Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 6 (21.2.1896)
- Date
- 1896-02-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite T, Partei nicht herbeigeführt werden. Das Statut wurde der Statthalterei zur Genehmigung vorgelegt und gleichzeitig der Negierung ein von 5000 Mitgliedern gefertigter Protest überreicht.. Der Zwist ist jedenfalls höchst bedauerlich und verursacht in der Gemeinde große Aufregung, v Budapest. Unter dem Namen ״Pester israel. Status- <juo-Gemeinde" hat sich hier eine neue Cultusgemeinde gebildet und am 12. d. M. ihre, constituirende General-Versammlung abgehalten. Die Gemeinde zählt 450 Mitglieder, von denen wehr als die Hälfte der Versammlung beiwohnten. Der Vorsitzende, Herr Moritz Witz, begrüßte die Anwesenden und brachte den Statutenentwurf zur Verlesung, der en bloc angenommen wurde. Bei der hierauf erfolgten Vorstandswahl wurden die Herren Moritz Witz zum Präses, Samuel K r a m er zum Vicepräses und Julius S t e i n i tz zum Controlor gewählt. Budapest. Eine principielle Entscheidung, die. auch für weitere Kreise Interesse besitzen dürfte, hat der Minister des Innern in einer Matrikel-Angelegenheit getroffen. Ein angesehener Bürger der Hauptstadt hatte einen verfrüht zur Welt gekommenen Sohn durch die nachfolgende Verehelichung mit seiner jetzigen Gattin legittmirt und wünschte nun, aus den Matrikeln der Budapester israelitischen Religionsgemeinde einen Auszug zu erhalten, in welchem die Bemerkung, dass die Geburt ursprünglich eine uneheliche gewesen, weggelaffen wäre. Der Minister des Innern lehnte dieses Gesuch mit der. Begründung ab, dass den zu Recht bestehenden Vorschriften gemäß der Matrikelauszug eine wortgetreue Wiedergabe der Matrikeleintragung darzustellen habe. Außer dieser formalen Schwierigkeit aber stünde dem Begehren auch noch ein nieritorisches Hindernis im Wege, dass nämlich zwischen dem ehelich geborenen und dem durch die nachträgliche Verehelichung legittmirten Kinde in Bezug auf die Rechte der Erstgeburt ein wesentlicher Unterschied obwaltet. Temesbar. (Eine Glaubensfeier). Was wir in Ungarn seit Jahrhunderten ersehnt, ist uns heute geboten worden. Nicht als ob das Judenthnm dem Proselytismus Thür und Thor öffnen würde, sondern die Thatsache, dass die Jahrhunderte alte Schmach vom Judenlhume genommen wurde, ließ unseren. Rabbiner bei Trauung der ersten Proselytin Scheliecliejonu sprechen. Da die noch im December 1895 standesamtlick getraute Frau keinen Mischehe-Segen erlangen konnte, übertrat sie aus vollem Herzen zum jüdischen Glauben, nachdem sie alle Vorschriften gelernt und ihr Hauswesen rituell eingerichtet hatte., Heute Morgens erhielt sie den jüdischen Namen, wobei ein ejgens hiezu verfasster Mischeberach vorgetragen wurde. Nachmittag folgte die Ertheilung der KjclduscMm durch Ehrwürd. Oberrabbiner Dr. Kohlbach, der mit gewohnter Eloquenz eine warm empfundene Ansprache hielt, in welcher er die Bed'eutung dieser Glaubensfeier erklärte. Arad. (״D a s i st e i n I u d e n k i n d.") In einem Araber Hofe hat der Hausmeister in einer Ecke, ans welcher er verschiedenes altes Gerümpel entfernen wollte, einen Korb gefunden, in welchem sich der in Fetzen gehüllte Leichnam eines etwa drei- bis vierjährigen Kindes befand. Dem unheimlichen Funde lag ein Zettel mit der Aufschrift bei: ״Das ist ein Judenkind, beerdigt es nach jüdischem Ritus." Die Polizei hat die nöthigen Schritte eingeleitet, um in den mysteriösen Fall Licht zn bringen. New-Hork. (Bau einer neuen Synagoge.) Die Pläne für den Bau eines neuen Tempels für die Gemeinde Shearith Israel sind fertig und man erwartet, dass der Grundstein im Laufe des nächsten Monats gelegt werden wird. Die neue Synagoge soll an der 70 Str. und Central Park West errichtet werden. Das Gebäude wird im klassischen Styl aufgeführt werden und die prächttge, imposante Bauart des alten Korinth wird vorherrschen. Für die äußeren Mauern wird Kalkstein aus Jndiania verwendet werden. Das Säulendach wird an seinen Rändern von den besten Bildhauern verschönert werden. Das Hauptgebäude wird mit dem Anbau 100 Fuß an Central Park West und 108 Fuß an der West 70 Str. einnehmen. Es wird 80 Fuß hoch sein mit massiven Säulen, vier Fuß im Durchmesser und 40 Fuß hoch. Die Säulen an der 70. Str. Seite werden von derselben Beschaffenheit sein. Es werden Eingänge zur