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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-02-11 · Heft 5 (11.2.1896) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 5 (11.2.1896)
Date
1896-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Seit einiger Zeit werden in diesen Blättern die Ansichten und Anschauungen verehrter Collegen über die Vor- und- Nachtheile des Cultusgesetzes veröffentlicht, und es kam zu heftigen Polemiken für und gegen die autorisirten, diplomirten und dispensirten Rabbiner, wobei weder an Papier und Tinte, noch an Kraftausdrücken gespart wurde, um alle die Uebelftände und Nachtheile, welche das neue Gesetz im Gefolge Hatte, in das grellste Licht zu stellen. Das Gesetz ist an und für sich unumstößlich und kann, was gewiss mancher wünschen würde, nicht rückgängig gemacht werden; darum ergeht man sich in unnützen Deuteleien und Kritiken über dasselbe, und der kleinliche Sinn der speciell in manchen, hier veröffentlichten Abhandlungen zu Tage kam, hat Zwist, Hader und Uneinigkeit, ja sogar Hass und Neid hervorgerufen. Manche Wunde und Blöße wurde offen und unverhohlen besprochen, die, wie schon oft bemerkt, besser unter-Decke geblieben wäre, zu mindest hätte man sie nicht an den Pranger stellen sollen, zum Gaudium unserer ״guten Freunde" ilnd zur Waffe für unsere Feinde, die ja jede Geringfügigkeit ausnützen, um uns etwas am Zeuge zu flicken. Insbesondere die letzten Artikel haben eine derartige Schärfe angenommen, die jeder aufrichtige Freund des Judenthums bedauern musste. Die Herren Collegen F. und Stein aus Sobieslan haben gewiss manches Wahre und Richtige vorgebracht, aber haben sie damit der guten Sache einen guten Dienst geleistet? Wenn der Arzt eine Wunde sondirt, so geschieht dies gewöhnlich, um deren Heilung zu veranlassen. Was nützt aber die Sondirung, wenn das Nebel nicht behoben oder zum Mindesten nicht gebessert werden kann? Wohin soll es führen, wenn, statt lindernden Balsam zu reichen, die Wunde noch mehr aufgerissen und erweitert und auf Heilung oder Schmerzensstillung kein Bedacht genommen, wird? Was nützt und fruchtet das ewige Tadeln, welchen Zweck verfolgt das Gegeneinanderwerfen von Geifer, Geringschätzung und Verachtung? Ist denn noch, zu wenig Zwiespalt für und gegen Israel, soll derselbe noch im eigenen Lager seine Polypenarme ausstrecken? Lew chochom limino, welew kesil lismoulo. Ist hier wirklich der Weisen Herz zur Rechten? Genügen nicht die Anseindungen von Außen, müssen wir uns auch im Innern Feinde schaffen? Wie gesagt, mit ewigen Klagen, mit unaufhörlichem Tadeln, und was noch schlimmer ist, mit bösen Berleumdungen wird das Nebel nicht, behoben, die Wunde nicht geheilt, und es muß der ganze Organismus zu Grunde gehen, wenn nicht rettende Hände eingreifen. Es ist richtig, wenn wir ganz logisch sprechen wollen, was die Herren Doctor-Rabbiner sagen, dass sie ihre Jugend, ihre Zeit, ihr und ihrer Angehörigen Vermögen, kurz ihr Alles dem Studium opferten, um sodann Israel die Gotteslehre zu verkünden und zu erklären; es ist aber ebenso richtig, was die anderen Herren Rabbiner behaupten, dass sie lebenslänglich bereits im Dienste Israels weilen, dass sie hiebei grau und alt wurden, ihr Herzblut, ihre Gesundheit, ihr Leben oft daran setzten, um Gotteswort und Gottesgesetz zu verherrlichen und zu verkünden. Beide Parteien erheben nun dieselben Ansprüche von Achtung, Ehre und — Bezahlung seitens ihrer Pfarrkinder und ihrer Gemeinden. Wozu soll aber der Harnisch, den manche der Herren Rabbiner gegenüber den anderen angelegt haben? Wird sich ein Doctor-Rabbiner in eine Khille mit fl. 5—600 Gehalt setzen, um das ״Mädchen für Alles" abzugeben? Ist es wirklich Kinnoh um das bischen Parnoße? Wenn so ein armer Dispens-Rabbiner eine Trauung vorzunehmeu hat, ist es fast, als ob eine blinde Henne ein Korn findet, und das sollte wirklich den ganzen Groll ausmachen, denn zu anderen Functionen wurden die Herren Doctor- oder autorisirten Rabbiner ohnehin in den kleinen Gemeinden selten zugezogen!? Oder will man den Unschuldigen mit dem Schuldigen büßen lassen, weil factisch, wie das ja nicht anders möglich, hie und ein Schierlingskraut wuchert? Es ist fern von mir, so kleinlich von intelligenten, gebildeten Männern zu denken; allein die unausgesetzten, oft vollkommen unbegründeten Angriffe und Verleumdungen, die den eigenen Stand in den Straßenkoth herabzerren, müssen zu solchen Gedanken leiten. Wohin soll es sichren, wenn fortgesetzt die kleinlichen menschlichen Schwächen, Fehler und Mängel vor die Öffentlichkeit gezerrt werden. Wird dadurch dem Wissen, oder der Stellung des Angegriffenen Abbruch gethan, oder fliegt nicht vielmehr der Pfeil der Verleumdung und Verachtung

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