Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-07-15 · Heft 18 (15.7.1897) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 18 (15.7.1897)
Date
1897-07-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/1304829-3453397-3453415--4874-3459382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M. 18. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 7 war, vielmehr es׳ zufällig von der alten Wirthschasteriu des verstorbenen Vaters des Gutsherrn, die auch die Einzige ist, welche; diese Unglückliche zeitweise bei sich duldet, erfahren habe. Mer ich glanNe Ihnen bereits bemerkt zu haben, dass Herr Rosenheiin äußerst. ungehalten, sein dürfte, wenn er erfahren sollte-, dass Jemand von dem Unglücke, das einen dunklen Schatten auf seine Familie wirft, Kenntnis habe." Auf ׳ ,meine wiederholten Bitten, und nachdem ich ihm gelobt hatte, weder durch Wort nö'ch durch Miene zu verrathen, dass ich eingeweiht sei, ließ sich endlich Reb Awrom herbei, mir die Geschichte der Unglücklichen im Hintergebäude zu erzählen. ״Der- Vater Rosenheims", begann der Melamed, nachdem er seine Pfeife-, die inzwischenerloschen war,, wieder angebrannt, ״,war nicht, aus dieser,, sondern wohnte, früher in der Hussatyner Gegenll, an der russischen Grenze, undwar Arendatou auf dem Stammgute des Grafen Orlovski, in Sastava; der übrigens noch mehrere Güter in Russisch-Polen besaß. Da Rosenheim nebstbei auch einen bedeutenden Flächshandel betrieb, gelang es ihm, durch Fleiß und Sparsamkeit nach und nach ein großes Vermögen zu erwerben. Der Graf, dem seine Eltern frühzeitig gestorben waren, war nnvermählt, widmete sich׳ dem Soldatenstmrde und׳ lag׳ damals als Oberst in Warschau. Es war ihm daher lieb, dass ihm Rosenheim das Gut, welches, da es schlecht verwaltet wurde, wenig eintrug, abkaufte. Es geschah dieses freilich auf fremden Namen, da damals den Juden Güter zu erwerben, nicht erlaubt war. , Rosenheim verstand es, die Ertragfähigkeit des wirthschaftlich so herabgekommenen Gutes durch unermüdliche Sorgfalt und gute Bewirthschastung so emporzubringen, dass es in der ganzen Gegend als Musterwirthschaft galt: Bei alldem lebte er in patriarchalischer Einfachheit und im: bester! Einvernehmen mit den Ortsbewohnern, die ihn wegen seiner herablassenden Leutseligkeit und Humanität allgemein verehrten." ' Sein größtes Glück aber bildete seme. Familie. Es waren dies die süßesten Stunden seines Lebens, die er,, nach rastloser Arbeit, in ihrer Mitte verbringen konnte: Seine Gattiw vergötterte ihn!. und war ihm die würdige Genossin seines Lebens. Seine beiden Kinder, Paierl und Ruhen, waren sein ganzer Stolz, und er war., sehr bemüht, namentlich elfterer, die -sich durch große Schönheit und besondere/Talente auszeichnete, eine äugemessene Erziehung angedeihen zu lassen. . (■ ,/ .לי י. Paierl wurde daher schon in-Ihrer.-frühesten Jugend von einer tüchtigen Erzieherin inallen Gegenständen.unterrichtet und zeigte bei jeder Gelegenheit eine solche' Auffassungsgabe, die überall Bewunderung erregtx. 1■ ־ ' . Rosenheim konnte sich nicht mit-dem. Gedanken. vertraut machen, das ihm so eng äns - Herz gewachsene - Kind einst von sich lassen zu müssen, und verlobte daher dann das zur Jungsrau 1 herangewachsene. Mädchen trotz der glänzenden Anträge, dia ihm von allen; Seiten ל gemacht wurden, an seinen Neffen, der ein armer, aber braver ״Lernbocher" war. , ״Ich habe es gottlob nicht nöthig, meinte er, auf einen reichen Eidam zu restectiren; die Hauptsache ist: dass mein Herzenstöchterl bei Mir bleibt!" Mein Schwiegersohn soll, für. sich und seine Bücher leben, für alles Andere werde ich selbst schon sorgen.; Paierl war damit zufrieden; sie liebte ihre Eltern sehr und in ihrem Herzen war noch kein Trieb, der wärmere Gefühlefür eiüen Mann geöffenbart hätte. Es war ihr daher gleichgiltig,. wen ihr Vater ihr zum Gatten bestimme; der Gedanke allein,, bei ihren geliebten Eltern bleiben zu können, Mächte sie schon glücklich. So lebte die biedere Familie glücklich und׳ zufrieden. Eines Tages saß Rosenheim in seinem