Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 29 (1.12.1896)
- Date
- 1896-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-unaarische Oesterreichisch-unaarische Redaction u. Administration Wien, 2. Novaragasse 27. K. k. österr Pojlfpavcaffe Lheck-Lonto Nr. 885,240. . Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht - - retonrnirt. ׳ 6satra1-0rFLa für dir Interessen der Cantoren und CultusbLSmtrn. Erscheint jeden zehnten Lag. Begründer: Obercamor isvok 8suvr. PrännmerationS-PreiS. FiirÄntttvreirn.Äultttsbernute ' in Vrstorr«i«h-A>rgar» Ganzjährig ..... fl.. 5.— Halbjährig ..... fl. KL» FürEa»tvre»».E»lltt«beaml« im Ansland Ganzjährig.10 Virrk oder 5 Rubel. Für private ,mV Institut« Ganzjährig . ... fl. 6.— j Abonnements- 1t. Insertion»- j betrüge sind m Wir»!alrlbar. Nr. 29. *• ׳ »׳■ ■■■■■■.. - Wien, 1. Drcember 1896. 1b. Mhrgmrg. Nladins Wunderlampe. Eine Cliannka-Betrachtung von Nos a S t r a n s k y. . Die großen und kleinen Festtage des Jahres wie nicht minder die alljährlich zu bestimmten Zeiten wiederkehrenden Veränderungen in der Natur besitzen die zauberhafte Eigenschaft, in jedem denkenden und geniüthvollen Menschen alte Erinnerungen wachzurufen und längst verwischte Eindrücke neu zu beleben. Auch die ersten Schneeflocken, das erste Frostgefühl führen eine Sprache, die von Vielen verstanden wird. Mir rufen siLvor Allem zu, dass Chanuka, das Lichtfest, herannahe. Lichtfest! Wie wohl thut dieses Wort heute, wo dunkle Wolken über unserem Haupte lagern! Doch ich will mich ja von der Erinnerung zurücktragen lassen ״in die Vergangenheit, und dort blinken so hell, so freundlich unsere Chanukalichtlein. Nicht etwa, ׳dass ihre: Leuchtkraft eine stärkere gewesen, nein, wir lebten in einer Judengasse,, die nach Sonnenuntergang stockfinster dalag, und in den engen Wohnräumen brannten nur spärliche Oellampen oder Talglichter. Wenn wir aber am ersten Chanukaabend um fünft Uhr., unser. dreiklassiges Schulgebäude verließen, jauchzten wir auft da fast : bei jedem Fenster ein Lichtlein freundlich winkte, -und wie. sich die Lichtlein an jedem Abend. vermehrten, stieg.,, unsere Freude, unser Festgefühl. Bei manchem Fenster tönte freundlicher Gesang heraus, und voll Jubel stimmten die munteren.Schulknaben das Muos.zur. an. Wir vergaßen den Hunger, - der uns sonst .rasch Heimtrieb, und blieben da und dort stehen, um..ejne., alte-Msuors aufs.neue zu bewundern oder das.!Verlöschen eines Lichtleins abzuwarten, ohne der wirbelnden Schneestocken und des.. Frostes zu achten. Mancher muntere Junge versuchte dann in : seiner frohen Lust - Schneeballen zu machen, doch die volle Schultasche und die. Last der schweren Bibelwerke.hinderte ihn und und er. verschob diesen. Spass auf eine; gelegenere. Zeit. . .; ftlnsere; fromme Mutter wartete stets mit dem- Änzünden der^-Lichtlein,, bis wir -drei -Geschwister. daheim waren, .-damit wir!lichts .von-demweihevollen.Eindrucke verlieren,..und gönnte uns an; diesen -Ab end en- - manch s; unschuldige- Freude, wenn wir.. unsere Aufgaben,!, die-während der.Halbfestwoche: kurz waren^ - beendigt hattW Am;-liebsten;;giengen^ wiri Hann zueinem..unserer. Inwohner, einem alten Schneider, und baten.ihn, uns: Geschichten zu erzählen, deren er so viele wusste. So hörten wir von ihm schon viel aus dem Prager Ghetto, aus der Zeit der Juden- Verfolgungen, aus Itevolutiops- und Kriegszeiten. Er erzählte hübsch und machte mit klugem Sinn feine Bemerkungen dazu, die für unseren kindlichen Gedankenkreis passten, uns belehrten und gnregten. Doch seit Beginn׳ jenes Winters, an den ich mich ebeu jetzt so lebhaft erinnere, waren er und seine Frau sehr Mstimmt und wortkarg, denn die besten Arbeiten, die sonst aus ihrer Werkstätte Hervorgiengen, blieben plötzlich Ws. und nur billiges Zeüg und Flickerei kamen ihnen M. Wir glaubten aber bestimmt, dass er heute bester gekannt sein müsse, weil wir ja auch fröhlicher waren, und traten herzhaft bei ihm ein. ״Na, Kinder! eine Geschichte! was?" — ״Ja bitte! wenn auch nur eine kurze! Sie haben uns schon lange nichts erzählt." baten wir. ״Nun, ich will euch heute, Chanuka zu Ehren, etwas erzählen," sprach er freundlich, ,.von einer Wunderlampe aus ״Tausend und eine Nacht." Die Geschichte heißt: Madins Wunderlampe." Schon saßen wir auf der Ofenbank wie festgenagelt nnd warteten mit Spannung, bis auch er sich setzen werde, aber er zog es diesmal vor. während des Auf- und Abgehens zu sprechen, ganz so wie unser Lehrer in der Schule. Er fieng an: ״In Asien lebte ein Mann, dem es lauge Zeit hindurch so schlecht gieng. dass er schon alles, was er nur entbehren konnte, verkauft hatte, um für sich und die Seinen das nöthigGMot zu beschaffen. Als er nichts mehr zum Verkaufe vorfand, erinnerte er sich einer alten Metalllampe, die sein sterbender Vater ihm ganz besonders in Ehren zu halten empfohlen hatte, weil von ihr Rettung und Hilfe komme in Noth und Drangsal. Der Vater war aber plötzlich verschieden, ohne Näheres hinzuzufügen, und da Aladin, so hieß der Mann, mit der Lmnpe nicht umzugehen verstand und von ihr keinen Gebrauch machte, kam sie mit der Zeit in den äußersten Winkel d.ec Kammer, wo sie bald ganz vergessen im dicken Staube begraben lag. Als nun jetzt die Noth auf's höchste gestiegen und die״ Kammer schon - ganz, teer war, stieß-die hungernde Frau mit dem Fuße auf den׳ harten Gegenstand im Schutte und holte ihn neugierig hervor. Der Mann kam gerade-dazu, nahm ihr die verstaubte Lampe aüs der Hand und verfiel in tiefes Nachdenken. Wie sollte er es