Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 9 (21.3.1896)
- Date
- 1896-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Caniorcn ־ Zeitung Redaetion u. Administration Wien, 2. Novaragasse 27. A. k. Ssterr. postsparcasse Lheck-Lonto Nr. 835,240. K. Ungarn Poftfparcaffe Lheck-Lonto Nr. 4026. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht . icetournirt. -ml Central-Organ für dir Interesten der Csntoren und Cuüusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercanlor Jacob Bauer. Pränumerations-Preis. FiirCnniore» u.Cultusbeamto in Vestrrrrirh-Angsrn Ganzjährig.fl. 5.— Halbjäbrig.fl. 2.50 FlirCarrtorerru.Lutt,l«beKrn1e int Anstand Ganzjährig .... .10 Mark oder 5 Rubel. Äür Private und Institute Ganzjährig . ... fl. 6.— Aborrnernents- ». Insertion»- betrage find in Wienzahlbar. Wien» 21. Mär; 1896. 16. Jahrgang. Wem nicht zu rathen, dem ist nicht zu helfen. Zu diesen Bedaueruswerthen, man könnte sagen. Unglücklichen sind viele, ja die meisten Standesgenossen zu zählen, die jeder guten Meinung und jedem wohlmeinenden Rath, der zur Verbesserung und Hebung der Standesinteressen laut wird, mit persönlichen Anschauungen entgegentreten und hiedurch die gute Wirkung desselben aufheben. Von dieser traurigen Thatsache geben jene Stimmen Zeugnis, die in ganz ungerechtfertigter Weise gegen meine wohlerwogenen und wohldurchdachten, ganz objectiven Vorschlage anlässlich der Abfassung der israelit. Gemeindestatuten für Böhmen und deren Motivirung Opposition erhoben. Den Reigen hat zum Bedauern vieler Gut- und Gleichgesinnter die löbl. Redaction dieser Blätter selbst eröffnet, indem sie dem Verfasser engherzige und höchst intolerante Anschauungen und antisemitische Fremdlingstheorie zum Vorwurf machte, weil er die Einschränkung des Zuzuges ausländischer Elemente in das Gebiet unserer Cultusgemeindeämter in wohlbegründeter und umsichtiger Weise in Vorschlag brachte. Ich will und kann nicht annehmen, dass irgend ein persönliches Motiv die geehrte Redaction hiebei geleitet hat, vielmehr will ich glauben, dass dies die momentane Regung einer unzeitgemäßen und hypertoleranten Idee war, für deren Realisirung unsere heutigen Cultusverhältniße durchaus nicht geeignet sind.*) Freilich, da wo das wohlmeinende, in edelster, bester und objektivster Weise gesprochene oder geschriebene Wort so verkannt und verurtheilt wird, wäre es am angezeigtesten und dankbarsten, seine Feder einznstecken und seinen Gedanken, Worten und Rathschlägen Halt zu gebieten. Aber Schweigen gilt hier für Bejahen, Gutheißen und Zustimmen, und wer *) Alle Stimmen, die bisher in dieser Frage laut wurden, billigen unseren Standpunkt und beweisen durch ihre Zustimmung, dass wir der allgemein herrschenden Auffassung näher kamen als der geschätzte Autor. Welche Motive jedoch uns bei unseren diesbezüglichen Bemerkungen leiteten, brauchen wir nicht weiter zu erörtern, es genügt ein . einfacher Hinweis aus unser bisheriges Wirken und auf die unleugbare Thatsache, dass wir die Ersten waren, die überhaupt für den Schutz der heimischen Kräfte eintraten und das Postulat der österr. Staatsbürgerschaft für die Cultusbeamten in Oesterreich aufstellten. . Die Redaction. heute bei richtiger Denk- und Redefähigkeit in der Cultusbeamtenangelegenheit schweigt, der hat zur Unrechten Zeit geschwiegen, der hat sich gegen seinen Stand versündigt und mit seinen Fähigkeiten strafbaren Mißbrauch getrieben. ״Hinein mit dem Trunk, wenn er klar ist, heraus mit dem Wort, wenn's wahr ist!" Schon Salomo sagt: ״Zeit ist zum Schweigen, Zeit ist zum Reden," und zur Unrechten Zeit geschwiegen, wäre so thöricht, wie zur Unrechten Zeit gesprochen. Die zweite Stimme erhob der College Stein aus Sobieslau, der in der Arbeit des Anonymus TP. ״neben manch' gesundem Weizenkorn auch sehr viel Spreu" finden will. Ja, ״Spreu" scheine ihm ein gar zu milder Ausdruck, ״Gift und Galle" soll der Artikelschreiber über die Dispensrabbiner in Böhmen aus-- gegossen haben. Ein Sprichwort sagt, man soll einem Narren kein ungebantes Haus zeigen. Nun, zu den Narren will ich den Collegen Stein durchaus nicht zählen; im Gegentheil, ich schätze ihn als einen klugen, vieljährig routinirten und wohlverdienten Fachmann und Collegen. Aber über alle Er- Wartung voreilig hat er diesmal dennoch gehandelt. Hätte er meinen Artikel bis zum Schluffe abgewactet und sich nicht von einer momentanen Gemüthswallung zu einem irrigen Urtheile hinreißen lassen, so Hütte er gewiss später eine andere Meinung von mir und meinem Gedankenspreu oder Geistesgiste gewonnen, und er hätte auch wahrgenowmen, dass ich nicht zu der Kategorie jener Leute gehöre, die, gewissen Geschöpfen gleich, in ihrer Unersättlichkeit dem Mitgefchöpfe den nothdürftigen Bissen entreißen wollen, um ihn trotz ihrer großen Nahrungsfülle für sich selbst auf den Vorrathshaufen zu legen. Herr College St. kennt ganz gut meine selbstlosen und idealen Bestrebungen, und ich bin davon überzeugt, dass er dem Autor nur Dank und Anerkennung gezollt hätte, wenn er gewusst hätte, wessen Feder jener Artikel entstammte. Er ließ sich aber von der irrigen Meinung leiten, der Artikelschreiber müsse unbedingt nur einer sein, der gegen die Dispens-Rabbiner zu Felde zieht, als ob gerade nur ein Doctor geeignet wäre, ein freies, offenes, wahres und fachmännisches Wort in Angelegenheit des heutigen Rabbinerstandes zu sprechen. Darin liegt eben der Fehlgriff und das Unrecht, dass man sich sowohl bei den Standesgenossen, und durch diese in