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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-09-15 · Heft 21 (15.9.1895) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 21 (15.9.1895)
Date
1895-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische I K. k. Poft[parcaffen-2Imt Eheck-Tonto Nr. 885,240. Redaction n Administration Wien II., Novaragasse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Abonnementsn. Insertionsbeträge snrd in Vien rstzlbar. Ovütl'Ll-Ol'ALÜ für die Interessen der Cantoren und Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor taeob kausr. Pränumerations-PreiS. Für Cantoren u. Cultusbeamte in Vrflerrrirtz-Nngarrv Ganzjährig.fl. 4.— Halbjäbrig ..... fl. 2.— FürDsntoren u.Qhtltu&beamte im Ausland Ganzjährig.8 Mark ober 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig . ... fl. 6.— Nr. 21. Wien, 15. September 1895. 1. Jahrgang. Abonnements-Einladung. Am 1. Oktober beginnt das IV. Nuartal dieses Jahrganges und erstichrn wir demgemäß um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements und Einsendung der Prärmmerationsgebühr. Dir Administration der österr. ungav. Cantorrn-Zritung. Wien, 15. September. Wer in der letzten Zeit die Lecture der jüdischen Blätter mit nur einigem Eifer pflegte, musste die Wahrnehmung machen, dass in allen Kategorien des jüdischen Cultusbeamtenthums, besonders aber in den Kreisen der ehrwürdigen Herren Rabbiner, ein berechtigtes Misvergnügen über die immer unleidlicher werdenden Zustände in den Cultusgemeinden Platz gegriffen hat. Der Eine klagte, dass die Würde des Amtes durch allerlei Nebenbeschäftigungen untergraben werde, der Andere bedauerte die stetige Abnahme der früher so hochgehältenen Autorität, ein Dritter rügte die unzureichende Besoldung, und Alle stimmten darin überein, dass die Stellung des Rabbiners nicht mehr eine solche sei, wie sie dem Seelsorger der Gemeinde naturgemäß zukömmt, und, keineswegs zum Heile des Judenthums, eine große Einbuße erlitten habe. Uns Cantoren, die wir noch früher unter solchen Miseren zu leiden hatten, ist die Melodie, die aus den verschiedenen in der ״Neuzeit" und der ״Wochenschrift" veröffentlichten Artikeln wiederklingt, nicht neu, denn wir haben sie schon schon selbst in allen möglichen Tonarten gesungen, und es kommt uns fast so vor, als ob wir in den alteren Jahrgängen der ״Cantoren-Zeitung" nachblättern wurden und — mutatis mutandis.— unsere eigenen Leiden schildern hörten. Seit Jahren kämstfen wir gegen veraltete Vorurtheile einen heißen /Kampf, .um die sociale und materielle Stellung der Cantzoren zu verbessern, allein wo auch immer diese Bestrebungen zum Ausdrücke kamen,, haben wir — mit wenigen Ausnahmen — an den ehrwürdigen Herren Rabbinen nicht nur keine Förderer, sondern zumeist offene Widersacher gefunden. Diese verfehlte Taktik rächt sich nun an ihrem eigenen Stande, ihre Läge ist nunmehr nicht viel besser als die unsrige, und es ist schon so weit gekommen, dass ein ehrwürdiger Autor in der letzten Nummer der ״Wochenschrift" seinen stimmbegabten Standesgenoffen den Rath ertheilt, Maturitäts-, Doctorats- und Rabbinatszeugniße in den Ofen zu werfen, um sich als wohlbestalte Cantoren, eventuell Lehrer engagiren zu lassen. Merkwürdigerweise haben sich die Verhältniße seit -dem Jnslebentreten des neuen jüdischen Cultusgesetzes, auf das gerade von Seiten' der Rabbinen so viele Hoffnungen gesetzt wurden, weil der Cantor in demselben gar keinen Platz gefunden hat, noch mehr verschlimmert. Uns nimmt dies gar nicht Wunder, denn die Kanzel steht ganz in der Nähe des Betpultes, und wir haben darum niemals daran gezweifelt, dass dir Begehrlichkeit der Gemeindemachthaber nicht bei den Cantoren Halt machen wird. Dass es so kommen wird, haben wir zu wiederholten Malen voransgesagt, und die Thatsachen haben auch richtig unsere Voraussage bestätigt. Es wäre jedoch müßig, sich heute gegenseitig Vorwürfe zu machen und dadurch den langjährigen Antagonismus noch mehr zu verschärfen. Aller Zwist und aller Hader sei fortan begraben und an deren Stelle trete das Bewusstsein der Gemeinsamkeit ihrer Interessen und das Bestreben, in aufrichtiger collegialer Gesinmrng nach Mitteln zu suchen, um eine Besserung der unhaltbaren Zustände herbeizuführen. Eine nothwendige Voraussetzung hiesür ist in erster Reihe eine strenge und gerechte Abgrenzung des beiderseitigen Wirkungskreises. Erst wenn dies geschehen ist, dann können Rabbinen und Cantoren ihre gemeinschaftlichen Interessen den Gemeinden gegenüber erfolgreich verfechten. Man möge uns jedoch nicht mißverstehen, es ist keines- Wegs unsere Absicht, die jüdischen Cultusbeamten gegen die Cultusgemeinden auszuwiegeln, denn wir wissen ganz gut, dass dies zu!einem gedeihlichen Ende führen würde, aber man wird es sicherlich., nicht Verhetzung nennen, wenn wir dafür eintreten,׳ dass die Gehalts^ und Pensionssrage der jüdischen Cültusbeamten endlich einmal eine Regelung erfahre. Warum sollendie Beamten der jüdischen Gemeinden in dieser Beziehung gegen die übrigen Communal- und Staatsbeamten zurückstehen? Ist vielleicht ihr Amt ein. minderwertiges, oder ist eine jüdische Cultusgemeinde ein Gemeinwesen niederer Ordnung?

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