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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-06-01 · Heft 15 (1.6.1897) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 15 (1.6.1897)
Date
1897-06-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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«Kr. 15. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seile 7 rituellen Segen. Se. Majestät erwiderte: ״Mit Dank nehme Ich Ihren huldigenden Gruß und den rituellen Segen Ihrer Religion an. Ich zweifle nicht, dass Sie in Erfüllung Ihrer patriotischen Pflichten mit den übrigen Staatsbürgern wetteifern werden und in dieser Hoffnung versichere Ich Sie gern meiner ferneren Gnade." Nachdem der Kaiser die Antwort ertheilt und zum Rabbiner Schreiber gesagt hatte: Sie sind von der orthodoxen Gemeinde!" wendete er sich zum Rabbiner der Religionsgemeinde, Dr. David, und frng ihn: Sie sind der Rabbiner der anderen Gemeinde?" ״Zu dienen, Majestät, der anderen Gemeinde", erwiderte der Angesprochene. ״Haben Sie im Auslande stndirt"?, frng ihn Se. Majestät weiter, worauf Dr. David antwortete: ״Majestät, ich habe an der Wiener Universität meine Studien absolvirt." — Hierauf verabschiedete' Se. Majestät, nochmals dankend und freundlich winkend, die israelitischen Deputationen. 'Prag, den 27. Mai. Der in voriger Nummer gemeldete Probevortrag des Herrn Obercantors Berger aus Kaposvar, der für den 15. d. M. eingeladen war, hat nicht stattgefunden, da weder der Genannte noch dessen Bruder aus Baja zur Probe erschienen ist. Nach H. Mirski aus Belovar, dessen Vortrag von Erfolg begleitet war, fand mit Unterbrechung eines Samstages, erst vergangenen Samstag, den 22. d. M. ein zweiter Probevortrag des Herrn Cantor David S t a b i n s k i aus Berlin statt, der ebenfalls günstig ausfiel. — Sonntag, den 16. d. M., fand in der Alt-Neusynagoge beim Abendgottesdienst eine Trauerfeier nach dem, am Ollol lianioed Pessach zur ewigen Ruhe bestatteten Rabbinats-Assessor. Herrn Josef Wodniansky, statt, bei welcher Gelegenheit die am Begräbuistage aus religiösen Rücksichten unterbliebene Trauerrede von Sr. Ehrwürden, Herrn Oberrabbiner Dr. Nathan E h r e n f eld. vor einem distinguirtem Publicum und sämmtlichen Rabbinen Prags und der Vororte nachgeholt wurde. Die Feier begann mit dem von Herrn Cantor Ephraim T e w e l e s andachtsvoll vorgetrageuen Minchagebete, worauf der Herr Oberrabbiner dem Heimgegangenen einen' sehr warmen ,.288x66" widmete, in welchem Redner vorzugsweise die Gelehrsamkeit des Entschlafenen auf talmudischem Gebiete hervorhob. Zum Schlüsse reproducirte Redner eine von den vielen talmudischen Abhandlungen des Verblichenen, welche von dem hohen Wissen desselben Zeugnis ablegen sollte. Mit dem von Herrn Cantor Leweles sehr weihevoll recitirten ״LI mole rachamim" und dem hierauf folgenden Mariw-Gebet fand die Feierlichkeit ihren Abschluss. Bei dieser Gelegenheit kann ich es nicht unterlassen, meine Ansicht über die hier bei verschiedenen verstorbenen Persönlichkeiten abgehaltenen Trauerreden öffentlich auszusprechen. Dass Trauerreden im Allgemeinen abgehalten werden sollen, wird wol Niemand bestreiten: aberauch darin wird wol jeder Vernünftige mit mir übereinstimmen, dass man dabei ein gewisses Maß zu beobachten hat. Leider wird hier mit den Trauerreden, respective mit den in denselben vorgebrachten Lobpreisungen so verschwenderisch umgegangen, dass, wie es zu wiederholten Malen schon vorgekommen ist, wirklich verdienstvolle Persönlichkeiten vor ihrem Tode sich jede Trauerrede verboten, in der Ueberzeugung, dass diese Ehre auch Verstorbenen geringeren Ansehens zu Theil wurde, und Manchen sogar in ganz unverdienter Weise. Wenn׳ man mir entgegnen sollte, dass der Begriff ,,würdig" sehr dehnbar ist und ein Dahingeschiedener nach der Auffassung des! Einen eine lobpreisende Trauerrede verdient, nach der Ansicht eines Andern aber nicht, so ist dem gegenüber die Frage berechtigt, ob es logisch ist, wenn man den Einen als freit; letzten Sprossen aus der früheren, wahrhaft religiösen Generation' schildert, durch dessen Hinscheiden der letzte Zweig des alten! frommen Prager Baumstammes abgebrochen erscheint, und! einen