Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 18 (15.7.1896)
- Date
- 1896-07-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. FefifiHuug der protestantischen literanschen Vereine, der Landescongreß der Ärchaeologey, der internättvnale Schauspielercongreß, der Landescougreß der Musiker, der nationate Athletenco'ngreß lintewattonale Wettkämpfe), der irckernattonale Studentencöngreß, der intematwnaie Postcongreß, die Festversammlung des Vereines vom Rothen Kreuze, die Wanderversammlung der Aerzte und Naturforscher u. s, w. Budapest, Die Millenniums-Ausstellung feiert glänzende Triumphe, Ln ihr und durch sie der wahre Liberalismus, den der Honig selber -in herrlichen Worten gepriesen h at. So oft der Kömg Ln die Ausstellung kam, wurde er vom Präsidium, dem auch der vielverdiente Secretär Moritz Geller i und der Ministerialsecretär Dr. Ballai angehören, ehrfurchtsvoll empfangen und auf allerhöchst dessen Ruudgange begleitet. Se. Majestät bekundete für Alles großes Interesse und wendete sich ganz besonders dem rein Menschlichen zu. Einer der vielen Ausstellungspavillone trägt Ln goldenen Lettem die einfache und doch so vielsagende Aufschrift: ״Lruberdaräti puviUon". Das lässt sich nicht vollkommen genau Lus Deutsche übertragen. Wir wollen daher ״Hmnanitätspaviüou" sagen. Hier befindet fich die Ausstellung unserer menschenfreundlichen Vereine, an denen in der That nichts auszustellen ist. Wo es sich um allgemeine werkthätige Menschenliebe handelt, wo es gilt, auf den heiligen Altar der Wohlthätigkeit Gauzopfer uiederzulegen und wo es heißt, der Humanität zu dienen, da sind die von gewisser Seite noch immer vielgeschmähten Juden die Allerersten, die im Wohlthun nie und Lurch ZAemauden errreicht, geschweige denn übertroffen werden. Es that dem hochedeln Herzen des gütigen Landesvaters ordent- Eich wohl, zu sehen, was auf humanitärem Gebiete hierzulande geleistet wird, und Se. Majestät hatte die Gnade, dies lobend auzuerkenuen. — Vor dem Pavillon der Humanitätsvereine wurde der König am 18. v. M. vom Cultus- und Unterrichtsmmister Wlassits begrüßt, worauf der Rundgang angetreten wurde. Augelangt bei der Ausstellung des Pester israelitischen Frauenvereines wurden daselbst dem Monarchen die Damen Johanna Bischitz de H eves, die verdienstreiche Präsidentin, Marie Herzl, die unermüdliche Vicepräsidentin, Amelie Neu m ann, das eifrige Mitglied des großen Ausschusses, dann der tüchtige Secretär G a b r i e l F o r r a i vorgestellt. Se. Majestät stellte mehrere Fragen hinsichtlich der Thätigkeit des Vereines und sich an Frau von Bisch itz wendend, sprach er in huldvoller Weise: ״Sie kenne ich -ja schon lange, wie lange stehen Sie au der Spitze des Vereines? — ״Seit 27 Jahren", erwiderte die ausgezeichnete Dame. Besonderes Wohlgefallen empfand der Kömg, als er hörte, dass die wohlthätigen Damen des Vereines bereits zwei Millionen Gulden für die Humanitären Zwecke desselben gesammelt haben. Ganz besonders aber wurde betont, dass der Verein feit vielen Jahren eine Volksküche erhält, die Las. ganze Jahr hindurch geöffnet bleibt und armen Leuten ohne Unterschied der Confession zur Verfügung steht. Hieraus bemerkte Se. Majestät lächelnd: ״Nächstens will ich Ihre Volksküche besuchen Md die Kost daselbst versuchen!" — Bei der Ausstellung des Ungarischen israelitischen Handwerks- und Ackerbauvereines wurde Se. Majestät vom Vereinspräsidenten Reichstags-Abgeordneten Dr. Armin N e u m an n, welcher im uugarischen Galakleide erschienen war, und dem Vereinssecretär David K e m e u y empfangen. Nach erfolgter Vorstellung durch Leu Mnister Wlassits besichtigte Se. Majestät mit Interesse die Abbildungen des Lehrliugsheims, worauf er, auf die ausgestellten hübschen Freistücke der Handwerkerzögliuge hindeutend, die Frage stMe, ob das die Zöglinge selbst verfertigt hätten, Md als diese Frage bejaht wurde, bemerkte Se. Majestät: ״Ein sehr schönes nützliches Institut", und erkundigte sich nun eingehend -nach den VerhältnißeN des Vereines. Abgeordneter N e u m a u n diente mit Aufklärungen Md fügte hinzu: ״Majestät, unser Verein hat bereits tausende verwahrloste Kinder .zu braven HaMwWkern.Md Ackerbauern herangebildet." — ״Das ist ein ßehr eHMiches Resustat, W freue mich sehr darüber", bemerkte derDimg: Bei der AussteWng des Wohühätigktttsverems ״Zion" empfing der W8MWt-LeSWMHerr:.