'ist, wenn nichts mehr geschätzt wird, was nicht Geld oder Geldeswerth. einbriugt. Wer nichts mehr wagt, um den idealen ׳ Sinn/ .zu retten, der vor Missmuth und Hader schützt; wer nichts mehr thut, um ein leichtes und glückliches׳ Herz zubesitzen, der hat den unsichtbaren Schmelz des Lebens? verloren. ״Harmonisch" müssen wir uns zusammenthun, um den bösen.Geist auszutreiben, sonst ״ft i m m t e s n i ch t" in unseren Reihen, und verlassen stehen wir am Kampfplatze. /: :Zu den geheimen. und tiefen Nebeln der Gegenwart gehört ein:Missverständnis- / welches, so wenig es beachtet zu werden pflegt,? das ganze/gesellschaftliche Leben überspannt! Es besteht darin,! die Noth und das Leid des Lebens nur in dem eigenen Beruf zu suchen. ״Das stimmt nicht!" Dass Jeder seine Läge verbessern׳ will und ׳ sich: nicht allein mit Idealen für das nothwendigste Materielle bestiedigen und abspeisen lassen kann, um/ gewisse Ungleichheiten auszubessern,! wer wollte ein solches Bestreben und Verlangen verurtheilen? Und doch! Wer׳ lebt -denn auf Erden, der sagen könnte, das Geld allein habeihn glücklich und zufrieden gemachthabeihn vor allen Sorgen und Schlägen bewahrt, vor allem Missmuth und Zank mit sich selbst geschützt?/Es hat noch kein Reicher gelebt, den - dasWeld allein!glücklich--!gemachtnoch kein Armer, den die Armuth allein -zur Verzweiflung gedrängt hätten Es wäre gegen die' Tendenz dieses Blattes, diese: Anschauung näher-zu beleuchten,׳ vielmehr wollen -tvir im Nachfolgenden von - den Schäden sprechen, dk^Pch-ün unferebiMitte ׳ eingenistet haben. - ׳ ׳ ׳׳<׳ ׳ ׳::/-! Wir-pflegen von denbessereN-Zeiten hinter uns zu-rede!^ und' däNrMäM/WÄches ׳'wir/Üti - der׳ Vergleichung früherer - und? jetziger Tage anlegen, ist oft nicht das rechte. Wenn uns nicht so wohl ist, wie Anderen, wenn uns nicht so viel Behaglichkeit in unserer veränderten Lebensweise geboten wird, -dann sagt der Eine oder Andere seufzend: ״Die guten Zeiten sind nicht mehr", aber er legt müßig die Hände in den Schoß. Ja, wo Unthätigkeit, Trägheit, Egoismus und Sonderinteressen im Vordergrund stehen, wo die Energie und der Willen fehlen, einen ״Agudoli echos“ zu Ar schaffen und zu erhalten und sich - demselben anzuschließen nollolsua, NM die Verhältniße zu bessern; wo Jeder ׳sich -erhaben in dummem Stolze wiegt, seinen eigenen Weg geht und alles besser versteht, als erfahrene, umsichtige und aufopfernde Männer, da freilichheißt es: ״E s st im m t nicht!" Jeder Stand hat seine Vereinigungen, welche neben den materiellen Bestrebungen auch ideales Streben zu Tage fördern. Die äußere Lage der Cantoren lässt noch viel, sehr viel zu wünschen übrig, und nicht unbedeutende Hinderniße sind zn bekämpfen; doch was der Einzelne nicht zu -erreichen vermag, das muß mit vereinten Kräften erstrebt werden. Gibt es ein größeres Liebeswerk, als die Sorgen Kranker und Invalider , zu verringern, den Kummer, und die Noth der Witwen und Waisen zu erleichtern und deren Thränen zu trocknen? Und diese Ziele wollen und müssen wir erreichen. Die Gemeinden freilich verhielten sich bisher größtentheils diesen: humanen Wollen gegenüber leider nur Passiv. Was Wunder, wenn dem der Fall ist, handeln denn wir, und gerade die Bedürftigen unter uns, besser? Die Fachorgane geben mit ihren Mahnaufrufeu die beste Auskunft darüber/Wer aber für sich, für Weib und Kind in guten Zeiten /nicht sorgen will, ist der Versorgung in Zeiten des Ungemachs nicht würdig und nicht werth. Als die Cantorenzeitnng mit Mühe» und Opfern'ins Leben gerufen wurde, da waren Sympathien und Lobeserhebungen den Gründern sicher; doch die materielle und geistige Erhaltung blieb nur auf wenigen Getreuen lasten. Diese kleine Zahl leistet nach Kräften mit kleinen Summen und geistigem Material und.zeigt den Indifferenten, dass man alles erreichen kann, wenn man will. Nur dann, wenn das regste Interesse bei allen Cantoren vorhanden fein wird, Sorge zn! tragen für die Tage ihres Alters und der Noth ihrer Hinterbliebeueu, dann erst vermögen die beruflichen Organisationen; segensreiche Früchte zu tragen. Wenn aber nur Ausstellungen, Anfeindungen und Zurückhaltungen an der Tagesordnung sind, I oder gar neue Vereinchen ins Leben gerufen werden, da muß