Zweiten dasselbe nachsagt. Mit dem Ausdruck ״Cliad Bedore" kann nur eine Persönlichkeit gedacht werden, nicht aber zwei. Indem wir diese Zeilen schreiben, beabsichtigen wir keinesfalls, der Person des Trauerredners, geschweige denn unserem allgemein beliebten Herrn Oberrabbiner, welcher über jede Kritik erhaben sei, nahe zu treten. Wir wollen nur den geehrten ׳Trauerredneru hiermit einen Wink gegeben Habens dass sie mit ihren Trauerreden, namentlich mit den übertriebenen שבחים *n denselben ein wenig sparsamer umgehen mögen, umsomehr, als es doch heißt, einem Todten Vorzüge nachrühmen, die ihm nicht eigen waren, sei für denselben ein בזוין• Den Lohn für meine Offenheit will ich darin erblicken, wenn diese im Interesse des Rabbiuerstandes geschriebenen Zeilen dazu beigetragen haben werden, dass nur wahrhaft würdigen Verstorbenen Trauerreden gehalten, beziehungsweise die in denselben vorkommenden Loblieder mit dem Verdienste einigermaßen in Einklang gebracht werden. Gr. New-Hork. Zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Heinrich Heiners veranstaltet dessen Pathenkind, der Heinebnnd. im December d. I. ein großes Fest im Terrace Garden. Das Geburtsjahr Heiners wurde bisher verschiedentlich angegeben. Man stritt sich zwischen 97 und 99. Heine selber hatte durch einen Scherz diese Frage noch mehr verwirrt. Jetzt spricht sich die vorherrschende Ansicht für 97 aus, und die Historiker des Heinebund haben dies indossirt. — Abraham I. Friedländer in Cincinnati, Senior der Engros-Tuchhandlung von Heidelbach, Friedländer & Co., ist an den Folgen eines Herzschlages ganz plötzlich und unerwartet gestorben. Er war Abends zuvor im Theater gewesen und hatte sich am Morgen augenscheinlich im besten Wohlsein erhoben. Beim Morgen-Kaffee wurde er vom Tode ereilt. Er hatte ein Alter von 67 Jahren erreicht. Der Verstorbene war 185l> eingewandert und hatte seit 1854 der Cincinnatier Kaufmannschaft angehört. Eine seiner Töchter ist Frau Alfred Heidelbach von New-Iork. Herr Friedländer war einer der Gründer des ״Hebrew Union College" und einer der Trustees des Clevelander Waisen-Asyls. Er war im Leben ungemein freigebig gewesen, und kein Bedürftiger, ob Glaubensgenosse oder nicht, hat je ohne Unterstützung seine Schwelle verlassen. —Ueber die Stellung Richard Wagner's zum Antisemitismus gibt ein jüngst veröffentlichter Brief Wagner's an Angela Neumann einigen Aufschluss. Der ״Ring der Nibelungen" sollte in Berlin zum erstenmale am Victoria-Theater unter Angela Neumann's Leitung aufgeführt werden. Da kamen an Nenmann Briefe des Inhalts, dass Richard Wagner der antisemitischen Bewegung nahe st ehe. Eine Anfrage des Operndirectors rief die folgende Antwort Wagner's hervor: ״Geehrtester Freund und Gönner! Der gegenwärtigen ״antisemitischen" Bewegung stehe ich vollständig fern: ein nächstens in den ״Bayreuther Blättern" erscheinender Aufsatz von mir wird dies in einer Weise bekunden, dass Geistvollen es sogar unmöglich ' werden dürfte, mich mit jener Bewegung in Beziehung zu - ,bringen". Rev. Osias Hochglück. Pubtirationen des österr.-ungav. Cantoren-Vereines. Der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines hat in der letzten Vorstandssitzung den einstimmigen Beschluss gefasst, über das vor einiger Zeit in der ״österr. Wochenschrift" veröffentlichte ״Eingesendet" des Herrn Rabbiner Dr. Kaufmann in Veröcze seine Mißbilligung auszudrücken und die in demselben enthaltenen geringschätzigen Aeußerungen über den Cantorenstand zurückzuweisen. Von einer Erwiderung auf das ״Eingesendet" wurde Abstand genommen, da offenbar persönliche Eonflicte des Rabbiners mit dem dortigen Cantor demselben zu Grunde liegen und überdies von dem Herrn Rabbiner Be- Hauptungen ausgestellt wurden, die sich von selbst widerlegen. Der Vorstand des österr-ungar. Cantoren-Vereines. Jene geehrten Herren Abonnenten, denen es ein Vergnügen zu bereiten scheint, sich so oft mahnen;u tasten, werden höstichst ersucht, entweder den MbonNementsbeitrag uns umgehend einzusenden.' oder uns miltheilen zu wollen, dass sie auf die fernere Zusendung des Blaitesnichtmehr rrstektiren. Die Administration.

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