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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-11-01 · Heft 25 (1.11.1895) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 25 (1.11.1895)
Date
1895-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 Oesterrerchisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 7 anlässlich seines 70. Geburtsfestes in ׳ glänzender Weise zum Ausdruck kam. Der Verblichene erfreute sich trotz seines hohen Alters bis in seine letzten Lebenstage der vollsten geistigen und körperlichen Frische und sein Krankenlager währte nur wenige Tage. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 27. October unter zahlreicher Betheiligung statt. Das schwarz drapirte Gotteshaus in der Josefstädterstraße> woselbst die Leiche aufgebahrt wurde, war erfüllt von Trauergästen. Wir bemerkten unter Äuderen: die Bethausvorsteher Hermann Beck, Pollak, Koch, die Rabbiner Dr. Gelbhaus, Dr. Taglicht, Sor, Reich-Floridsdorf, Obercantor Bauer, die Religionslehrer Dr. Kanitz, Dr. Langfelder rc. Die Trauerfeier wurde mit einem Trauerpsalm eingeleitet, welchen Obercantor Singer, assistirt von Cantor Blatt und dem. Männerchore, in erhebender. Weise executirte. Hierauf hielt Religionslehrer Dr. Langfelder einen tiefempfundenen Nachruf. Die schlichten und einfachen aber trotzdem gedankenreichen Worte, des gänzlich unvorbereiteten Redners, der im letzten Momente für Herrn Rabbiner Dr. Schmidt einsprang, wirkten um so nachhaltiger, als man ihnen anmerkte, dass sie der Ausdruck wahrer Empfindung seien. Allgemeines Befremden erregte es, dass auf das Ersuchen des Bethausvorstandes von den anwesenden Rabbinen sich keiner bereit fand, die von Herrn Religiouslehrer Dr. Langfelder so schön gelöste Aufgabe zu übernehmen. Als die Trauerfeier im Gotteshause beendigt war, bewegte sich ein langer Zug nach der Ceremonienhalle auf dem Centralfriedhofe, woselbst Oberrabbiner Dr. Güdemanu und Rabbiner Dr. Schmidt ergreifende Trauerreden hielten. Am Grabe sprachen noch Rabbiner Sor und der Vorsteher der Bezirkssynagoge Herr Gutmann. תנ׳צ׳ב׳ה Kleine Chronik Wien, Mitwoch den 30. October fand im österr.-ung. Cantoren-Vereine die erste Vorstandssitzung nach den Feiertagen statt. Auf der der Tagesordnung stand die Berichterstattung über die vom Vereine in Angelegenheit der Gemeindestatuten sowie bezüglich der Gründung des Pensionsfondes eingeleitete Action. Nach erster Richtung wurde unter Hinweis auf das böhmische Musterstatut ein großer Erfolg verzeichnet, während bezüglich des Pensionsfonds allgemein das Bedauern zum Ausdruck kam, dass die Bestrebungen des Vorstandes bei den Collegen so wenig Entgegenkommen gefunden haben. Bemerkenswerth ist es jedenfalls, dass alle jene Angelegenheiten, die vom Vorstande allein durchgeführt wurden, von Erfolgen gekrönt waren, während dort, wo man auf die Mitwirkung und die Theiluahme der Gesammtheit vertraute, die diesbezüglichen Erwartungen jedesmal getäuscht wurden. Ein trauriges Zeichen für die in den jüdischen Cantoren- und Cultusbeamtenkreisen herrschende Indolenz. Die endgiltige Entscheidung über den Pensionsfond ist der nächsten Generalversammlung vorbehalten. Der Vorsitzende theilte auch mit, dass Herr Baron Nathaniel Rothschild dem Vereine eine Spende von 500 fl. gewidmet habe. Dem hochherzigen Spender wurde der Dank des Vereines votirt und gleichzeitig dem wackeren Vereinspräses, durch dessen. Initiative die Spende angeregt wurde, die Auerkennung des Vorstandes ausgesprochen. Wien. (Ein H undertachtjähriger.) Auf der Gasse steht ein hinfälliger Greis, in einen abgetragenen Winterrock gehüllt und lässt sich von der Octobersonne wärmen. Seine Gestalt ist gebrechlich, ruinenhaft, er bedarf eines Stockes, um sich aufrechtzuerhalten, ein blüthenweißer Patriarchenbart umrahmt sein runzliches Gesicht, und die Augen schauen müde und theilnahmslos aus rothgeschwyllenen Lidern — ein Bild des Elends, des Elends, das'nicht enden will. -Das' ist . der alte Kohn. Man kennt ihn. in der Schopenhauergasse in Währing, wo er im Hause Nr. 39 wohnt, man kennt und bemitleidet ihn im ganzen Viertel, aber da draußen, wo die arm^n,Leute sind,, hat man nicht die Kraft zu helfen. Der Mann ist eiHundertacht Jahre alt. Zwei Jahre vor der großen Revolutiön,.. anno 1787/ ist er geboren und heute-wö deren großrErrnngenfchasten, wo Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit