Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 11 (21.4.1896)
- Date
- 1896-04-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Redaetion u. Administration Wien, 2. Novaragasse 27. U. k. österr. Postsparcaffe Lheck-Lonto Nr. 635,240. K. Ungar. Postsparcaffe Lheck-Lonto Nr. 4026. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. eiiuni. Central-Organ für die Interessen der Esntorrn nnd Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor iaeob Bauer. Pränumerations-Preis. FiirCanloren ».Eultnsbramte nr ©eltevTetrfj-Hnjjaro Ganzjährig.fl. 5.— Halbjäbrig.fl. 2.50 FürTantoren u.LultusbeamtL im Ausland Ganzjährig.10 Mark oder 5 Rubel. Für Private nnd Institute Ganzjährig . ... fl. 6.— Abonnementsu. Insertion«- betrage sind in Wien xatzlbar. Nr. 11. Wien» 21. April 1896. 16. Jahrgang. Pränumerations-Einladung auf die H)eßerr.»Mgar. Aantoren-Seitimg. Mit 1. April hat das;weite Nuartal des heutigen Jahrganges begonnen und werden die geehrten Herren Abonnenten, dir das Abonnement noch nicht erneuert haben, dringendst ersucht, den Abonnementsbetrag umgehend rin;usendrn. Die Herren Abonnenten in Oesterreich mögen hiebei die ihnen bereits übermittelten Postchecks, die in Ungarn die mit voriger Nummer ausgefendeten Postanweisungen benutzen. Die Redaetion. Zum hundertsten Geburtstag Frsn; Schubert'«. Jeder unserer Standesgenossen wird es mitFreuden begrüßen, dass der Nachfolger unseres Altmeisters Salomon S u l z e r, Herr Obercantor Josef S inge r, an die Collegenschaft und die Gemeinden eine Aufforderung ergehen ließ, der Muse Franz Schuberts zu seinem 100. Geburtstage durch Aufführung des Tow lehodos zu huldigen. Wiewohl der Schreiber dieser Zeilen schon vor mehreren Wochen von dem gleichen Gedanken beseelt war, so ist er dennoch über den Verlust der Priorität nicht ungehalten, ja es freut ihn vielmehr, dass der Obercantor aus dem Wiener Stadttempel einem Amtsgenossen aus der Seele gesprochen und eben diesen Gedanken durch unser geschätztes Fachblatt zum Ausdruck gebracht hat. Welcher Wandel der Anschauungen ist aber in Herrn Obercantor Josef Singer im Laufe mehrerer Jahre vorgegangen? Wohl habe ich die betreffende Nummer der österr.- Ungar. Cantoren-Zeitung nicht vor mir, aber wenn ich in meinem Gedächtniße nachblättere, so finde ich, dass damals Herr Obercantor Singer in seiner bekannten Artikelserie ״Ueber die Entwicklung des Synagogengesanges" bei Besprechung des alten Scbir Zion gerade diese Piäce als für den jüdischen Gottesdienst nicht geeignet gekennzeichnet hat. Heute tritt nun jedenfalls der Musikenthusiast vor dem Musikkritiker in den Vordergrund. Und in der That, die Pisce müsste bei vollständiger Besetzung aller Stimmen von machtvoller Wirkung sein, und jede größere Gemeinde könnte dann den Manen Franz Schuberts eine kleine Dankesschuld abtragen. Aber auch uns Cantoren liegt Franz Schubert als Liedercomponist am nächsten. Seine Lieder werden mit Vorliebe von uns gesungen, denn seine Töne haben so viel Verwandtschaftliches mit den erhabenen Accenten unserer Tempelmelodien, und wollte ich nur einige seiner Meisterlieder, wie ״dasMeer", ,,Erlkönig," ״Wanderer, du bist die Ruh'" u. a. m. hervorheben, so weiß ich, dass unsere jüdischen Sänger, welche so gerne in sanften Wohltönen schwelgen, und sich im Zauber bald übermäßiger, bald verminderter Harmonienfolgen, wie auf leichtbeschwingten Fittigen tragen lassen, hier ihre ganze leidenschaftliche Gluth einsetzen, um dieselben nach ihren Gefühlen verdolmetschen zu können. Es ist schade, dass Franz Schnbert nur diese eine Pisce unserem Gottesdienst gewidmet hat. Nun, Hütte er mehr für uns geschrieben, er wäre auch dann nicht für verjudet erklärt worden, denn die Lueger und Schneider gab's damals noch nicht, und über das Wien von damals gieng eine Morgenröthe der Befreiung aus, nicht eine düstere Staubwolke antisemitischer Pestilenz. Doch zurück zu unserem Gegenstand. Die bewusste Piece ist für Chor und Bariton-Solo geschrieben. Die innige Freundschaft, welche den Componisten der Müllerlieder mit dem Reformator des Tempelgesanges verband, dürfte den Ersteren dazu bewogen haben, dem Sänger des Schir Zion, der über einen wundervollen Bariton verfügte, Gelegenheit zu geben, seine Stimme in ihrer besten Lage ertönen zu lassen. Wer also im Besitz einer dieser Lage entsprechenden Stimme ist — er muß darob kein Sulzer sein — einen vollbesetzten gemischten Chor und ein kunstsinniges Publikum hat, der mag sich an dieses Stück heranwagen. Jungbunzlau, den 14. April 186. Benedict Singer.