Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 5 (11.2.1897)
- Date
- 1897-02-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Redaction n. Administration Wien, 2. Novaragasse 27. U. k. österr. Postsparcaffe Lheck-Lonto Nr. 635,240.' Inserate ■ werden billigst berechnet.; Mannscripte werden nicht j . retournirt. - j Central-Organ für die Interessen der Eantoren nnd Lultnsbemnten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor laeod kauvr. Priinnmerations-PreiS. F>irLi,»tpre1k11.L»lt»»»l׳e.,»»ke ןן jnj0epevvcirf1-H»«1wvu;! Ganzjährig ..... fl. 5.— ‘J Halbjävrig ..... fl. 2.50 3Ni1׳Q[«nt01:eun.<SultUAt1eAmtt;1 im A»»»lKnr> ';} | Ganzjährig .... .19 Kink . '; oder 5 Rudel, i Für Vridatr ttttl» flustttlUe! Ganzjährig . ... fl. 6.—! ä Atzittttreinrnk«- u. ■ ־ betrüge ln»d> in BPieu zahlbar.! li _ — __i 1 Nr. 5. Wien, 11. Februar 1897. 17. Jahrgang. Pädagogische Aphorismen. aus ■ dem Talmud und den Midraschim nebst Parallelstellen ans der Bibel und aus Schriften moderner Pädagogik. Bon Israel Singer, antor. Rabbiner, Religionsprofessor am Ober- . . . gymnasinm zu S. A. Ujhely. (Fortsetzung.) (N a ch d r n ck v e r b o t e II.) Nunmehr einige Lehren über unser Verhalten gegen Christen von Rabbi Jehuda dem Frommen aus Regensburg, in! 13. Jahrhundert, zu welcher Zeit tausende Juden von fanatischen .Christen ausgeplündert und hingemordet wurden. Er lehrte in seinem ״Buche der Frommen" ״Sefer-Chassidim“ folgendermaßen: (Wir verzeichnen die laufenden Nummern daselbst.) ״Man soll möglichst auch einen Christen von einer Sünde zurückzuhalten streben." (Nr. 1130.) ״Man belüge auch einen Christen nicht." (Nr. 1078.) ״Wie man ehrlich gegen Juden sein soll, so soll man auch gegen Christen sein." (Nr. 1085.) ״Ist ein Jude noch so arm, so soll er lieber betteln, als christliche Gelder sich auf unehrliche Weise aneignen. Dies ist eine Entweihung des Gottes-Namens, Odillul-Bascrdeiu." (Jbid.) ״Gott verschafft dem Beleidigten Recht, er mag Jude oder Christ sein; deshalb bestehle man weder Juden noch Christen." (Nr. 661.) ״Wenn ein Christ einen Juden fragt, welcher Jude an einem Orte,, an den er sich begeben will, verlässlich in .Geschäften sei, und welcher nicht, so soll der Jude ihm gewissen- Haft sagen, vor wem!er. sich in Acht zu nehmen habe." (Nr. 1091.) ״Haben Juden und Christen ein! Schutz- und Trntzbündnis miteinander geschlossen, und letztere beobachten es. so müssen es auch jene gewissenhaft halten." (Nr.. 1022). ״Von Frommen, die Gutes thun, darf mau sagen, sie seien zum Guten gedacht" (Nr. 987.) ■ Sichronom lrwrocholi! (Spr. Sal. 10.7.) lieber den mehrseitigen lehrreichen Inhalt: dieses Buches berichtet eingehender Herr Oberrabbiner Dr.M. Güdemann in seinem Buche ״Geschichte des Erziehungswesens" u. s. w. Wien, 1880. - lieber Bethätignngen des Humanitätssinnes der Juden gegen Christen schreibt ein höchst würdiger, römisch-katholischer Priester, Dr. Franz Müller, unter. Anderem folgendermaßen: ״Haöen wir dennzudem nicht eine Anzahl von Beispielen,! dass Israeliten in selbstlosester Weise bei Uuglücksfällen, Epidemien,! Hungersnöthen 2c., ohne auch nur an confessionellen Unterschied! zu denken, für Alle gleich in die Schranken traten'? Braucht wohl noch an die allbekannten Stiftungen jener großen Zahl Israeliten erinneri zu werden, die, streng genommen, selbst den eigenen Glaubensgenossen der Geber zum A b b r u ch gereichen'? Da steht der Jude den! praktischen Menschenthum doch näher. Wenige Fülle haben wir jenen unter den zahlreichen Christen entgegenznstellen". Die dritte Lehre geht dahin, dass man die Sohne und Töchter nahe ihrer Reifezeit verheiraten solle. In erster Linie wird hier wohl die physische Reife gemeint, aber hiezu, ist auch die intellectuelle und sociale Reife nöthig. nämlich das richtige Verständnis für die mit der Ehe verbundenen heiligen Pflichten, ebenso das Vorhandensein der nöthigen Mittel, um die Familie ehrenhaft und standesgemäß ernähren zu können. ״Früher baue der Mensch sein Hans, dann pflanze er seinen Weingarten, und hernach soll er heiraten". (Sota 44.) ״Ordne draußen deine Geschäfte, bestelle dein Feld, dann beginne eine Hausführung!" (Spr. 24,. 27 nnd Jalk. z. St.) ״Wer auf seiner Frau Broderwerb wartet, sieht keinen Segen darin". (Psochim 50.) ״Mangel an Nahrungsmitteln stört den Hausfrieden, verursacht Zank." (B. Mez. 59.) ״In der Wahl einer Frau soll man sehr vorsichtige sein." (Jebamot; 63.) ״Wer eine unwürdige Frau heiratet, der entwürdigt nicht nur sich allein, sondern auch seine Familie " (Midr. Bad. I. M. 21. C. Derech-Erez.) Bad. 1. 6. ״Nicht Reichthum, nicht Schönheit, sondern vorzüglich gute Familie und besonders gute Sitten der Braut und fronrme Brüder der zu Wählenden sollen hiebei maßgebend sein". (Tanit. 26, 33. Bad. 70 und Midr. Deuter. 21. 11.) Analog den Lehren der Bibel hat der Talmud die M i s ch e h e n perhorrescirt. Als einer der wichtigsten Zwecke der Verehelichung gilt ja die Erziehung treuer und frommer Anhänger unseres Bekenntnißes, - dies ist aber unter Ellern verschiedener Bekenntnisse selbstverständlich unmöglich. Die nachfolgende, vom Propheten Maleachi (1. 10—16.) gehaltene Strafpredigt au jene Juden, die im babylonischen Exil Heidinnen ehelichten, hat auch auf Mischehen zwischen Anhängern m o n a t h e ist i s ch e r Bekenntniße vollste Anwendung. Er