Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 16 (15.6.1896)
- Date
- 1896-06-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische I Redaetion u. Administration Wien, 2. Novaragasse 27. R. k. österr. ^)ostsxarcaffe Lheck-Lonto Nr. 635,240. K. Ungar. Postsparcafse Lheck-Lonto Nr. 4026. Insrrkltr werdur billigst berechnet. ManuWpte werden nicht tournirt. 66Lt^Ll-0rgaü für die Interessen der Cantorrn und Cullusbramten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor iavüb kausr. Wien» 15. Juni 1896. Pränumerativns-Preis. FiirC.rntorerr u. ®ultuabeamte in Vrsterrrich-Nngarrr Ganzjährig.fl. S-— Halbjährig ..... fl. 2L0 FnrTantoren n.Llrltnsbeamte im Ausland Ganzjährig.10 Mark oder 5 Rubel. Jür Private und Institut» Ganzjährig . ... fl. 6.— Abonnementsu. Insertion»-:, betrage find in Wien rahlbap^« Jahresbericht der Wiener Cultusgemeinde. Es ist wohl noch keinem Juden eingefallen, vom Antisemitismus etwas Gutes zu erwarten, aber trotzdem wurde oft die Ansicht ausgesprochen, dass die Juden durch den Antisemitismus zum engeren Anschluß aneinander, sowie zu einer intensiveren Förderung speciell jüdischer Interessen veranlasst werden dürsten. Bei 4ms inWien scheint aber gerade das Gegentheil eingetreteü zu sein. Der Jndifferentismus nimmt zu und die Theilnahme am jüdifchen^Gemeindeleben wird -geringer.; denn anders ist es nicht zu erklären, dass die Wiener Cultusgemeinde seit Jahren mit einem Deficit zu kämpfen hat, das im abgelaufenen Jahre die nicht unbeträchtliche Höhe von 56.000 fl. erreichte. Den Vorrang, den die Wiener Gemeinde unter den jüdischen Gemeinwesen des Continents früher einnahm, hat sie sich längst von anderen Gemeinden ablaufen lassen. Diese traurige und für die Wiener Judenschaft keineswegs schmeichelhafte Thatsache, deren Ursache nicht nur im Antisemitismus, sondern auch in anderen Verhältnißen liegt, kam in der am 7. Juni abgehaltenen öffentlichen Vorstandssitzung zum Ausdruck, deren Bericht wir auszugsweise wiedergeben: Der Vorsitzende, Herr Vicepräses Gustav Simon, eröffnet um 10 Uhr die Sitzung. Secretär Dr. Lieben bringt zunächst den Einlauf zur Kenntnis, darunter ein im Aufträge Ihrer kaif. Hoheit der Frau Erzherzogin Maria Theresia an den Vorstand gerichtetes Telegramm, in welchem demselben für die Trauerkundgebüng anlässlich des Ablebens Sr. kais. Hoheit des Herrn Erzherzogs Carl Ludwig der Dank ausgesprochen wird; weiters eine Zuschrift des Herrn Adolf Lichtblau, mit welcher derselbe für den Sitzungssaal der israelitischen Cultusgemeinde ein wohlgetroffenes Bildnis Sr. Maiestät des Kaisers in prachtvoller Umrahmung übersandte; endlich eingelaufene Spenden. Sodann gelangt der nachstehende Bericht über das abgelaufene Verwaltüngsjahr zur Verlesung: . '; Die in der öffentlichen Sitzung des Vorjahres ausgesprochene Hoffnung auf baldigste Genehmigung des Statutes ist in dem abgelaufenen Verwaltungsjahre noch nicht erfüllt worden.- Im Interesse der Erhaltung des Friedens in der Gemeinde hat der Vorstand noch mehrfache Modifikationen an dem Entwürfe vorgenommen und es lässt sich heute fast mit Bestimmtheit sagen, dass die behördliche Genehmigung nunmehr in kürzester Frist erfolgen werde, so dass die Neuwahlen in den Vorstand im Herbste werden stattfinden können. ' Einen großen Verlust hat die Cultusgemeinde durch das! Ableben ihres ehemaligen Präsidenten, des Herrn Wilhelm Ritter von Gutmann, erlitten. Es betrauert der Vorstand auch den Verlust seines hingebungsvollsten Beamten, des Herrn Spitalverwalters k. Rath Dr. Wölfler, welcher durch 45 Jahre im Dienste der Cultusgemeinde gestanden ist. Die Stelle desselben wurde seither Herrn Dr. Koranhi verliehen. Die Thätigkeit der einzelnen Sektionen war auch im abgelaufenen Verwaltungsjahre eine intensive. Der Vorstand war bemüht, die Bestrebungen von opferwilligen Gemeindemitgliedern nach Erbauung von würdigen Gotteshäusern zu fördern und verzeichnet mit Genugthuung, dass es dem rührigen Tempelbau- Comits in Favoriten gelungen ist, sein Ziel, die Herstellung eines würdigen Gotteshauses, zu erreichen. Einem Wunsche der Gemeindemitglieder Rechnung tragend, hat der Vorstand im abgelaufenen Jahre den Stadltempel renoviren und electrisch beleuchten lassen; derselbe repräsentirt sich nunmehr in äußerst würdiger Weise. Die durch das plötzliche Ableben des Rabbinats- Assessors Markus Pollak erledigte Stelle wurde seither über Antrag des Rabbinats dem Religionslehrer Breier verliehen. Aus den Berichten der Schulinspectoren ist zu entnehmen, dass der Religonsunterricht auf Grund des neuen Lehrplanes entsprechendere Erfolge aufzuweisen hat, und es ist sehr erstenlich, dass auch die competente Schulbehörde gegebenen Ortes hervorgehoben habe, dass sich der neue Lehrplan bewähre. Die Sektion fiir Spital und Wohlthätigkeitsanstalten hatte auch im abgelaufenen Verwaltungsjahre eine intensive Thätigkeit entwickelt. Insbesondere waren im Spitale der israelitischen Cultusgemeinde manche zeitgemäße Reformen nothwendig, die zum Theil mit größeren Kosten verbunden waren und von denen manche noch der Ausführung harren. Mit Befriedigung können wir auch das segensreiche Wirken des Altersversorgungshauses hervorheben, umsomehr aber müssen wir bedauern, dass unser Appell an die Oeffentkichkeit uns durch Spenden die Möglichkeit