Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 24 (21.10.1895)
- Date
- 1895-10-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 24 Gesterrgitchisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. und ehrender Betheiligung׳ der Collegen-Kunst- und Freundeskreise in der Meiselsynagoge stattgefunden. Trotz der Absicht des Vorstandes, die Feier, der Bescheidenheit des Jubilars entsprechend, intern zu halten, demgemäß auch jede spezielle Einladung unterblieb, war die Theilnahme in Folge der außerordentlichen Beliebtheit und der großen Popularität, deren sich der Jubilar, erfreut, eine allgemeine und herzliche. Der geräumige, vor kurzem erst neu renovirte Tempel strahlte im schönsten Lichterglanze und ein distinguirtes Publikum füllte alle . Räume desselben bis auf's letzte Plätzchen. Der Altar, allwo der Cantor die Gebete zu Gott emporsendet, war mit exotischen Gewächsen reichlich geschmückt, ebenso war der mit einem Baldachin versehend Ehrenplatz des Jubilars sehr gelungen decorirt. Die Feier wurde mit einem Präludium für Orgel, Harfe und Geige, einer Composition des Jubilars, die vor etwa 10 Jahren zum ersten Male aufgeführt worden ist, durch die Herren H 0 l y vom deutschen Landestheater (Harfe) Orchester-Director Markus (Violine) und vom Organisten der Synagoge eröffnet.. Ein darauffolgendes Männerqnartett bildete den Uebergang zum Gottesdienste, den der Jubilar unter Assistenz seines ausgezeichnet geschulten Chores selbst versah. Nach beendigtem Gottesdienste hielt Herr Rabbiner Dr. Kisch eine für den Jubilar sehr schmeichelhafte Ansprache, in welcher er die Bedeutung des Cantors erläuterte und die außerordentliche Pstichttreue und die ausgezeichneten Leistungen des Jubilars im Gottesdienste hervorhebend, betonte, dass er in demselben die Verkörperung der Würde, welche in diesem Berufe liegt, findet. Hierauf richtete Herr Obmann Philipp Beck im Namen des Vorstandes an den Jubilar herzliche Worte der Beglückwünschnng und Anerkennung und überreichte demselben als Ehrengeschenk einen prächtigen, kunstvoll ausgearbeiteten Silberpokal mit der eingravirten Widmung :״Dem b e w ä h r t e n S a n g e s m e i st e r Moritz Waller st ein, Ober cantor und Chordirigenten der Meiselsynagoge zu Prag zu seinem 2s-jähr. Dienstjubiläum in Anerkennung seiner verd i e n st v o l l e n T h ä t i g k e i t vom V o r st a n d e d e r Meiselsynagoge gewidmet". In Begleitung Herzlicher Worte der Anhänglichkeit und liebevoller Hingabe überreichte der Chor einen mit eingeprägter Widmung versehenen, silbernen Lorbeerkranz von feinster Ausarbeitung. Auch der zweite Cantor, Herr L u x, gab seiner Verehrung innige Ausdruck, indem er dem Jubilar, an dessen Seite er durch bereits 7 Jahre wirkt, einen silberbeschlagenen und mit einer silbernen Lyra geschmückten Taktstock aus Ebenholz überreichte, wobei er unter Anderm auch den Vers: ואת המטה הזה תקח בירד אשר תעשה 2 בו את האותת. B., Cap. 4, V. 17 sprach. Außerdem erhielt der Jubilar aus Theater- und Musikkreisen, von seinen Schülern, von Nah und Fern viele Geschenke, Begrüßungstelegramme und Gratulationsschreiben, worunter das von dem Künstler-Vereine ״Concordia", besondere Erwähnung verdient. Es lautet: ״Euer Wohlgeboren! Die ״Concordia", Verein deutscher Schriftsteller und Künstler in Böhmen, ergreift gerne die Gelegenheit, Ihnen anlässlich Ihres Jubiläums die lebhafte Antheilnahme an Ihrer Thätigkeit für die musikalische Kunst auszusprechen. Wir freuen uns aufrichtig, dass es Ihnen gegönnt ist, auf so reiche Erfolge zurückzublicken und die Ergebniße Ihrer Arbeit mit Befriedigung zu einer Zeit überschauen zu können, da noch die volle Arbeitskraft Ihnen für viele Jahre ein dankenswerthes und dankbares Schaffen verbürgt. Nehmen Sie unsere besten Glückwünsche entgegen. Im Aufträge der ״Concordia", Verein deutscher Schriftsteller und Künstler in Böhmen, Dr. Friedrich Adler." Den Bericht über die für den Jubilar höchst ehrenvollen. Feier, welche ihm Zeit seines Lebens, in schönster Erinnerung bleiben wird, schließen wir mit dem Wunsche, es möge ihm gegönnt sein, auch das 50-jährige Cantorjubiläum in gleicher körperlicher und geistiger Frische zu feiern, welchem Wunsche der ganze Cantorenstand, dem der Jubilar nur