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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-06-15 · Heft 16 (15.6.1896) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 16 (15.6.1896)
Date
1896-06-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Vesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. erwähnten Vermächtniße erheben zu dürfen glauben, sich mit ihren betreffenden, mehr oder weniger gut motivirten Gesuchen an die maßgebenden Stellen, sowie auch an jene Persönlichkeiten wandten, von deren wirklichem oder vermeintlichem Einflüsse sie die Erreichung ihres Zieles erwarten. Die competenten Behörden sind gegenwärtig mit der Feststellung der Liste jener Anstalten, Vereine rc. beschäftigt, welche zu den ״Humanitären" zu zählen sind und bei Betheilung aus dem Baron Hirsch'schen Legate berücksichtigt zu werden verdienen. Mittlerweile ward, wie wir erfahren, von Seite des Herrn Landesrabbiners Dr. Placzek die Idee angeregt, die vom Herrn-Baron Hirsch hochherziger Weise testirte Million Francs nicht durch Vertheilung ganz zu zersplittern, sondern eine Stiftung in der Höhe dieser Million ins Leben zn rufen, deren Zinsen besagten Wohlthätigkeitsanstalten alljährlich zuzuwenden wären. Die Stiftung würde in diesem Falle von.einem Curatorium verwaltet werden, welche aus Vertretern der interessirten Kreisen zu bilden wäre und seinen Sitz in der Landeshauptstadt Brünn hätte. Hrag. Für den' verstorbenen Erzherzog Carl Ludwig fanden in mehreren hiesigen Synagogen sehr erhebende Trauergottesdienste statt. Besonders feierlich gestaltete sich derselbe in der ״Meisel-Synagoge״, woselbst vom Herrn Obercantor Wallerstein eine neue Composition ״Adonai mo odomtt zur Aufführung gelangte und großen Erfolg hatte. ■ . Goding. Geehrte Redaction! In Ihrem sehr geschätzten Blatte dto. 1. Juni 1896 erschien auch ein Bericht von Göding anlässlich der 25-jährigen Jubiläumsfeier des Vorstaudes Hern: W. Lechner. Ich erlaube mir hierüber zu bemerken, dass der Berichterstatter schlecht informirt gewesen sein muß. Ich möchte daher höflichst um einige Berichtigungen ersuchen Bei den Benennungen werden Sie die Irrungen schon erkennen, denn Herr Mattura ist kein Fabriksbesitzer, sondern Schneidermeister und Gemeinderath, ebensv führt Herr Schröder als Director hie Fabrik:des Herrn F. Redlich. Ferner glaube ich genau zu wissen, dass die .Einstudirnng der gemischten (also nicht Mädchen-) Chöre nur dem Eifer des Herrn Obercantor Herrn Hein. Grünwald zuzuschreiben ist. Derselbe hatte doch auch einen von Herrn Religiönslehrer M. Ullmann verfassten Festgruß in Musik gesetzt. Zum Schluffe gestatten mir, dass ich im Namen einiger Musikfreunde dem Herrn Obercantor H. Grünwald, der Don dem Organisten Herrn Zboiil bestens ׳ unterstützt wurde, unsere vollste Anerkennung für seine Mühewaltung ausspreche, denn er bewies, dass man auch mit geringen Mitteln und manchen Hindernißen Gutes und. Schönes zu leisten im Stande ist. Indem ich nochmals um freundliche Aufnahme dieser Zeilen höflichst ersuche, zeichne ich hochhachteud Berthold Weiß. Budapest. Das ungarische Amtsblatt vom 9. Juni veröffentlicht eine ganze Reihe von Auszeichnungen, die Se. Majestät der König, auf Vorschlag des Ministerpräsidenten, anlässlich der Millenniumsfeier' des ungarischen Staates solchen Persönlichkeiten zu Theil.׳werden ließ, die sich auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten besonders verdient gemacht haben. Unter diesen Decorirten befinden sich auch mehrere Glaubensgenossen, u. zw. folgende: Fabriks-Eigenthümer Samuel Goldberger und Fabrikant Leo Weiß: den Orden der Eisernen Krone IIL Classe; Oberrabbiner Moses Bloch (Director des Budapester Rabbiner-Seminars), Straßenbahn-Director Heinrich . Jellinek de Haraßti, Präsident der Pester israelitischen Cultusgemeinde Siegmund Kohner, Oberrabbiner Leopold Lipschitz (provisorischer Präses der orthodoxen Durchführungscommission) und Handelskammer-Secretär Dr. Jacob Schreier: das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens; Landes-Sanitätsrath Dr. Adolf Tatai den Titel eines königl. Rath es; Fabrikant Manfred Weiß und der Chef des statistischen Landesbureaus Josef Körösc: wurden in den Adelsstand erhoben. Budapest. Die vor einigen Monaten stattgehabte Versammlung der israelitischen Distrikts Präsidenten hat den Beschluß gefasst, aus Anlass der Reception der jüdischen Religion, einen Landesfond für nationale