Arbeitszimmer da. würde ihm von seinem Diener eine Karte mit dem Bedeuten überreicht, dass der Ueberreichet derselben ihn zu sprechen wünsche. Rosenheiin warf׳' einen׳ Blick / ans die * Karte״-und erschrak ' £:,ä ,..Ladislaus..Orlovski^5׳MW $1 vor sich hin und sanw: | ״Ich wüsste nicht, dass noch ein Graf Orlovski existire",! murmelte er vor sich hm. In diesem Gedanken^ange würde er durch das rasche Eintreten eines vornehm gekkerdeten, hübschen i jungen Mannes unterbrochen. . Derselbe mochte etwa 25 Jahre alt sein. Schwarzes Haar; umrahmte sein edelgeschnittenes Antlitz, und ein dichter Schnurrbart bedeckte seine Oberlippe. Sein ganzes Auftreten verrietst i sofort den Aristokraten und. machte auf den Gutshern einen; äußerst imponierenden Eindruck. Der Fremde stellte sich dem überraschten Rosenhsim als! Sohn des Grafen Orlovski vor. den. die Sehnsucht, das; Stammgut und die Gruft seiner Ahnen zu sehen״ hergesührthabe: j Auf die Bemerkung des Gutsherrn, dass seines-Wissens! nach der Oberst Orlovski bei dem Aufstande in Warschau l gefallen sei, erzählte der junge Mann, dass sein Vater, der sich , an der Spitze seines Regimentes an der polnischen Revolution j betheiligte, nach Niederwerfung derselben stch nach» Paris! geflüchtet hatte und daselbst geheiratet Habs.! Er selbst sei in Paris erzogen worden. Nachdem aber! seine Ellern vor einigen Jahren gestorben, habe er sich gesehnt, j die Heimat derselben kennen zu lernen. ׳ Rosenheim lud ihn ein, im Schlosse zu wohnen/und״ bat; ihn, sich in Savasta ganz, nach Gefallen' einzurichten und fokange; zu bleiben als es ihm gefalle. Der Graf dankte und fühlte sich schon am ersten Tage so wohl, wie er sich im sremden Lande noch nie gefühlt hatte. Sogleich siel ihm die hervorragende Schönheit und die ungewöhnliche Bildung Paierls auf. Er konnte es gar nicht : begreifen, dass dieses holde Kind die. Tochter dieses einfachen,; bildungslosen Landjuden sein könne, und fühlte sich jeden Tag mehr von ihrem züchtigen Wesen augezogen und bestrickt. Es war anfangs seine Absicht, einen kurzen. Aufenthalt in dem Orte, wo seine Ahnen! Jahrhunderte ihren ständigen Wohnsitz, hatten, zu nehmen. Nun hatte es ihm Paierl angethan und er musste sein Vorhaben von Tag zu Tag! aufschieben-. Mit leidenschaftlichen Blicken verfolgte er ihre liebliche Gestalt und fachte'dadurch die.Liebe in seiner Brust zu immer höherer Glut an. Paierl kam dem Grafen, der als lieber Gast bei ihren! Eltern weilte, freundlich entgegen. Später aber flößte ihr die hohe Bildung und die Ritterlichkeit des jungen Mannes so viel Bewunderung ein. dass auch sie ihn leidenschaftlich zn lieben begann. Mt Schrecken gedachte sie ihres Verlobten und schauderte bei dem Gedanken, einem anderen Manne cmgehörett zu müssen. Roseuheim und seine Frau, die den jungen Grafen achketertz erblickten in dem überaus ehrerbietigen Entgegenkommen desselben gegen sie und: besonders gegen ihre Tochter nichts Außergewöhnliches, vielmehr etwas bei Eavalieren Selbstverständliches. Indessen mochte der Graf gefühlt haben, dass er nicht länger bleiben konnte, da er gefürchtet, dass, durch seine immer aufgeschobene Abreise und zunehmende Leidenschaft seine Gefühle für Paierl verrathen werden könnten; da er wusste, dass auf legalem Wege er die Hand derselben mit Zustimmung ihrer Eltern nicht erreichen werde, verließ er bald Savasta^ mit Paierl blieb er aber, wie es sich später heransstellte; m heimlicher Correspondenz. Correspondenz der: KedneLron. Obrrlrhrrr B. in Kl. Artikel wird in nächster Nummerveröffentlicht. ׳ י Weitz in Fr. Abonnement beglichen bis 1. Juli l. I. Kornfeld irr Drrrnb. Rest ab 1. April. Wir machew aufmerksam״ dass dsirAbonnementsSeKag pro Quartal fl. 1.25» beträgt. Dis gsetzMw HmMeck Aüvnnmrtsrr Wsrdnw dringondU rrfuchi. den dev vorigen. Nurnnrer. beigelegten Poftchrck. relst- Voll» Anweisung Mr umgetzpnden Ernfendung Vro AVoMirnwnLsbslrages benützen str Wolken» dmnitwir envlkük Vev fortwätzeenvett Mstzmrngsir׳ srtttzoben ftnd. Oxr MVnrkkon.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.