fast "spurlos. verschwunden. sind, lebt er noch immer. Das Ende knüpft an den Anfang an. Wie ihm die Bedeutung der Vorgänge seiner Jugendjahre nicht klar war, so fehlt ihm heute das Verständniss für die Zeit — er hat nur mehr für. Eines Empfindung: für Wärme und einen Bissen Essen. Und daran fehlt es ihm oft. Gut ist es ihm nie gegangen, aber er schlug sich schlecht und recht durch, als Fleischhauer und . als Kutscher, in seiner Heimath Ungarn und hier in Wien, wo er ein Halbhundert Jahre lebt. Seit dreißig Jahren ist der alte Kohn erwerbsunfähig. Er war zweimal verheirathet, mit der ersten Frau 42 Jahre, mit der jetzigen seit 40 Jahren. Und diese zweite Frau, selbst eine gebeugte Matrone von 73 Jahren, erhält ihn. Wie, das kann man sich leicht vorstellen. Seine Kinder, drei an der Zahl, sind selbst Greise, seine Enkel, eine ganze Schaar, und seine Urenkel bringen sich nur kümmerlich fort. Von ihnen bekommt er keine Unterstützung. ״Gott", sagte Frau Kohn, ״da wäre fast nöthig, dass ich ihnen was schenke, ich möchte es ja, aber woher?״ . . . Hundertacht Jahre alt werden und dabei hungern müssen — grausamer kann das Schicksal keinen Erdgeborenen treffen. Vielleicht hat der eine oder der andere unserer Leser Mitleid mit dem Greise. Das kleinste Scherflein lvird einen Sonnenstrahl in sein Leben werfen, denn satt sein, ist für ihn der Gipfelpunct der Behaglichkeit. K. Budapest, 21. October. Das Magnatenhaus nahm heute den Gesetzentwurf über die freie Religions- Übung an. Hiemit ist die letzte der kirchenpolitischen Vorlagen erledigt. Eine größere Debatte entwickelte sich bei demjenigen Paragraphen, welcher die Pflichten nach dem liebertritt aus einer Confession zur andern behandelt. Graf Ferdinand Z ich y beantragte die Streichung dieses Paragraphen, da derselbe die Dogmen der katholischen Kirche verletze. Die Länder, welche diesen Paragraph iuartikuliren, sagte er, hören aus, christlich zu sein. (Bewegung und Widerspruch links.) — Cultusminister Wlassics erklärte, wenn dies wahr wäre, dann.gäbe es heute in Europa keinen einzigen ch r i stlich e u S t a at; denn es gibt in Europa keinen einzigen civilisirten Staat, in dem die Parität der israelitischen Religion, speciell was den Uebertritt betreffe, nicht inarticulirt sei. Speciell auch in demselben Lande, in dem wir den Grasen Zichy öfters im Interesse der Christenheit wirken sahen, in welchem er oft weilte, auch dort ist diese Bestimmung bereits Gesetz. Der Gesetzentwurf über die Reception ist bereits sanctionirt: man könne doch einer recipirten Religon nicht weniger Rechte einräumen, als sie als recipirte Religion besitzt. Zum Muhamedanismus solle man ja übertreten können, nur zum Judenthum nicht. In diesem Lichte kehrt der Streichungsantrag seine directeSpitze gegen das Jude nth um. Die Regierung halte entschieden an diesem Paragraphen fest, damit die Parität der israelitischen Religion ausdrücklich in der Vorlage enthalten und jeder Zweifel ausgeschlossen sei. — In der hierauf folgenden namentlichen Abstimmung wurde der Paragraph 22 (Parität) mit 120 gegen 113 Stimmen, daher mit sieben S timm en M aj orität, a n ge n o m m en. — Graf Ferdinand Zichy beantragte nun die Aufnahme eines neuen Paragraphen, welcher die Bestimmung enthalten solle, dass Jemand, der von der christlichen Religion zur israelitischen Übertritt, seine unmündigen Kinder n i ch t i u d i e neueReligion ü b e r u e h me n kann.׳ — Cultusminister Wlassics erklärte, man könne, nachdem die israelitische Religion eine recipirte Religion sei, keine besondere Bestimmung, für dieselbe treffen. — Der Antrag des Grasen Zichy wurde durch Erheben von den Sitzen a bge lehnt. — Zum Schluffe der Sitzung ertönten" l e b h a s 11 ■ E l j e n r u f e links. Ministerpräsident Baron B a n s f y, sowie chie übrigen Mitglieder des Eabinets wurden beglü ckwünscht. Moor. Der hiesige Obercantor. Herr El. Lebovics, welcherüsich; in unserer Gemeinde besonderer Beliebtheit erfreut, "UudseiNeFrau, geb. 'Blaß, legten am 8. October im hiesigen MoMitäLshause den Eid der׳ ^ungarischen Staatsbürgerschaft ab. LeWbics ist in Mmänien geboren und kam vor'6 Jahren nach' Ungarn. Er Dauch Verfasser mehrerer ShnagogenqDlUe, unter . dem Titel '.MWx M; yM^^EMegen miß Beifall ausgenommen wurden.

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