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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-04-07 · Heft 10 (7.4.1896) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 10 (7.4.1896)
Date
1896-04-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r. r Oesterreichisch-ungarische . Netzaetiqnu.. Administration /Wien, 2/Novaragasse 27. ׳U. f.׳: öftß.rr.; •ßojifparcafiiQ: Lheck-Lonto Nr. 885,240. K. ungar.. ssostsparcaffe Lheck׳׳Lonto ׳ Nr/ 4026. . Inserate . ״ werden billigst berechnet. ־-. Maüuscripte.werden nicht ׳ retournirt. : die Interessen der Cantorrn Lnltusbeamten. E r s ch e i nt je-! eit z e h nt e n Tag. Begründer: Obercantvr lseod Lausr. Pränumerations-Preis. FiirCkintvrelrn.Dnltusbrrrmte in Vrfirrrrich-Mrgrrrn, Ganzjährig ..... fl. S-— Halbjährig . ... . fl: L50 FiirTaninreirn.Eultusbenrnto nu Anslsnd Ganzjährig .... .10 Mark oder 5 Rubel. jJiir Privat« »nd> Institute Ganzjährig . ... fl. 6.— Abonneurentsu. Inkertionsbetrage ftnb in Wien ratzlbae. Nr. 10. ' - ' י -י' - Wien, 7. Wrll 1896. 16. Jahrgang. V;:; י ■j/ •;\J . . : ־ ■־...ל... :f.! ..... . , Adünnenients- Eintsdung. Mit dxr tzrütigen Nummer beginnt das II. Nuarkat des heurigen Jahrganges und. werden die geehrten Abonnenten dringendst ersucht, den Nbonnementsbetrag umgehend ringrsenden. Die Abonnenten in Oesterreich mögen den beiliegenden Post-Check, die in Ungarn dir beiliegende Postaniveisung benützen. Dir. Redaktion. Drr Cantor als Förderer der Lultur. ' Von L. Riesenfeld, Oberlehrer in Ung. Vrod. Die. Kunst veredelt den Menschen, entrückt denselben dem Staube des Gemeinen und Niedrigen, schmilzt die Eiskruste, die die Herzen starr und unzugänglich/ macht, überwältigt den Egoismus, lässt die herrliche Blüte Gemeinsinn üppig sprossen, erweist sich als Förderungsmittel der Cultur. Der geehrte Leser denkt, das ist alles recht schön, obzwar nicht neu, hat aber mit dein Cantor, von dem doch die Rede sein soll, nichts zu thun, und ruft bereits ,,zur Sache". Gemach, lieber Leser, höre meine wahrheitsgetreue Geschichte und dann erst bitte ich um dein Urtheil. ■£., Die alte Judengemeinde am Fuße der kleinen Karpathen beherbergt alle religiösen Schattirungen vom brennendsten Roth bis zum tiefsten Schwarz, besitzt eine kleine, energische orthodoxe Fräction mit ganz nettem, separatem Betlokal und einen schönen, geräumigen, modernen Tempel. Die Cantoren, welche bisher hier fungierten, waren nicht im Stande, Ordnung im Tempel d ü r ch i h r en Vortrag herzustellen, der. Gottesdienst war in Wirklichkeit Conversation, und zwar ziemlich laut geführt, unterbrochen durch mechanisch abgeleiertes Herschreien von größtentheils unverstandenen hebräischen Gebeten seitens der andächtigen Gottesgemeinde. Im verflossenen Jahre wird der Caniorposten erledigt. Eine große Zahl Bewerber erscheint zur Probe, aber vergebens. Für den Einen ist der Tempel zu groß, der Andere mißfällt sofort durch seine Stimme, ein Dritter hat keinen, guten Ruf, kürz: kein Competent wird acceptirt. Endlich wird eine Wahl getroffen, Herr Z., vormals Cantor in I., wird acceptirt. Herr.Z. hatte, ohne Chor vorgetragen. Ein Cantor musste acceptirt werden, vielleicht'ein! Zufall hatte die Majorität der Cultusvertretung für denselben herbeigeführt. Die religiös Indifferenten,. Radikalen und Rothen ließ die Cantorfrage ganz gleichgiltig, von Ordnung," Anstand rc. , kann in einer alten K'hile nicht die Rede sein, also ist es ganz egal, ob Der oder Jener im Tempel vorträgt. Im März sollte der neue Cantor seinen Dienst antreten. Da erhält die Gemeinde Ende Februar ein Telegramm: ,.Bin soeben mit meiner Familie "und 6 Sängern abgereist, Cantor Z." Der Cultusvorsteher traut seinen Augen nicht, doch es nützt nichts. Da steht schwarz auf weiß: ״mit ö Sängern. Cantor Z." Ein ironisches Lachen zeigt sich bald in der Gemeinde. Ist der Mann verrückt? Haben wir ihm denn auswärtige Sänger, die doch keine Engel sind, also nicht von der Luft leben können, zugesagt? Warum nimmt er sich nicht Chorknaben aus der Gemeinde? Wer soll denn die vielen Leute aushalten? Z. erscheint mit seiner Familie und seinen 6 Sängern. Man munkelt von schönem Gesang bei Proben, die Neugierde wird rege, das Interesse erwacht, und Freitag Abend ist der Tempel bald gestillt, sogar einige Frauen und Mädchen erscheinen. Es beginnt 1/ah.o dodi. Allgemeine Stille. Der Cantor erhebt seine Hände, Töne von entzückender Herrlichkeit erklingen in dem akustisch gebauten Hause, der Geist des L’cho dodi zieht ein in einer Weise, wie wir es nicht vernommen, die Weihe des Sabbat ergreift die ganze Gemeinde. Ai888.ur3.ril Bani Vscholanm! Wundervolle Harmonie, kein Mißton, Orgelton, Glockenklang, Harmonie — das alles ohne Instrument! Tempelchor am Land. O heilige Unschuld! Gewöhnlich ein Marterwerkzeug für harmlose Ohren, das zur Verbüßung unserer Sünden zu fungiren hat. Und nun eilt solcher Contrast! Lewandowsky richtig interpretirt, an derselben Stätte, wo Sulzer gräulich mißhandelt wurde. Die Wirkung lässt sich nicht schildern, die ganze Gemeinde war electrisirt. Beim Mußaph-Gottesdienst fand sich alles rechtzeitig ein, um nur nichts zu verlieren. Lu Loruauoko, Aw horachamim, es sind die alten Gesänge, die wir unzähligemale gehört, sie sind es doch nicht; so schön, so einschmeichelnd, die Klage um Zion von Nachtigallentönenen zum Himmel gesendet, das Vertrauen auf den Gott Israels so mächtig ergreifend vorgetragen — es

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