Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 19 (1.8.1896)
- Date
- 1896-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 7. ganzen Behutsamkeit politischer Unterhandlungen׳ anfassen und betreiben, so haben wir doch nichts zu verbergen."-- An die von Begeisterung getragene Rede, die cnthusiastischen Beifall erweckte, knüpfte sich eine eingehende Discussion, in welcher zumeist zustimmende, jedoch auch einige gegentheilige Anschauungen zum Ausdruck kamen. Kleine Chronik. Wien. (25-jähriges Schriftsteller-Jubiläum.) Anfangs September begeht der Verantwortliche Redacteur unseres Blattes, Herr Alois Kulka, sein 25-jähriges Schriftsteller- Jubiläum. Herr Kulka war früher in größeren Provinzgemeinden als Obercäntor thätig und erwarb sich überall durch seine prachtvolle Tenorstimme und seinen wirkungsvollen Vortrag allgemeine Anerkennung. Er war auch einige Jahre Reserve- Cantor bei der Wiener Cultusgemeinde und noch jetzt versieht er bei dem von der Cultusgemeinde zu den hohen Feiertagen alljährlich im Musikvereinssaale veranstalteten Gottesdienste die erste Funktion. Der Beginn seiner schriftstellerischen Thätigkeit fällt noch in die Zeit seiner cantoralen Wirksamkeit, indem er als Obercäntor in Bottusch an (Rumänien) über die seinerzeit dort stattgehabtev Judenerfolgungen in der ״Neuen Fr. Presse" einen großen Artikel veröffentlichte. Seitdem blieb er mit der Wiener Presse in engerem Contacte und wusste sich durch sein Talent bei den hervorragendsten Wiener Tagesblättern einzuführen. Als Berichterstatter der Hofnachrichten erfreut er sich der Sympathien der höchsten Hofkreise und wurde er besonders von Seiner kaiserl. Hoheit dem Herrn Erzherzog Otto schon bei vielen Gelegenheiten ausgezeichnet. Herr Kulka ist auch in seiner Eigenschaft als.Journalist schon zweimal von fremden Potentaten decorirt worden, er ist Ritter des serbischen Takowa- und Ritter des persischen Sonnen- und Löwen-Ordens. Seit Begründung der Eantoreri-Zeitung ist Kulka verantwortlicher Redacteur derselben und hat, liamentfid) in der ersten Zeit, in diesen Blättern eine eifrige Thätigkeit entwickelt und die Interessen der Cantoren gefördert. Alle Collegen werden sich darum gewiss gerne vereinen, um diesen verdienstvollen Mann zu seinem Jubelfeste zu ehren und sich an dem von der Redaction geplanten Ehrengeschenke bereitwilligst betheiligen. Geldbeträge übernimmt zu diesem Zwecke die Redactton dieses Blattes. Wien. (Das neue Statut der Wiener israelitischen Cultusgemeinde.) Mit dem Reichsgesetze vom 21. März 1890 wurde den israelitischen Cultusgemeinden in Oesterreich die Pflicht auferlegt, Gemeindestatuten zu verfassen und deren behördliche Genehmigung zu erwirken. Es wurde sodann in einzelnen Kronländern von der Landesbehörde je ein Musterstatut ausgegeben und hiemit der Rahmen bezeichnet, innerhalb dessen sich die Statuten der daselbst bestehenden oder neu constituirten Cultusgemeinden zu halten haben. Und so befinden sich von den 545 israelitischen Cultusgemeinden in Oesterreich bereits etwa 70 im Besitze ihrer Statuten. Nun ist auf Grund einer Ermächtigung des Cnltusministeriums mit dem Erlasse der niederösterreichischen Statthalterei vom 15 Juli auch das Statut für die Wiener israelitische Cultusgemeinde genehmigt worden. Auf Grund der ertheilten behördlichen Genehmigung tritt das Statut sofort in Geltung. Für die Neuwahl und die Constituirung des Cultusvorstandes ist die Frist bis 1. December l. I. anberaumt. Im Aufträge des Kultusministeriums ist dem Wiener Statute auch ein von dem Referenten Dr. Alfred Stern verfasster sehr eingehender Mottvenbericht beigegeben, dessen wichtigere Theile wir in der nächsten Nummer zur Veröffentlichung bringen werden. Wien. Donnerstag, den 16. Juli fand behufs Besetzung der 1. Cautorstelle für den X. Wiener Bezirk im Tempel an der Seitenstättengasse, in Gegenwart des Bethaüsvorstandes -des Bezirkes, :sowie vieler Gemeindemitglieder;und