zur Ehre gereicht, sich gewiss freudigst anschließt. Wien. (25-jähriges Cantor-Jubiläum). An den vergangenen Festtagen feierte Herr Salomo Salomon, der seil bereits zehn Jahren als Cantor am Tempel des Wiener Talmud- Thora-Vereines angestellt ist, in aller Stille sein 25-jähriges Vorbeter-Jubiläum. Herrn Salomon gebührt das Verdienst, durch sein ausgezeichnetes Vorbeten zum Aufschwünge des Tempels, als dessen Vorbeter er seit seiner Gründung fungiert, zum großen Theile beigetragen zu haben. Er erfreut sich auch durch ׳ sein verträgliches und zuvorkommendes Wesen bei Allen, die mit ihm verkehren, der größten Achtung und Beliebtheit und die Werthschätzung seitens seiner Eollegen hat darin Ausdruck gefunden, dass er schon seit Jahren Vorstandsmitglied des österr.-ungar. Cantoren-Vereines ist. Das Bethaus, an dem der bekannte Rabbiner Herr I. B. K o h n wirkt, steht unter der bewährten Leitung des Herrn Vorstehers Simon Buchwald. Krems. Seit vor den hohen Feiertagen ist in unserer Gemeinde Herr S. Silbermann als Cantor angestellt und erfreut sich durch seine trefflichen Gesangsleistungen und durch seinen echt jüdischen Vortrag trotz der kurzen Zeit schon anßerordentlicher Beliebtheit. Fast ein Kunststück muß man es nennen, dass' Herr Silbermann zum Simchas-Thora-Feste in 4 Tagen einen Chor zusammenstellte und mit demselben zur Erhöhung der Festesweihe sehr schöne Gefangspiecen aufführte. Der Besuch des Gotteshauses ist in erfreulicher Zunahme begriffen. Crvak. Kreuz, 14. October. Auf der Durchreise nach Agram langte Se. Majestät der Kaiser und König heute 7 Nhc 20 Min. hier an. Auf dem Perron hatten sich zum Empfange die Spitzen der Behörden und die Honorationen der Stadt eingefunden, und als der Zug in der Station einfuhr, ertönten begeisterte Zivio- und Eljenrufe. Se. Majestät zeichnete zuerst den Bürgermeister und den Bezirksvorstand mit Ansprachen aus. Dann ließ er sich vom Bürgermeister den Rabbinatsstellvertreter, Herrn Obercantor und Religionslehrer Leopold Buxbaum, vorstellen, an den er folgende 4 Fragen richtete: 1. In welcher Gemeinde er wirken 2. Wie groß die Gemeinde sei; 3. Wie lange er hier wirke und 4. Wie lange schon die Gemeinde ohne Rabbiner sei. Auf sämmtliche Fragen gab Herr Buxbaum prücife Antworten, die Se. Majestät mit gnädiger Aufmerksamkeit entgegennahm. Zum Schluffe wurde noch der Schuldirector mit einer Ansprache beehrt. Hierauf bestieg Se. Majestät wieder den Hofzug und setzte unter begeisterten Zurufen der ganzen Bevölkerung die Reise nach Agram fort. Budapest. (Land es-Rab binenversammlung.) Die ungarlündischen Rabbinen setzten Dienstag, den 15. d. M. unter dem Vorsitze des Dr. Samuel Kohn ihre Berathungen fort, welche sie an demselben Tage auch beendeten. Die Sitzung begann mit der Verhandlung mehrerer Anträge. Das größte Interesse rief die Frage des Landes-Rabbinen Verbandes hervor. An der Debatte, welche sich hierüber entwickelte, nahmen außer dem Stuhlweißenburger Rabbiner Dr. S teinherz, der einen Statutenentwurf vorlegte, und außer dem Vorsitzenden theil: Dr. Per l ß, Dr. K ele men, Dr. Bar an y, Dr. Herzog, Elfer und Dr. F e l d m a n n. Einige traten dafür ein, dass dieser Verband sofort gebildet werde; es wurde aber beschlossen, ein Vorbereitungscomite zu entsenden. Mitglieder desselben sind: Dr. Kohn, Dr. Steinherz, Dr. Perlß, Dr. Neuwann, Dr. Löw, Dr. Klein und Dr. Liebermaun. Dieses Comite wird auch die Statuten ausarbeiten. Da man wohl hoffen darf, dass jeder ungarische Rabbiner es für seine patriotische Pflicht halten wird, zum Millennium nach Budapest zu kommen, wird der Verband nach Prüfung und Annahme der Comitevorschläge am 1. Juli 1896 konstituirt werden. Für jetzt wurde prinzipiell ausgesprochen, dass die auf dem G eb iete 11n garns wirkenden Rabbinen einen Verein bilden und dass jeder autorisirte Rabbiner Mitglied des Vereins wird, wenn er dem Ausschüsse seine bezügliche Absicht schriftlich mittheilt. Dies wurde von allen Anwesenden angenommen. Am Schluffe der Sitzung wurde dem Vorsitzenden Dr. Samuel Kohn für die taktvolle Leitung, ferner dem greisen Alterspräsidenten Dr. Bloch und auf Antrag des Präsidenten auch dem Dr. Stein Herz, der so viel Eifer für die Sache entfaltet hat, Dank ausgesprochen.