Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 19 (15.8.1895)
- Date
- 1895-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische "I K. k. Hostsparcassen-Aml I Ctzrck - ConLo!. Nr. 835,240.; Redaetion u Administration - Wien! H., Novaragasse Nr. 27. : I Inserate 1 werden billigst berechnet. I Manuscripte werden nicht -! retournirt. ' Abonnrrnrntsu. Insrrtions- |! betrage sind in Wien!aljtbar. Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Cullusdesmten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Pränumerations-WeiS j FürTantorerr u. Gultusdramt» j irr ©EpEsrrejtfj-Hngaru j Ganzjährig ..... fl. 4 — j Lalbjäürig ..... st. 2.— ^iirCEanf0ts1tu.(jruIfuabEamtt* : in» Ausland 1 Ganzjährig ..... 8 Mark j oder 4 Rubel. ij Für Privat» und Instttuto Ganzjährig . ... fl. 6.— -! Nr. 19. Wien, 15. August 1895. 15. Jahrgang. Rultuelles, Rituelles, Liturgisches. Nach Quellen aus biblischen und nachbiblischen Schriften bearbeitet und - erläutert von Rabbiner L. Wolln er. LVI. Eine Synagoge, die zugleich als Festtttlg diente. Es gab und gibt wohl herrliche Synagogen, Bauten, die allgemein. bewundert werden, äußerlich geziert und innerlich geschmückt sind; aber -eine. Synagoge, die als Schutz gegen feindliche Angriffe zugleich dienen soll, steht wohl unseres Wissens vereinzelt in der Geschichte Israels da. Und eine solche Synagogen-Festung gab es in der Mitte des vierzehnten Jahr- Hunderts in der jüdischen Gemeinde zu Nürnberg. Wir entnehmen wieder diese Mittheilung aus demselben Buche und demselben Berichterstatter, den wir in unserem Artikel Nr. 14 . dieser geschätzten Wochenschrift namhaft gemacht haben. Diese interessante Beschreibung geben wir wohl nur in gedrängter Kürze, aber getreu dem Inhalte nach, sie lautet: Da, wo jetzt in Nürnberg die der katholischen Gemeinde eingeräumte prächtige Marienkirche steht, gerade im schönsten . Theile der Stadt und im Mittelpunkt derselben, befand sich . bis zum Jahre 1350, um welche Zeit sie abgebrochen werden musste, die alte Synagoge der jüdischen Gemeinde daselbst. Das . heilige Gebäude diente zugleich als Schutz gegen die Uebergriffe der christlichen Nachbarn, beinahe wie eine Citadelle bebefestigt und . mit sechs starken, eisenbeschlagenen Thüren verwahrt, zu denen man auf mehreren Treppenstufen, - sowohl von vorne, als von den Seiten und von hinten in die Synagoge gelangen konnte. Zwei nebeneinander stehende zwei Stockwerk hohe Häuser, massiv aus Quadersteinen aufgeführt, . bildeten den zu den heiligen Versammlungen der Juden von Nürnberg bestimmten Ort, welcher im Kreise von einer starken mit Zinnen versehenen Mauer eingefasst, für eine Art nicht unbedeutender Befestigung anzusehen war, zumal, da die weiten Hofräume, im Falle der Noch eine beträchtliche Anzahl Vertheidiger aufzunehmen gestatteten.' Durch unterirdische Gänge standen, sämmtliche Wohn- Häuser der Juden in Verbindung mit der Synagoge, damit die- , jenigen Gemeindeglieder, deren.Eigenthum und. Leben bei den r nur zu oft ausbrechenden Pöbelexcessen.gerade gefährdet, erschien. mit ihrer werchvollsten Habe sich in die Höfe der Synagoge flüchten und hier solange Schutz vor ihren Bedrängern finden konnten, bis ein fürsichtiger Rath dem Skandal ein Ende machen ließ. Die innere Ausstattung der Synagoge war außerordentlich reich; auf Marmortreppen stieg man zudem ״Migdal" —in späterer Zeit ״Almemor" Ort, von welchem aus man dem Volk etwas verkündigt, genannt, — welcher aus dem kostbarsten Marmor aufgeführt, von 34 silbernen Säulen umgeben war. Auf dem Marmorgesimfe des Migdal erhoben sich 12 kleine vergoldete Säulen, auf welche Wachslichter gesteckt wurden. Hier wurde das Gesetz vorgelesen. An der Mauer gegen Osten stand in der Nürnberger Synagoge ein die Stelle der Bundeslade vertretender Gesetzesschrank, welchen man die heilige Lade, Orattn Hakaudesch, nannte. Zu diesem Gesetzschrank stieg man auf sieben Treppenstufen, von welchen sechs aus schwarzem Marmor, die obersten dagegen aus Granit bestanden. Auf jeder der schwarzen Stufen saß rechts und links ein Löwe von weißem Marmor. Die Thüre des Schrankes war aus schwarzpoliertem Holz mit dem Namen der 12 Stämme, prachtvoll in Gold ausgelegt. In der Mitte sah man einen von Edelsteinen blitzenden, in erhabener Arbeit ausgeführten goldenen Stern; vergoldete Säulen von schwarzem Marmor erhöhten die Pracht des Ganzen. Oberhalb des Schrankes befand sich eine große, mit Edelsteinen besetzte Krone von gediegenem Golde, darunter standen die Worte: ״Die Krone der Thora". Unterhalb dieser goldenen Krone bemerke man links eine kleine silberne, mit Rubinen gezierte, darunter Worte: ״Die Krone des Priesterthums". Rechts ebenfalls eine silberne, mit Smaragden geschmückte Krone mit der Unterschrift: ״Die Krone des Königreiches". Unterhalb der goldenen Krone standen auf einer silbernen, am Schranke befestigten Tafel mit goldenen Buchstaben die Worte: ״Bedenke, vor wem du stehest!" Ein großer, zwölfarmiger Leuchter von gediegenem Golde befand sich vor dem Gesetzesfchrank, silberne und messingene Hängelampen über dem Migdal und an anderen Stellen der Synagoge. Vor der Thüre des Gesetzesfchrankes waren eingestickte, seidene Vorhänge, deren Kostbarkeit sich nach der Bedeutung des Festes richtete, das man gerade zu feiern im Begriffe stand. Roch in reicheren Schmuck waren die Thorarollen gehüllt.