des.als ׳Experte eingeladenen ׳Obercäntor Singer das Probesingen-statt. Von den Bewerbern um die vacante Stelle waren die Herren Cantoren Schlesinger-Marienbad, Klein-Floridsdorf und König einberufen worden. In der darauf folgenden Sitzung wurde Herr Cantor Josef Schlesinger aus Marienbad (Schüler der Cantoren- Bildungsanstalt Obercäntor Bauer) einstimmig zum 1. Cantor gewählt mnd soll derselbe bereits am 1. August seinen neuen Posten antreten. Budapest. Die Thatsache, dass Justtzminister Erdelyi bei seiner gestrigen Anwesenheit in Munkaes keine Deputatton der israelitis.chen Confes sion empfieng, gibt zu allerhand Gerüchten und Ausstreuungen Anlass. Thatsache ist nur, dass der Minister die Juden nicht e m p f i e n g, weil sich die Neologen und die Orthodoxen nicht zu einer gemeinsamen Deputation vereinigen konnten und sich der Minister auf den Standpunkt stellte, dass es nur eine jüdische Eonfession gebe und er zwei Deputationen nicht empfangen könne. Prerau. Als Nachfolger des verstorbenen verdienstvollen Obercantors Grünberger wurde Herr Cantor S. Regner aus Austerlitz (aus der Cantoren-Bildungsanstalt des Obercäntor Bauer) mit Acclamation zum 1. Cautor gewählt. Petersburg. In Rußland scheint sich denn doch ein Umschwung der Verhältniße vorzubereiten. Die ״Nowoje Wremja", welche unter dem vorigen Czaren gegen Mchtorthodoxe keineswegs eine freundliche Haltung beobachtete, hat sich unter Kaiser Nicolaus II. eines Anderen besonnen, predigt Toleranz und tadelt die confessionelle Unduldsamkeit. ״An der Größe und Macht Rußlands", meint das Blatt, ״haben auch Deutsche, Polen und Andere gearbeitet. Uebrigens ist es ungerecht. Jemand seine Abkunft und Religion vorzuwerfen. Der Senat hat schon im Jahre 1743 erklärt, dass die gegen die Juden gerichteten Gesetze sehr häufig dem Interesse des Staates Schaden zufügen. Alle haben ihre historischen Verdienste und Sünden. Frei aufathmen wird man zu einer Zeit, in welcher Alle eingesehen haben werden, dass der Zweck einer socialen Entwicklung in dem gemeinsamen friedlichen Zusammenleben und Zusammenwirken Aller ohne Unterschied der Abstammung und des Glaubens zu suchen ist und nicht in dem Unterordnen der einen unter die Anderen." Diesen Expectorattonen des mit den leitenden Petersburger Kreisen in Verbindung stehenden Blattes secundiren die Petersburger ״Wiedomosti" kräftig, indem sie betonen, dass nur eine humane Richtung in der innerrussischen Politik das Wachsthum und die moralische Macht Rußlands fördern könne. Leider mißbrauche die selbstsüchtige und geistig beschränkte russische Bureaukraüe den Namen des Czaren als Vorwand für die Verfolgungen Andersgläubiger, um auf diese Weise ihre amtliche Stellung, ihren ungerechtfertigten Einfluss und ihre auf Willkür basirende Macht zu behaupten. Fogaros. Die Fogaroscher jüdische Gemeinde hatte am vorigen Samstag einen Hochgenuß. Herr Rabbiner I. L. Marmorstein aus Szenitz weilte hier über Samstag als Gast bei seinem Schwager, unserem Rabbiner Dr. Alex. Jordan. Der Vorstand benützte die Gelegenheit und ersuchte den ehrwürdigen Gast um die Abhaltung einer Predigt. Herr Rabbiner Marmorstein hielt demzufolge in dem überfüllten Tempel eine großangelegte, von gediegenem דברי תורה ומוסד über sprudelndeSabbatrede, die auf alle Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck übte. r. Baltimore. Der geschätzte Mitarbeiter dieses Blattes, dem die Leser der Cantoren-Zeitung so viele interessante Berichte aus Amerika verdanken, Reverend Osias Ho ch glück aus Newyork, hat Samstag, den 27. Juni in der hiesigen Eden- Street-Synagoge seinen Antrittsvortrag gehalten, der mit allgemeinem Beifalle ausgenommen wurde- Abonnentenwelche sich tpuIUI gerne oft mahnen lasten, werden neuerdings ersucht, den Abonnementsbetrag rrnrgoherrb einzusenden. Auch erlauben wir «ns, aufmerksam zu machen, dass der Abonnementsbetrag seit 1. Jänner l.J. per Quartal -fl. -1.2» beträgt. Die Administration.