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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-12-11 · Heft 30 (11.12.1896) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 30 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Qesterreichisch-ungarische . Redaetion u. Administration Central-Organ Pränumerations-Preis. FüEantvrerr rr.D׳»ttusVea,nt« nr Vrfierrrirh-Mrgarrr Ganzjährig.fl. S.— Wien, 2. dtovaragasse 27, Mr die Interessen der Cantören und . K. k. Lsterr. Postsxärcaffe Lh'eck-Lonto Nr. 835,240. Lultusdeanüen. Halbjährig . . . . . ffc'&50 5iir(Eaj*f0EEun.(Enlt1«»beamt» "luetißen billigst berechnet. : Manuskripte werden nicht ' ' rrton'rnirt.. t tt t f e tr c n z ehnL e 1t g. Ganzjährig .10. . . . ־ Mark oder 5 Für pcibate llirflitirtr Ganzjährig . ... fl. K.— Ubvrnremeut«- u. Insertio»»- betrüge stnb m Mir» zahlbar, j 1 Begründer: Obercanlor Jacob Bauer. Mr. 30. Wien, 11. Derembrr 1896. 16.: Zur materiellen Hebung des Von Cantor Julius Fiirnberg, Neuhaus. < Vor kurzer Zeit erschien in diesen Blättern unter der Überschrift ״Epilog zum Synagogeujahre 5656" ein aus? gezeichneter Artikel, der die vollste Aufmerksamkeit/ aller. Berufskreise verdient hat, Der Inhalt desselben ist: bekannt, und nur die Haupt-Pointe sei nochmals erwähnt, sie lautete: ״Cantören! Wollt ihr was sein und beanspruchen, so lernet!" Von vornherein sei bemerkt, dass diese Aufforderung keinen ernsten Gegner haben - kann; ohne Wissen ist heute auf keinem Gebiete, ein Vorwärtskommen möglich, und das alte Sprichwort ״Om ehoscliew ke'mess“ bewahrheitet sich am meisten bei dem Unwissenden, denn dieser ist der größte Om. Die Ausführungen des׳ geehrten Autors über die Handhabung des Chasonus will ich ein anderesmal in den Kreis meiner Betrachtungen ziehen und,Im Nachfolgenden lediglich auf jene Bemerkungen reflektiren, welche sich auf die Heranbildung der jüdischen Functionäre, resp. der Cantören beziehen und' Mit der Besserung der materiellen Lage in engem Zusammenhänge stehen. Da scheint es mir aber, dass;es!denn .doch .nicht, unsere Sache sein kanch uns den Kopf darüber, zu zerbrechen, wie den israelitischen Gemeinden genügend tüchtiges) Material zur Verfügung zu stellen sei. Denn sind wir .bei der. Celebrirüng des jüdischen Gottesdienstes unbedingt noch- Mendig/ dünn werden die Cultusgemeinden daran denken müssen, Anstalten ins Leben zu rufen, in denen Cantoreu ausgebildet werden, gleichgiltig, ob sie die echten Vertreter des Hohepriesters sind oder nicht. Ich, und gewiss viele meiner Collegen, sind sehr gerne bereit, die Rabbinen als die wirklichen, also echten Vertreter des Hohepriesters anzuerkennen,. wenn es nur uns dabei gut geht. Sind wir aber entbehrlich, dann wäre es ja ein großes Glück, wenn Niemand mehr zum Cantor herangebildet würde, da ihn dieser Stand nicht ernähren könnte. . ' ' 1 Uns geht es gegenwärtig, wie. den. Lehrern in früheren Zeiten. .Sie waren schlecht besoldet,.trotz vieler. Arbeit, sie waren nicht - besonders geachtet. —, . wegen mangelhafter/ Bildung. -Endlich , sah. der Staat ein, ׳ dass man, hier Whndelffch affen müsse. Was geschah also? Er schuf ein großartiges Reichsvolksschulgesetz, er errichtete Bildnngsanstalten, setzte einen bestimmten Grad von Bildung fest, den jeder Lehrer haben muß, regulirte die Gehalte, und siehe da, es erwuchs ein- Stand, der aus seinem Scheindasein auferstand und in Folge seiner Bildung achtunggebietend auf die Bildfläche trat. Fragen wir, warum das geschah, so erhalten wir zur Antwort, weil der Staat die Notwendigkeit des Lehrerstandes einsah. Der Staat für uns sind aber die israelitischen Cultusgemeinden, und es unterliegt darum keinem Zweifel, dass sie, wenn sie die Erhaltung' des Cantorenstandes als nothwendig anerkennen, dem Beispiele des Staates in jeder Hinsicht folgen werden. Sie werden Cantören- Bildungs-Anstalten auf eigene Kosten errichten, sie werden wahrscheinlich auch einen Nnterrichtsplan, nach dem vorgegangen werden muß, ausarbeiten lassen, und sie werden schließlich auch — für uns die Hauptsache — einen Pensionsfond gründen. Ich.frage also : kann es unsere Sorge sein. Lehranstalten zur Heranbildung von Functionären für den jüdischen Gottesdienst, respeetitze Cantören zu . errichten? Ich bin. überzeugt, dass bei eiuex^. eventuellen - Nachfrage in- Eantorenkreifen über diesen Punkt neüü Zehntel mit. ״Nein!'*. stimmen werden. Ich komme nun zum wichtigsten Punkte, dem Pensions? fonde^ Stände , mir die Rednergabe eines Jesaias zur Verfügung, so würde ich auf die Lässigen unseres Standes losdomwrn, unbeschadet dessen, von ihnen zerfetzt zu werden.. Es wurde.bemerkt, wir hätten ungebildete Elemente in unserer Mitte — das ist für uns theilweise, für diese selbst aber ganz besonders unangenehm; es wurde -weiters gesagt, es sollen Parasiten unter uns herum- : schleichen — auch das ist unangenehm, ist aber eine. Erscheinungdie sich überall zeigt. Sie tritt fast auf jedem Gebiet auf, auch dann noch, wenn längst alles gesetzlich geregelt wurdegeradeso, wie der sogenannte Hauslehrer einiger jüdischer Dorfbewohner, die keinen öffentlichen Funktionär besolden können׳ und sich privatim ' eine Kraft besorgen, von der die Oeffentkichkeit nichts/WE In jedem Artikel, der über unsere Verhältniße spricht müssen wir den Vorwurf der'Indolenz hören und, da wir ihn' zum Theil verdienen, auch schön einste'cken. Wir sind machtlose weil wir nicht wollen, wir sind die.- Einzigen,' die nichts, thun, daher nichts , vermögen. Es gibt heute kaum einen Stand oder eine Vereinigung, die nicht ihre Pensionskaffe hätte, die von

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