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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-02-01 · Heft 4 (1.2.1897) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 4 (1.2.1897)
Date
1897-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesteireichi^h-ungariachß Redaktion u. Administration Wien-2. Srovärägasse 27. A.k. österr. f)ostsparcafse Lh'eck-Lonto Nr. 835,240 s ' / '-^'I.ns'eLÄIr' werden billigst berechnet. Manuskriptewerden nicht ׳ ״ retournirt. Osutral-O^gLL für die Interessen der Csntoren und TulMsbeamten. Erscheint jedert zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. , Prannmeratians-PreiS.. . - FürVantv«» n.DaU»»branU» irr Vefirrreirii-Airgnr» Ganzjährig .... st. S-— Halbjährig . . . ... fl.2L0 FiirSlairtoreiru.Lnltnsbeanrl»' .,. in» AtlÄläind . Ganzjährig;.i :110־■;די Mirk oder 5 Rudel. Für Private nnd Ittstikute Ganzjährig: . . .־ . fl. 6.— Aboirneuientan. Insertion»- betrüge stnd. itt Wien zahlbar. Hv. 4. Wien, 1. Februar 1897. .17 ׳. Jahrgang. Kunst oder Handwerk aus dem Gebiete des jüdischen Cantvrates. Studie von Obercantor Singer in Wien. - III. - Soll das synagogale Recitativ wahrhaft künstlerisch gestaltet werden, so darf der Vortragende nicht einen Augenblick außer Acht lassem dass der Gesangston den Declamationston unterstütz e i! muß, dass es demnach ein vollständiges Verkennen der Thatsache ist, wenn man den Gesangston ans Kosten des viel wichtigeren Declamationstones in den Vordergrund stellt. Das Hauptprincip des jüdischen Cantors muß daher in dem Satze . gipfeln ckadder 61 dn6 ^'i8r061, d. h. auf die Deutlichkeit des' Declamationstones stets Acht zu haben. Um dieser schwierigen Aufgabe gerecht zu werden, muß der Vortragende auf streng correctes Hervorbringen sämmtlicher Buchstaben des Alphabetes achten und etwa vorhandene Sprechfehler zu bekämpfen trachten. Wem beispielsweise von Natur ans versagt ist, den Laut ״R" als Zungenlaut hervorznbringen, sondern denselben mit Zuhilfenahme des Rachens behandelt, der wird, namentlich in der hebräischen Sprachewo die Kehl- und Rächenläute vorherrschen, schon auf große Schwierigkeiten bezüglich der vollkommenen Deutlichkeit stoßen. Stehen uns sämmtliche Declamationstöne zweifellos rein zur Verfügung, dann erst können wir dem Gesangstone unsere Beachtung zuwenden. Was ein künstlerisch schöner Ton bedeutet, kann hier allerdings nicht erschöpfend auseinandergesetzt werden, doch fühlen wir uns verpflichtet, darauf ernstlich aufmerksam zu machen, dass zwischen dem primitiv physischen Hervorbringen eines Tones und der durch - geeignete Schulung erlangten Klangschönheit des Gesangstones eine weite Kluft gähnt, deren entfernte Endpunkte. durch unausgesetzte Beobachtung und rationelles Studium nach und nach näher gerückt werden können.' Wem die intellektuelle Befähigung mangelt,' diesen Gesichtspünct vollwerthig zu erfassen, der muß mit seinen selbsterfundenen Versuchen und Experimenten ganz besümmt Schiffbrüch erleiden. Es'erscheint darum dringend geboten,.. sich ׳ bei einem ׳erfahrenes und allgemein gebildeten Gesangslehrer den nöthigen ׳ Rath - zü holen, ^womöglich, den Natürfehler verbessern zu lässen. ׳ Mast hütesich jedoch- -Mit seinem etwaigen gutturalen oder näselnden Ansätze vor die Oeffentlichkeit zu treten und den angewöhnten oder durch fehlerhafte Schulung erlernten falschen Ansatz als originelle, mit der Person innig verbundene Bevorzugung hinzustellen. Den! Laien kann ja unter Umständen ein solch" ungerechtfertigtes Vorgehen gefallen,-dem Fachmann niemals.*) :7 ' Hat man es nun endlich so weit gebracht, sämmtliche - Declamationslaute mit sümmtlichen Singtönen, über die-der -' Sänger verfilzt, klangschön zu verbinden, d. h. hat man endlich, leichtflüssig solfeggiren gelernt, dann gestaltet sich das zu recitirende Wort, welches ja nur das Ergebnis der oben äugedeuteten Vorbedingungen ist, von selbst, und vom Worte zur 1 Satzphrase ist ja nur ein weiterer Schritt auf der nun geebneter ' Bahn.- Von jedem Sänger, der auf den Bedeutungsgrad eines Künstlers Anspruch erhebt, muß die volle Beherrschung der Sprache, in welcher er singt, vorausgesetzt werden und je mehr er sich mit der Etymolopie und Aesthetik derselben vertraut gemacht, desto richtiger und eindringlicher muß sich sein Vortrag gestalten. Deshalb ist es auch firr den jüdischen Cantor ein dringendes Gebot, die hebräische Sprache gründlich zu erlernen und sich nicht, wie es so oft geschieht, im besten Falle mit Behelfmittelchen aus der Verlegenheit zu befreien. Je tiefer der junge Cantor in die Geheimniße der hebräischen Sprache und in den Geist derselben eindringt, desto wirkungsvoller wird auch sein Recitiren, und was dem Eleven durch eine etwaige Ungunst der Verhültniße nicht möglich wurde, das suche der junge Cantor schon in den ersten Jahren seiner Wirksamkeit nachzuholen. An der Hand der vorausgeschickten concreten Thatsachen sind wir nun endlich bis au die Stelle gelangt, wo das geistige Moment des Vortrages in den Vordergrund tritt. Worte und Töne, selbst streng künstlerisch verbunden, werden im besten Falle zwar einen correcten, aber immerhin nur trockenen Vortrag erzielen, niemals jedoch dasjenige, was die Gesangskunst unter Tönempfindung, die Redekunst unter Wortempfindung versteht. Die Musik, wie der Gesang ohne Worte ist ja im Stände, äußere Vorgänge*- des Lebens zn schildern, daher die Bezeichnung der Musikstücke mit *) Hanptsäctjlich hüte sich der mit einem solchen Tonansatze Behaftete ׳ als Sticküibildner wirken zu wollen weil durch das eine falsche Musterbild ^eine ganze Generation von-falsch- Singenden erzogen wird.

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