Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 25 (21.10.1896)
- Date
- 1896-10-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/1304829-3453365-3453390--4651-3459136- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Oesterreichrach-ungarische I Hebaction u. Administration Wien, 2. Novaragaffe 27. A. k. Ssterr. f)ostsxarcaffe Lheck-Lonto Nr. 835,240. Infrrrrte werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retoürnirt. für die Interessen der Cantorrn und Cultusbrsmten. Erscheint jeden zehnten Tag^ Begründer: Obercantor isead 8au6r. PrännmerationS-PreiS.- FjirÄantorrnn.Cnltnsdeaint» irr Vefirrreiltt-Angarn Ganzjährig ..... ff. 5 — Halbjäbrig ..... st. 2.50 JltuVmifau» 11.<B11lf«t*befl1nt* fm Ausland Ganzjährig.10 Mrrt oder & Rudel. JTlic Privat» nnl» Institut» Ganzjährig . ... ff. 6.— Abonnements- ,». Insertion«- betrag» stnb 11» Wien iatzkbqr. Nr. 25. Wien, '21. Orkobrr 1896. 1b. Jahrgang. Jüdisches Leben in Amerika. - Von Rev. Osias Hochglück. Julius Bien, der Präsident des Ordens B'nai B'rith seit Juli. 1868, feierte am 27. September die Vollendung seines 70. Lebensjahres im Kreise seiner zahlreichen Familie, seiner Lebensgefährtin, seiner Kinder und Enkel, und beglückwünscht von vielen zahlreichen Freunden, welche ihre persönliche Aufwartung machten. Aus allen Theilen-des Landes, wo Logen des Ordens sich befinden, von vielen, vielen, Brüdern, welche den Ordensobernliebeu״ und schätzen gelernt haben, trDn DepeÜhen und Glückwunsch^ Adressen in Masse ein, so von Berlin, Frankfurt, Prag, Wien, Breslau, Hamburg, Bukarest, JeruMem, Cairo und anderen Orten. Herr Bien kam nach Amerika Im Jahre 1849, nachdem er in Deutschland eine vorzügliche Erziehung genossen und als Künstler sich ausgebildet halte. In Frankfurt wurde er mit der erst in der Entwicklung begriffenen Kunst des Steindrucks bekannt, errichtete kurz nach seiner Ankunft eine lithographische Druckerei, so dass er, obschon er blos mit einer einzigen Handpresse zu arbeiten im Stande war, schon im Jahre 1852 ein bedeutendes Werk über amerikanische Locomotiven und Eisenbahnen. verfasst,,von Zerah Colburn und Alexander L. Holley, herauszugeben vermochte. Seit dieser Zeit wurde die von ihm geleitete Kunstanstalt eine der bedeutendsten in der Herstellung von Landkarten, und giengen aus seinem Verlage, nach Tausenden zählend, die gediegensten kartographischen Leistungen unter den Anspielen der amerikanischen Bundesregierung, der verschiedenen nord- und südamerikanischen Regierungen herausgegebene Kartenwerke hervor, und stellte sogar der berühmte Kartograph Julius Perthes der Bien'schen Anstalt das Zeugnis der größten Vortrefflichkeit in der Herstellung geographischer Blätter aus. Aber auch in der Herstellung von Illustrationen zur Beleuchtung wissenschaftlicher Werke leistete die Anstalt Bedeutendes. So wurden da die ersten in Farben gedruckten Bilder zur zweiten Ausgabe von Audubon's; berühmten Werk über die amerikanische Vogelwelt hergestellt, die Lithographien zu dem großen, von der amerikanischen; Regierung veröffentlichten Werke über die chirurgischen Fälle während des Bürgerkrieges, .die Bilder zur; Beleuchtung der officiellen. Berichte über Erdvermessungen und geologische Forschungen, und andere epochemachende Werke Dass Herr Bien in enge gesellschaftliche, ja vertraute Beziehungen zu den hervorragendsten Forschern auf dem Gebiete der Natur- Wissenschaften trat, ist leicht ersichtlich, und wurde er zum Mitglied der bedeutendsten wissenschaftlichen Gesellschaften des Landes erkoren. Dass die Mitglieder des Ordens mit wahrhaft kindlicher Liebe und Verehrung an ihm hängen, ist dem Umstand zuzuschreiben, dass er es war, welcher dem Orden die Richtung gab,; welche ihn zum bedeutendsten Hebel der Erziehung und Bildung - gestaltet,^ die in der Geschichte des jüdischen Volkes in dir Erscheinung trat, die einzige Gesellschaft, welche einen internationalen Verband bildet, trotzdem jede politische Erörterung oder religiös gefärbte Disputation innerhalb der Loge von dem Orden perhorrescirt wird. Schon im Jahre 1850 trat er dem Orden bei, veranlasst von den geistig hochberanlagten Männern Henry Jones, welcher als der eigentliche Stifter des Ordens gilt, Baruch Rothschild, Silhelm Renan, Dr. L. Merzbacher, dem ersten Prediger der Tempel Emanuel Gemeinde und anderen gleichstrebenden Geistern, wie zum Beispiel dem im 90. Lebensjahre stehenden Dr. E. M. Friedlein, Dr. S. Waterman, und schon wenige Jahre darauf wurde er zum ersten Beamten der Distrikts- Großloge gewählt, welches Amt er während dreier Jahre verwaltete, um dann als Präsident der Central-Behörde gewählt zu werden, in welchem Amte er ebenfalls bis zum Jahre 1859 verblieb. Die nächsten zehn Jahre waren eine Periode des Stillstandes, theils durch die Verwirrung des Bürgerkrieges hervorgebracht, theils dem Umstande znzuschreiben. dass die Elemente, aus welchen der Orden sich zusammensetzte, die entgegengesetztesten Ansichten und Gewohnheiten reprüsentirte und es an einem leitenden Geiste fehlte, welcher die nöthige Klugheit, den besonnenen Fernblick und das Organisations-Talent besaß, diese heterogenen Theile in ein Ganzes zu verbinden. Es bedurfte eines Bien, er trat wieder in den Vordergrund, und sein erster Schritt war. eine konstituirende Versammlung einzuberufen, an welcher eine jede Loge durch einen von den Mitgliedern in geheimer Abstimmung gewählten Delegat vertreten sein sollte, und diese Versammlung wurde in hie^er Stadt im Juli 1868 abgehalten. Zum Vorsitzenden wurde der rühmlichst bekannte