Synagoge auf beiden Seiten sein. Ein Versammlungszimmer, 51 bei 60 Fuß, wird dreihundert Pulte und acht Klassenzimmer enthalten, welche letztere wieder durch Rollthürchen in kleine Zimmer getheilt werden können. Um eine passende Feier des Laubhüttenfestes zn ermöglichen, ist ein Raum von 500 Quadratsuß zur südlichen Seite des Hauptgebäudes freigelaffen worden. Zwischen diesem Raum und dem Hauptsaale in der Synagoge wird während des Laubhüttenfestes eine besondere Verbindung hergestellt werden. In den Hanptsaal gelangt man durch ein Vestibül. Eine Gallerie wird drei Seiten des Gebäudes einnehmen und aus Säulen ruhen. Das Gebäude wird feuerfest und mit den neuesten Verbesserungen versehen sein. Südlich vom Hauptgebäude und die ganze Baustelle bedeckend (20 L 108) wird ein Anbau errichtet werden, drei Stock hoch mit Räumlichkeiten für das Studirzimmer des Rabbiners, Comits-Zimmer und einer kleinen Kapelle. Die Gemeinde Shearith Israel ist die älteste und eine der reichsten israelitischen Gemeinden in den Vereinigten Staaten. Sie ist besser bekannt als die spanisch-portugiesische Gemeinde, da sie in ihren Ceremonien dem portugiesischen Ritus folgt. Die Gemeinde wurde bald nach den Judenverfolgungen in Spanien uud Portugal im Jahre 1650 von den Nachkommen dieser verfolgten Juden der iberischen Halbinsel gegründet. Die Chronik der Synagoge vom Jahre 1728, in englischer und französischer Sprache geschrieben, nimmt Bezug auf die Annahme gewisser Regeln im Jahre 1703. Der erste Gottesdienst wurde in einem hölzernen Hause an Mill Str. abgehalten, hundert Fuß von der Stelle, wo später, im Jahre 1729, die erste Synagoge errichtet wurde. Ein neues Gebäude wurde im Jahre 1817 errichtet und während es im Bau begriffen war, verrichtete die Gemeinde ihre Gebete in einem Spritzenhause in Beaver Str. Im Jahre 1822, während das gelbe Fieber grassirte, wurde der Gottesdienst in einem Schul- Hause, Ecke Henry und Oliver Str., abgehalten. Im Jahre 1834 wurde in Crosby Str., zwischen Beaver und Spring Str., ein neuer Tempel errichtet, in dem die Gemeinde bis zum Jahre 1860 blieb. Im Jahre 1860 wurde die jetzige Synagoge an der 19. Str., nahe 5. Ave., erbaut. Rev. H. Pereire Mendes ist der Rabbiner der Gemeinde. (Heiue-Denkmal.) Der Loreley-Brunnen wird_ für New-Iork verloren sein! Nach dem in der Arion-Halle gefassten Beschlüsse des Heine-Denkmal-Cvmitös wird die Metropole das ihr von dem Deutschthum zugedachte Geschenk, den Loreley- Brunnen, nunmehr an Baltimore abtteten, dessen nichtdeutsche Bewohner dieses Kunstwerk besser zu würdigen wissen. Rev Osias Hochglück. Litterstur. מורה המורא dis Accents der heiligen Schrift (mit Ausschluss der Bücher Emes) von I. M. Japhst. Frankfurt a. M. 1895« Verlag von I. Kaufsmann. .Preis fl. 1.50.— Dieses Werk erscheint 3 Jahre nach dem Tode seines Verfassers, der sich durch hervorragende Leistungen auf^dem Gebiete der pädagogischen und liturgischen Litteratur in weitesten Kreisen einen hochgeachteten Namen erworben hat. Wir dürfen es wohl aussprechen, dass diese Schrift sich würdig ihren Vorgängerinen anschließt. Zum ersten Male wird hier in deutscher Sprache eine Zusammenstellung der Gesetze geboten, auf denen die Accentuation der heiligen S^chrift beruht, und wir wissen nicht, ob wir mehr die Gründlichkeit und den Fleiß bewundern sollen, mit der das Material zusammengestellt ist, oder die durchsichtige Klarheit mit der der so spröde Stoff dargestellt ist. Zu bedauern ist nur, dass die Lehre von den Wortaccenten in diesem sonst so instructivem Werke keine Berücksichtigung gefunden hat. Wenn die Arbeit jeden Freund des hebräischen Schriftthums intercssiren dürste, so hat sie gewiss besondere Bedeutung für Lehrer und Cantoreu, die ja durch ihren Beruf auf die Beschäftigung mit den Accenten hingewiesen sind und denen wohl auch diebeigefügten musikalischen N o t e n sehr willkommen sein, werden. Dieser Kreis wird aus dem Studium dieses Buches reiche Anregung und Belehrung schöpfen, und wir wünschen, dass dasselbe die weite Verbreitung finden möge, die es im vollsten Maße verdient. — B• Den geehrten Herren Abonnenten und Mitarbritrrn unseres Blattes wünschen wir שמחת פלרים. Gleichzeitig ersuchen wir all diejenigen» die sich so gerne mahnen lasten, den Abonnementsbetrag für das lausende Ouartsl rinsenden zu wollen. Die Kedartion.