und. culturelle Zwecke zu errichten. Denf Beschlüsse folgte die That und heute zählt dieser. Fond bereits mehrere hunderttausend Gulden. Aus diesem FoM"nun wurde in erster Reihe-der Betrag von 150.000׳ Kronen zur Errichtung von fünf Stiftungsplätzen für Zöglinge der Honved- Ludovica-Akademie bestimmt. Seine Majestät hat gestattet, dass diese Stiftung auf seinen Namen errichtet werden und den Titel: ״Franz Josef-Stiftungsplätze" sichren dürfe. Die diesbezügliche Eingabe der israelitischen Landeskanzlei an das Honved- Ministerium wurde mit einem Dankschreiben des Honvedministers beantwortet und auch das Amtsblatt bublicirte folgende öffentliche Danksagung: Der königlich ungarische Honvedminister spricht dem Präsidium der ungarländischen israelitischen Landeskanzlei für die patriotische Opferwilligleit, mit der sie zu Stiftungen für die Ludovica-Honvedakademie 150.000 Kronen widmete. Dank und Anerkennung aus. Budapest. Donnerstag, den 4. Juni wurde im Tempel in der Tabakgasse zum Andenken an den großen Philanthropen Baron Moriz Hirsch ein Trauergottesdienst gehalten. Der Tempel war aus diesem Anlässe schwarz drapirt und ebenso beflaggt. Die vier Schiffe der colossalen Tempelhalle waren bis auf den letzten Platz besetzt. Außer dem Vorstande, dem Ausschuß und der Repräsentanz der Gemeinde mit dem Präsidenten Sigmund Kohner und dem Vicepräfidenten Samuel Deutsch an der Spitze sah man zahlreiche Hervorragende Gemeindemitglieder. Zwei Schiffe waren für Damen reservirt, von denen Frau David v. Bischitz, die in Vertretung der Witwe des Verblichenen, Baronin Moriz Hirsch, erschienen war, einen Ehrenplatz innehatke. Die Zöglinge des Mädchennnd des Knaben-Waisrnhauses nahmen an dem Gottesdienste unter Leitung ihrer Leheer vollzählig theil. Um 6 Uhr abends begann die Trauerfier mit dem Abendgebet, worauf Obercantor Professor Lazarus in künstlerisch vollendeter Weise unter Assistenz des Chores einen ungarischen Trauerpfalm vortrug. Dann hielt Prediger Dr. Samuel Kohn eine ergreifende Gedenkrede, in welcher er die außerordentliche Bedeutung des Verewigten hervorhob. ״Ein Fürst der Wohlthätigkeit," sagte der eloquente Kanzelredner, ״ist gestorben. Gott hat ihn uns gegeben und wieder zurückgesordert. Unerwartet, blitzschnell kam der Tod, der uns einen Mann entrissen hat, dessen Namen auf einem glänzenden Blatte der jüdischen Geschichte verewigt ist. Zu Dir, unser Gott, beten wir im Namen Aller, denen er ein Helfer war, gieb ihm den Lohn im Himmel, den er auf Erden verdient hat, tröste seine edle Gattin, die an seinen guten Werken theilgenommen und ihn angeeifert hat, lasse ihn als glänzendes. Beispiel. fortleben für unsere. Großen und für uns Alle, damit Jeder nach seinen Kräften Wohlthaten übe, und lasse das Wort in Erfüllung gehen: ״Das Andenken des Frommen sei segenbringend!" Nachdem die ergreifend vorgetragenen Schlussworte verklungen waren, folgte das eigentliche Seelengebet, die Absingnng des 16. Psalms und ein Gebet jener Waisen, die seit einem Jahre die Eltern verloren haben. Damit war die erhebende Trauerfeier zu Ende. Frankfurt a. M. DasOberverwaltungsgericht in Berlin beendigte jetzt nach mehrfachen Terminen einen Rechtsstreit, der sogar für die Existenz der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. gefährlich werden könnte. Herr A. Moos in Frankfurt a. M., der noch der politischen Gemeinde Gailin gen in Baden und der israelitischen Gemeinde daselbst angehört, ist vom Vorstand der israelitischen Gemeinde in Frankfurt für das -zweite Halbjahr 1893/94 zur Schatzungssteuer mit Mk. 24 veranlagt worden. Nach erfolglosem Einspruch beschritt Herr Moos, vertreten durch den Rechtsanwalt und Landtagsabgeordneten Krause, den Klageweg. Bezirksausschuß und dann Oberverwaltungsgericht erklärten die israel. Gemeinde zu Frankfurt a. M. nicht berechtigt, den Kläger Moos zur Schatzungssteuer heranzuziehen. Das Gesetz vom 23. Juli 1847. scheide für die Beurtheilung ganz aus, weil es im Gebiete der vormaligen freien Stadt Frankfurt nicht eingeführt sei. Ein anderes Gesetz aber gebe es für Frankfurt nicht, welches bestimme, dass jeder hier wohnende Jude Mitglied der Gemeinde sein müsse. Diese Entscheidung hat nur für Frankfurt Bedeutung, Es wird deshalb jetzt wohl das Bestreben der Gemeinde, dahin gehen, dass das Gesetz vom 23. Juli 1847 durch das Ministerium hier eingeführt werde. .;:j;! '\

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