ÄrmwsGr.»:aib erg er, Leu König, - der auf eine Frage Sr. Attljestät die. Ziele und Zwecke LB gMW, Auchr alsKOOOMLtglieder zählenden Vereines mitthejlte Nr. 18 Kaphau. Eine Deputation der. Kaschauer.Judengemeind begab sich unter der Führung.' des Ober-Rabbiners Simon Händler zum dortigen römisch-katholischen Bischof, Dr.׳ Sigmund Bubics, um denselben aus Anlass seiner Ernennung zum - wirklichen Geheimen Rache zu beglückwünschen. ' Auf. die Ansprache des Ober-Rabbiners erwiderte Bischof Bubics ungefähr Folgendes: ״Ich sage Seiner Ehrwürden dem Herrn Redner für seine glänzende Ansprache meinen besten Dank. Seine Worte haben auf mich einen unvergesslichen Eindruck gemacht. Der Allmächtige erhalte ihn noch lange im Besitze seiner Kraft und seiner geistigen Fähigkeiten. Soferne die geehrte Deputation-Ihre Religiynsgemeinde vertritt, wollen Sie derselben meinen.Segen überbringen. Ich weiß, dass die größte Glückseligkeit des Menschen die Religion bildet, und sowie es .unstatthaft ist, das Glück des Anderen zu stören, so ist es auch nicht erlaubt, seine Religion zu stören. Als Funktionär ׳unserer Kirche habe ich immer dahin gestrebt, dass alle meine Gläubigen die Religio n und die U eberzeugung der Andersgläubigen in Ehren halten. Ich persönlich empfinde für die israelitische Confession große Hochachtung, nicht nur weil ihre heiligen Bücher auch unsere heiligen Bücher sind, sondern weil ihre Angehörigen Gott in so hohem Maße ehren, dass sie, obgleich sie eine Vorstellung von ihm׳ Haben und auffassen, soweit es der menschlichen Vernunft möglich ist, aus Ehrfurcht seinen Namen niemals aussprechen. Nachdem es meine Ueberzeugung ist, dass auch im Staatsleben die Achtung der lebensfähigen Kräfte, sei es auf dem Gebiete der Wissenschaft oder des Handelns und der Industrie, außerordentlich wichtig ist, halte ich es für wünschenswerth, dass sich auch in unserer Stadt die Kräfte vereinigen und dass insbesondere die gebildeten und befähigten Individuen einander gegenseitig unterstützen. Damit allein wird der Fortschritt gesichert. Seien Sie überzeugt, dass mir Ihr Glückwunsch große Freude bereitet und dass ich die beredten Worte Ihres ehrwürdigen Sprechers niemals vergessen werde". O. Brrsu. Der. evangelisch reformirte Bischof Karl Szass weilte dieser Tage behufs Einweihung einer Kirche in unserer Stadt. Aus diesem Anlasse hat der ob seiner Toleranz rühmlichst bekannte Kirchenfürst noch vor der Einweihung die Synagoge besucht. In. Erwiderung der an in gerichteten Anspräche des israelitischen Cultusgemeinde-Präses sagte der liberale Bischof unter Anderem Folgendes: ״Mit großer und sebstbewusster Freude kann ich es sagen, dass an der Reception der jüdischen Religion auch ich einen Antheil habe. Aber noch lange vor der Reception gab es eine Zeit, in welcher eine aussätzige Krankheit den Frieden unseres Vaterlandes störte, und diese aussätzige Krankheit ist der sogenannte Antisemitismus. In dieser sehr kritischen Zeit habe ich selbst die 300 Cultusgemeinden meiner Confession bereist, dieselben mahnend und warnend, der Verbreitung dieses aussätzigen Uebels keine hilfreiche Hand zu bieten, und ich kann es mit Freuden sagen, dass keine einzige Gemeinde meiner Diöcese den Antisemitismus unterstützte. Mit Freude that ich dies im Interesse der vaterländischen Judenheit, weil ich wahrhaftig davon überzeugt bin, dass die hierländischen Juden betreffs der Vaterlandslieb e und d er Cultur jeder Confession :als Musterbild dienen können". Amsterdam. Ueber das Jubiläum des Obercantor H e y m a n n wird noch nachträglich berichtet: . Das 40-jährige Jubiläum des Herrn Obercantor Jsac-Heymann zeigte, wie die israelitische Gemeinde dahier ihre Cultusbeamten ehrt. Als Herr Heymann sein 25-jähriges Jubiläum als Obercantor feierte, hatte sich ein Eomits gebildet, welches den Festtag vorbereitete. Das Comits hat jedes Jahr dem Herrn Heymann auf:den Tag seiner Anstellung. gratulirt und am 40-jährigen Gedenktag ihm einen Tag voll Jubel und Ehrenbezeugungen bereitet. In dem mit Blumen und Grün geschmückten ״Saal Ploncius" wurde Vormittags halb zwölf Uhr Herr Heim a nn in der Mitte einer zahlreichen Schaar von Freunden und Verehrern zu einem mit! Blumengeschmückten. Sitzplatz geleitet,;5 andessen beiden SestM.xhie,.HMMnmitgüed5r׳ .׳ HeK'.Herrn H. Platz genommen hattem. Der ^Gesangverein ^Harfe; Davids"? unter;;Leitung^hes