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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-01-11 · Heft 2 (11.1.1896) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 2 (11.1.1896)
Date
1896-01-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Seile 7. Nr. 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Minister kann im Verordmmgswege die Organisation schaffen, aber ein anderer Minister kann sie wieder zurückziehen. Deshalb ist die gesetzliche Autonomie sehr nothwendig. Redner nimmt das Memorandum an und bittet die Conferenz, die Districts- Präsidenten zn ersuchen, dass sie hinsichlich der Einberufung eines Congresses einen Vorschlag erstatten mögen. ׳ (Eljenrufe.) Nachdem noch Mehrere gesprochen, nahm die Conferenz unter stürmischen Zurufen das Memorandum an. Hierauf wurde folgender Antrag vorgelegt: Zum Andenken daran, dass die israelitische Religion in die Reihe der gesetzlich anerkannten Religionen ausgenommen wurde, sollen die ungarländischen Israeliten einen öffentlichen Fond schaffen. Die Bestimmung dieses öffentlichen Fonds sei der Förderung der Verwirklichung jener Ziele, durch welche die Entwicklung des ungarischen Jndenthnms im nationalen Geiste gefördert wird. Seine Auf- . gäbe sei besonders: a. die Unterstützung armer Religionsgemeinden und deren Angestellten (Rabbiner, Lehrer, Cantoren rc.) wie auch des für diese zu schaffenden Pensionsinstitues: d. die Erhaltung von Stiftnngsplätzen, die Verleihung von Stipendien und Prämien; 0. die Schaffung solcher humanitärer und cultnreller Institutionen, zu deren Errichtung und Erhaltung die einzelnen israelitischen Religwnsgemeinden nicht über die ge- , genügenden materiellen Kräfte verfügen. Präsident schließt hierauf die Sitzung, indem er den Erschienenen für ihre Ausdauer und ihren Eifer dankte. Das; Memorandum wird in den nächsten Tagen durch eine Deputation; dem Cultus- und Unterrichtsminister Jnlius W l ä s s i c s überreicht werden. Mteratur. Schlutzgebelr für Jum-Uippur von David Nowakowsky, Odessa. Der Componist dieser Sammlung von Synagogengcsängen tritt zwar, zum ersten Mal vor die Ocfsentlichkeit, aber daran tragen nur ungünstige.Umstände, die Schuld, denn David Nowakowsky, der seit mehr als fünfundzwanzig Jatircn am sogenannten ״Brodyer" Tempel in Odessa als Cantor und treulicher Chordirigent wirkt, ist lange schon kein Neuling ans dem Gebiete der Synagögencomposition. Die von ihm geschaffenen Compositioncn würden einige stattliche Bande füllen, sie sind fast alle von bedeutendem Werth,, eigenartig in Erfindung und Bearbeitung, schön und interessant und seit langem schon circulircn sic vornehmlich in Südrnßland in zahlreichen Abschriften: sie werden auch mit Vorliebe aufgeführt und stehen in russischen Cantorkreiscn hoch in Gunst und Achtung. Nun, nachdem Nowakowsky Jahre, ja Jahrzehnte lang gezögert und gewartet hat, hat er sich endlich entschlossen, vor. weitere Kreise zu treten und Allen zugänglich zu machen, was nur verhältnismäßig Wenigen bekannt war. Was uns jedoch in dem 43 Seiten starken Hefte vorliegt, ist nur ein verschwindend kleiner Theil der Schöpfungen Novakowsky's auf synagogalem Gebiete. Hoffentlich findet das Merkchen, dieser immerhin vollwcrthigc Bruchtheil eines auch quantitativ bedeutenden Ganzen, jene Anerkennung, die cs so wirklich verdient, und auch materiellen Erfolg, damit hiedurch dem Componisten eine Ermunterung und indirekte Aufforderung werde, der ersten Veröffentlichung weitere und umfangreichere folgen zn lassen. Was speciell die Schlußgebete für Jom-Kippur, die