Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 12 (1.5.1897)
- Date
- 1897-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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LeiE 6 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. m. 12. * Bernhard S lade, Professor der christlichen Theologie in Gieße», weist in seiner ״Geschichte des Volkes Israel" däraüf hin, dass jene Thalsache, welche zur Feststellung einer heiligen Schrift, d. h. zur Aufstellung eiiies autoritativen Büches in Israel geführt hat, bis auf den heutigen Tag mit all' den Umständen, welche damals gewirkt Haben, noch fortwirkt. Nachdem er die Gegensätze, welche zur Zeit des Jeremias gespielt Habens und diejenigen Gegensätze, welche heute in allen christlichen- Kirchen- und ich kann sagen, auch innerhalb des Jüdeüthnms stattstnden, lange Zeit besprochen hat, schließt er Mit den Worten: ״So stehen auch wir noch unter Len Nachwirkungen der׳ Ereigniße des Jahres 621 v. d. christlichen Zeitrechnung. Was für eine Thätigkeit aber hat zunächst das .jüdische Volk aufgewendet, um eben die Bibel zu erhalten! Unter allen Wundern der Geschichte giebt es vielleicht kein größeres, als dass wir die Bibel heute noch besitzen. Wie hat. RoM sie verfolgt, wie wurde Jeder, der darin gelesen öder daraus gelehrt hat, wie Jeder, bei dem man eine heilige Schrift vorgefunden hüt, verfolgt, wie wurden die Schriften confiscirt, wie wurden die Menschen, wenn sie den Sinn der Märtyrer hatteil — und sehr Viele Haben diesen Sinn gehabt — deshalb, weil sie aus einer heiligen Schrift gelesen, hingeopfert! Und dennoch haben sie die Schrift sestgehalten und haben die Lehre überliefert. Später hat auch in. viel weiteren Kreisen als in denen des Judenthums sich die Wissenschaft der Erhaltung angenommen. Es ist ein sehr treffendes Wort, das Renan einmal ausgesprochen) als er sagte: ״Die größte Huldigung, welche die Wissenschaft der jüdischen Volksseele darbringen konnte, besteht darin, dass sie nun seit etwa 2000 Jahren auf das Erzeugnis dieser Volksseele, auf die biblischen Schriften, eine so unausgesetzte, eine so tiefdringende Arbeit verwendet." Da ist kein Buch und in keinem Buch kein Capitel und in keinem Capitel kein Satz, ja oft genüge in keinem Satz kein Wort, sogar kein Buchstabe im Wort, über,: welchen nicht scharfsinnige Untersuchungen angestellt, sogar hitzige' ' Kämpfe geführt worden wären. : > So viel geistige Arbeit ist auf die Erhaltung verwendet worden, und mit Recht verwendet worden. Mehr oder mindere, klar, mehr oder minder deutlich gewusst haben es die Menschen -׳ immer, was sie an dem Buche haben, dass es der Halt und״ der Hort ist für alle religiöse Gesinnung, für Gesittung und Moralität. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) löbliche Nedaction! In der letzten Zeit wurde. mein Name m verschiedenen ' Zeitungen und auch in Ihrem geschätzten Blatte wiederholt in einer Angelegenheit gestaunt, die mir keineswegs zur Ehre - gereicht, nämlich, dass mein Name, trotz der allseitigen Anerkennung meiner hingebungsvollen Thätigkeit für die hiesige Gemeinde, dennoch nicht auf der Votivtafel im neuen Tempel verzeichnet wurde. Da nun die geehrten Collegenkreise zu der Aunähme verleitet werden könnten, dass diese Zurücksetzustg nur mir persönlich zugedacht warso sehe ich mich gezwungen, um jeden Verdacht von meiner Person fern zu halten, hier zst erklären, dass dies durchaus nicht der Füll ist was daraus zu ersehen istdass bei der Zusammenstellung der Namen für die Votivtafcl die Namen der hiesigen Ctmtören übekhäupt nicht genannt wurden. Diese Zurücksetzung muß gerade nicht mit Absicht, nicht bewusst geschehen sein, sondern man.hat einfach, wie das schon leider vörzukommen pflegt, auf die Kantoren vergessen. Ich hoffe jedoch, dass bei der Intelligenz und Gerechtigkeitsliebe unseres verehrten Vorstandes im beiderfertigen Interesse diesem Versehen abgeholfcn werden wird, zumal sich einige Vorstandsmitglieder in sehr anerkennenswerther Weise für diese Angelegenheit interessiren. Immerhin