Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 18 (15.7.1896)
- Date
- 1896-07-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Läntören-Zeitung Nr. 18. Seit Richard Wagner jene bekannte Schrift ״d ä s I u d e n . Seit Richard Wagner jene bekannte Schrifta s Ju d enhuM M bdx Müsik^ m die Welt gesetzt hat, um einen antisemiüschen Schlag auszuführen, der vornehmlich die Werke dW yopuWr gewordenen ComponistenMeyerbeer und Mendelsohn treffen sollte, hat sich auch tatsächlich Ln der musikalischen Welt eM - Lein^ Borurtheil und eine. Trübung bezüglich der Beurcheiluug der Werke jüdischer Componisten im Allgemeinen herausgebildet, denn nicht nur Richard Wagner, sondern auch Schumann , hat seinerzeit an Meyerbeer'scher Musik viel zu uergelü gehabt und ihm Banalität im Rythmüs, Formenfehler rc. vorgeworfeu. Um so angenehmer berührte es Mich, als mir vor -einiger Zeit -ein Buch von Carl Maria von Weber, also von einem gewiss ebenso d eutsch en Tonkünstler wie Wagner, in die Hände siel. Las mehrere Kritiken über Meyerbeer enthielt, die mit einer solchen Feinheit und Gediegenheit verfasst sind, dass sie Carl Maria von Weber vielleicht als ersten Kunstkritiker seiner Zeit erscheinen lassen. Weber schreibt vor der Aufführung der komischen Oper ״Alimelek". (einer Erstlingsoper, die jetzt kaum mehr bekannt W Folgendes: ״Der Componist, Herr Meyerbeer, einer der e r st en, wenn nicht vielleicht der e r st e Klavierspieler seiner Zeit, ist der Sohn eines geachteten Hauses in Berlin Und hat sich, aus reiner Liebe zur Sache ganz der Kunst geweiht Nebst einer vorzüglich litterarischen Bildung und Sprachkenntnis, ist er einer der wenigen Componisten neuerer Zeit, die sich das ernste. Studium der Kunst in chren gchenusten Tiefen angelegen sein ließen. Nächst eigenem Denken und Forschen dankt er auch dem zweijährigen Umgänge des Abt Voglers einen Theil seiner Bildung. — Lebendige, rege Phantasie, liebliche, oft beinahe üppige Melodien, richtige Deklamation, musikalische Haltung der Charaktere, reiche, neue Harmonieweudungen, sorgfältige, oft in überraschenden Zusammenstellungen gedachte Instrumentationen bezeichnen ihn vorzüglich. Ms Merkennung seiner vorzüglichen Talente ernannte ihn schon vor drei Jahren Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog von Hessen-Darmstadt aus eigenem Antriebe zu seinem Kammercompositeur". Und nach der Aufführung schrieb Weber in folgender Weise: ״Durch meine diesjährige Urlaubsreise ins Ausland wiederholt überzeugt, dass unserer Stadt (Prag, wo Weber von 1813 bis 1616 als Director der deutschen Oper lebte) und der in ihr erscheinenden mrd erzeugten Kunstwerke sehr selten oder beinahe uie erwähnt wird, und ununterrichtet in meiner litterarischen Abgeschiedenheit hier, auch zu gleich höchst zweifelnd, dass diesem Nebel seit einem paar Monaten abgeholfen sein möchte, ergreife ich die Feder, um die Leser Ihrer verehrten Zeitung aus ein treffliches, deutsches Originalwerk aufmerksam zu machen und von seiner Aufnahme mrd Würdigung hier zu unterrichten. Ich sichle dazu doppelt den Drang in mir, weil trotz der vielfach ausgesprochenen Deutschheit und des vom Vorurtheil mancher Art frei sein wollenden-Sinnes, unser Enthusiasmus nur gar zu gern noch ftemde Werke unbedingt vergöttert, ün den eigenen aber so lange zerrt, krittelt, zupft, und meint,' bis sie so herab- . gezogen und skeleErt, dem Genießenden verleidet und erst der spätMn Zeit zur ׳Erkenntnis aufbewahrt sind. —— Herr Meyerbeer hat sich bis jetzt hauptsächlich einen Ruf als. großer MwiersprelW 5gegÄnddt,׳weil׳dies eine gleich sich selbst unbedingt aussprechende Sache