den Inhalt des vorliegenden Heftes ausmachen, betrifft, so muß in allererster Reihe lobend hervorgehoben werden, dass sie alle, wie das ja nicht anders sein sollte, auf der tradirionellen, alten Weise fußen. Das giebt einer synagozalcn Composttion den rechten, ihr gebührenden Charakter, das individuelle Gepräge, die religiöse Innigkeit und Weihe, und auch reichen eigenartigen melodischen Inhalt, viel reicher und eigenartiger, als wenn man die Composition ausschließlich auf eigene, ans sich selbst hcrausgeschaffene Erfindung aufbauen wollte. Trotz dieses gegebenen Materials bleibt dem Synagogeneomponisten so viel, so׳ überaus viel zn thun übrig, so viel Gelegenheit zur Bethätignng eines bedeutenden und vielseitigen Könnens, und Herr Nowakowsy hat diese Gelegenheit auf das Glänzendste ausgenützt, in jeder einzelnen Nummer großes technisches Geschick, ein sicher entwickeltes theoretisches Können und, was noch viel wesentlicher ist, edlen und geläuterten.Geschmack bekundend. Alle diese Eigenschaften gehören nun einmal dazu, wenn bei Bearbeitung einer alten Weise ihre Ausgestaltung zu einer modernen, abgerundeten Composition sich eindrucksvoll abwickeln soll. Das scheint, dem Unerfahrenen auf den ersten Blick, so leicht, so einfach zu sein — und ist doch so schwer. Diese Schwierigkeit, die darin liegt, dass trotz modener Harmonisirung der Gründcharakter der alten Weije mit ihrer Einfachheit und Innigkeit und Alterthümlichkeit nicht verloren gehe, sondern sogar noch schärfer hervortrete, hat Nowakowsky auf das Glücklichste bewältigt. Er hat es verstanden, die Harmonisirung einfach und doch interessant, nicht bunt und doch abwechslungsreich zu: gestalten. Seine Modulationen sind nicht gesucht, nicht herausgeklügelt, nicht vom Bestreben zeugend, durch einen complicirten oder originellen modulatorischen Gang glänzen zu wollen : über wenn er eine Modulation ' bringt, wenn er einen modulirenden Akkord hinsetzt, so erscheinen sie natürlich, sich gleichsam von selbst ergebend, die Aufmersamkeit des Hörers neu anregend, sich in das Ganze stylgerecht einfügend. Mit einein Worte: der Componist verwendet sein vielseitiges und reiches theoretisches Können mit feinfühligem Geschmack nur als Mittel zum Zweck, der darin besteht, eine Composition ihrer eigentlichen Bestimmung gemäß weihevoll und erbauend zn gestalten. Ohne auf eine systematische Würdigung der Einzelnummern cinzugehen, sei in aller Kürze auf Folgendes hingewiesen. In Nr. 2, 4 und 5 (8eü'ma no, Hajom ifneh, ono ei no) erscheint die in ihrer Einfachheit ergreifende Weise dreifach, jedesmal mit wechselndem harmonischen Charakter, aber ohne irgendwie in Gesuchtes oder Herausgeklügeltes zu verfallen, bearbeitet. Nr. 6, 7 und 8 weisen streng periodische, geradezu Strophengliederung auf — dos Chor wiederholt ganz 'genau die vom Cantor angestimmten Melodiephrasen. Innig flehend giebt sich die Bitte des ״Adouoj adouof 61 raclrnm wechanun“, die bei der dritten Wiederholung sich zum mächtig drängenden kortissimo erweitert: überhaupt ist dieser Wiederholug dynamischer Effecte, durch wirkungsvolle Anordnung des st. und pp. das Hauptinteresse verliehen worden in der richtigen Erkenntnis, dass hier die Steigerung ihren Höhenpunkt erreicht haben soll. Die zwei kleinen in natürlich-fließender Weise gesetzten Männerchöre, der vornehmlich für Cantor und 3 Männerstimmen arrangirte J’hi Kozon — dies Alles giebt sich schön und stimmungsvoll. Dankbar wird es von Cantoren begrüßt werden, dass den kurzen aber so inhaltsreichen Strophen des ״Oschanum“ in