kann aus der ganzen Affaire der traurige Schluß gezogen werdendass unserem Stande noch immer nicht die ihm gebührende Anerkennung und Würdigung zu Theil wird, die ihm vermöge seines historischen und heiligen Berufes zuerkannt werden sollte. Ja, wer war es dennder Jahrhunderte hindurch unseren Vorfahren, deren einzige Züslüchtsstätte der Tempel war, durch inniges Gebet ustd durch ergreifende, dem reinsten Quell der Gläubigkeit entstandene Lieder und Melodien zur Zeit der bitteren Bcdrängniße und. qualvollen Verfolgungen Trost und' Labsal -bot? War es nicht der jüdische Cäntor 9l And wer war es denn, der unserem gegenwärtigen Gottesdienst den herrlichen Glänz verliehenihn geregelt und organisirt durch die mächtigen und gewaltigen-Zionsgesänge, die heute Gememgitt säst aller jüdischen Gottesdienste geworden? War es nicht wieder der jüdische Cantör? Und was begännen heute unsere jüdischen Gemeinden, wenn ihncst aus den herrlichen, kostbärcü Gottes^ häüsetn die Compositroucn der Cantöten Sulz er, Naumburg, Deutsch st. s. w. .genömiüen׳ ׳würden - - u'n'8 "d'ie Jünger ünv Interpreten dieser. Meister nicht im Geiste ihrer Epigonen sortwirkcn würden? Sollte׳ cs wirklich nicht bald an der Zeit seist-' eingedenk der Bedeutung des jüdischen Cäntors für das Jüdenthnm, die ihm gebührende Stellung aüzuwciscn? In welcher Weise dieses zum Theil zu erreichen wäre, soll in einem in nächster Zeit erscheinenden Aufsätze mitgetheilt werden. Max Sing ermann, Obcrcantor, Troppau. Wien. Dem Oberrabbiner der Wiener Cultusgemeinde, Herrn Dr. Moriz Güdemann. ist von Sr. Majestät dem Kaiser das Ritterkreuz des Franz Josefs-Orden verliehen Wörden. Unter den gegenwärtigen Verhältnißen erscheint diese höhe Auszeichnung um so bedentüngsvollör und wird Vom gesammten, österreichischen Judenthume freudig begrüßt werden. Dem Herrn Oberrabbiner sind aus diesem.Anlasse im Laufe der letzten Tage unzählige Gratulationen zugekommen, denen , auch wir uns hier öffentlich anschließen. . .״> Wien. Anl 1. Pessach abend erschien Herr Geheimratst Dr. M. Lazarus mit seiner Gemalin, Frau Nahidä Remft im türkischen Tempel, um dem Gottesdienst anznwöhnen. üiH den Tempel zu besichtigen. Die illustren Gäste wurden vost 'den Präsidenten, Herrn Marcus M. Russo u. Licco Adutt' empfangen und zu den Ehrenplätzen geleitet. Nach Beendigung des feierlichen Gottesdienstes sprachen Herr und Frau Geheimräth Lazarus sowohl dem Vorstände als auch dem Obercanlör Bauer besondere Anerkennung aus. Wien- Der bekannte Wiener akademische Mäler, Herr. Isidor Kaufmann, welcher in der heurigen Kuustansstellung mit seinem großartigen Bilde ,-Der Sabbath in der Mnagoge' des Wunderrabbi von Sadagora" Aufsehen erregt, wurde bei der Eröffnung der .Ausstellung von Sr- Majestät, dem Kaiser durch eine längere Ansprache ausgezeichnet. Das.׳׳Bild findet selbst in strengstest KünstlerkreiseU vielfache Anerkenriung, die ailch durch Verleihstng eines Preises zum Ausdrude kam. Das Atelier, des Künstlers befindet sich II.,׳ Mathildeuplatz 3. - Wien. Sonntag, den 25'. Astril fand unter äußerordentlich größer Theilnahme das.Leichenbegängnis des, Uder zu früh verstorbenen türk. Großhändlers, Herrn Moreno D. Asriel, statt. Der Verstorbene war ein sehr geachtetes Mitglied Lei hiesigen türkischest Gemeinde uUd genoss auch inseiner Vaterstadt Belgrad, wo er durch viele Jähre Vorsteher warbesondere Werthschätzüttg. Fast die ganze türkische Gemeinde, der gesämmte Vorstand mit derst Präses M. Russö, dem Vicepräses L. Adutt, den Beiräthen H. Adutt und Rudolf M. Mazliach, sowie der Vorstand der CEewä- KadiscEa mit dem Präses'^ Licö M. Nusso hatten sich Zum Leichenbegängniße eiugefünden .und außerdem war eine Deputation der Belgrader Gemeinde, bestehend aus den Herrn Dr.,D. Alkälay und Jocob Alkälay, eingetroffen, die eisten prachtvollen Kranz׳ überbrachte. Die Functionen versähest Obercantor Bauer mit dem gesammten Chorpersonale und Rabbiner M. Pap o. Wien? Sonntag, den 2. Mar l. I., -12 Uhr Mittags, findet imst israelitischen Tempel Tabakgässc zst Budapest die