ist, die das Gefühl mit sich fort reißt und den Beifall jedes musikliebenden Menschen errungen hat, ehe dieser bei dem sich wichtigmachenden Halb--und dem meist Neidischen Ganzkenner um die Meinung sich erkundigen könnte, die er davon haben dürfte. Viel übler ist es ihm aber mit seinen Verdiensten als Componist ergangen. An den meisten Orten, wo er durch größere Werke seinen Genius bekundete, hat Man für gut befunden, es mit Stillschweigen zu übergehen, und׳ so ist weder seiner großen Oper ״I e p h 1a" Ln München, seines ״Wirth und Gast" in Stuttgart, seines Oratoriums ״Gott und di e N atur" rc., ja selbst des enthusiastischen Beifalls, den sein Spiel in München rc. der VolksstiMme abgewann, je anders als Höchstens mit zweideutigen, die Sache ins Unbedeutende ziehenden Ausdrücken erwähnt worden. — Es ist also traurig genug, dass die schönen Resultate der Zufriedenheit und des Entzückens eines Publikums, das der Künstler mit seinem Herzblut erkaufen muß, in den Händen und der Willkür der Einzelnen liegen, die der Zufall, die Schreibseligkeit, die Lust, sich gedruckt zu sehen, oder gar der Hunger zu den Herolden und Verkündern der öffentlichen Stimme bestellt hat." Mit solchen Worten, aus edelstem Herzen kommend, kritisirte Weber den jungen Meyerbeer und die Schaar vorurtheilsvoller und neidischer, öffentlicher Stimmen, und dennoch wagte er nicht, den Gedanken aufkommen zu lassen, viel weniger ein Wort zu verlieren über die Vermuthung, die nahe läge, dass vielleicht ein Atom confessioneller Voreingenommenheit zu den oben angeführten Gründen sich zugesellte. Weber war eben als Mensch und Künstler gleich ausgezeichnet und würde er erst die Triumphe des gereiften, jüdischen Meisters erlebt haben, er wäre der Erste gewesen, der ihm den Lorbeer der Künstlerschüft dankbarst aufs Haupt gelegt hätte. Weber kommt dann weiter aus die Besprechung des Oratoriums ״Gott und die Natur". ״Ein treffliches, feuerloderndes Werk, voll tiefer harmonischer Schönheit und kontrapunktistischer Verwicklungen, ohne dabei der reizendsten Melodien zu entbehren. Der Componist hat in Einheit und Haltung des Ganzen und Zeichnung der Charaktere sich als Meister bewiesen. Dabei entfaltete er die Beweise feines' ersten musikalischen und dramatischen Studiums durch die schöne Verbindung selstständiger Melodienformen u. s. w. Emma di Respurgo trägt das Gepräge des Himmelstriches, unter dem sie geschaffen wurde und des jetzt herrschenden Musikgeistes. Ich glaube, dass der Componist es sich zum Ziele gesetzt hätte, gefallen zu wollen, um so zu zeigen, dass er als Herr und Meister über alle Formen schalten und gebieten könne. Es muß recht tief hinein böse sein mit dem Verdauungsvermögen der italienischen Kunstmägen, dass der gewiss aus eigener, selbstständiger Kraft schaffen könnende Genius Meyerbeers es für nothwendig erkannte, nicht nur süße, üppig schwellende Früchte auf die Tafel zu setzen, sondern auch gerade mit diesen Modeformen verzuckern zu müssen. Es versteht sich von selbst, dass oben berührte Vorzüge des Componisten, so weit als in ' der Gattung thunlich, : in diesem Werke sich auch wiederfinden und dass es dem Beobachter höchst merkwürdig sein wird, - ein so ganz verschiedenes Streben in diesen beiden Werken ausgestellt zu sehen, wie ich bei keinem anderen Componisten ein ähnliches Beispiel Nachweisen kann. -- Das - Bezeichnende dieses Werkes möchte ich als italienisch es, obiges Werk als" d eutsch es Kunstwerk stempeln. ׳Darf der Schreiber Dieses einen Wünsch Mssprechen^fo ist׳es -der/i dass Herr Meyerbeer nüN/ nachdem - erdie Kunst in ihrer ׳^vielseitigen -Abzweigung, nach' der