der Wiederholung des Chores stets wechselnder, harmonischer Charactcr verliehen wurde. Während wir bisher mit kleineren Compositioncn zn thun hatten, stellen sich Nr. 18 (Atto nösen jod) und Nr. 19 (Atto hiwdalto) als solche von großem Umfange ,lnd gründlichster Durcharbeitung dar. In der ersteren Composition ist die getragene alte Weise des ״Ä6h ouu me cliajemr‘, die halb und halb den melodischen Necitationsstyl verräth, zuerst den Knabenstimmen mit ruhiger, nur unterstützender Accordbegleitung und hierauf dem Baß — wobei umgekehrt Sopran und Alt, die begleiten, den Zweiklang haben — übertragen worden: den Beschluss der Composition macht das F«$hetto, das eine alte Weise zum Thema hat und deren Achtelsignr sich durch das Ganze, wie durch die Gegen- und .Zwischensätzchen immerfort hindurchwindet. Das ITHghetto verräth in seiner Durcharbeitung die hervorragende contrapunctische Befähigung des Componisten. Das vollwerthigste und Wirkungsvollste scheint mir Herr Nowakowsky mit dem Atto Hiwdalto, der reich an Schönheiten mancherlei Art ist, geschaffen zu haben. So stellt sich uns im vorliegenden Hefte eine Sammlung von Synagogalcompositionen dar, die weitgehendste Beachtung verdient und als eine thatsächliche Bereicherung der synagogalen Litteratur bezeichnet werden kann. Mir aber, der ich durch jahrelangen freundschaftlichen Verkehr mit Herrn Nowalowsky verbunden bin, macht es besonders Vergnügen, auf das von ihm Gebotene ohne jeden Vorbehalt in der empfehlendsten Weise Hinweisen zu können. Ich thue cs mit dem Bewusstsein, dass es dieser Empfehlung, wenn das echte Verdienst stets entsprechend gewürdigt wurde, gar nicht bedurft hätte, denn das Merkchen empfiehlt sich von selbst, durch den in dasselbe gelegten reichen und schönen Inhalt. Jacob B a ch m a n n, Obercanlor in Budapest. Zwei Psalmen, von Adolf Grünzweig, Chordirector in Arad. Zur bevorstehenden Milleniumsfeier in Ungarn hat Meister Grünzweig zwei Psalmen (Psalm 125 und 126), den ersten in hebräischer, den zweiten in deutscher und ungarischer Sprache componirt, die überaus gelungen in Satz und Melodie, gewiss allseitigen Beifall finden werden. Dem Patriotischen Momente ist bei diesen Gelegenheitscompofitionen in der Weise Rechnung getragen, dass im ersten Psalm der ״Hymnusz", im zweiten das ״Szösat" eingeflochten erscheint, d. h. die Orgel nimmt zumeist von den schönen Melodien Act, während der Cantor mit seinen Solis sich frei bewegt. Die Compositioncn sind vorläufig nur im Manuscripte, und bei genügender Pränumeration wird die Drucklegung veranstaltet werden. ^arelum Hachazanim Unter diesem Titel ist in Rußland eine in hebräischer Sprache geschriebene Cantoren-Zeitung erschienen. Im Intcrefse des Cantorenstandes wünschen wir dem Herausgeber, Herrn Cantor A B. Birnbaum in Czenstchow (Nuss. Pol.) viel Glück zu seinem collegialen Unternehmen. Der Abonnements-Preis beträgt 6 Rubel oder 14 Mark ganzjährig. Aff- Die geehrten Herren Collegrn werden dringendst ersucht, den Abonnementsbritrag für das laufende Nuartal umgehend perPost-Ehrck einfrnden %n wollen. Wir müssen wiederholt detonen, dass die Einführung der Post-Checks nur im Interesse der geehrten Abonnenten getrosten wurde und uns, fpreirll in Ungarn» namhafte Kosten verursacht. Wir bitten daher» von denselben rechtzeitig Gebrauch zu machen» damit dann nicht im 2. Nuartal wieder Rückstände entstehen» deren Einmahnung im Intrreffe des Anfehens unseres Standes doch endlich einmal unterbleiben sollte. Die Administration.

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