Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 17 (15.7.1895)
- Date
- 1895-07-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I K. k. pofifparcaffen2־imt I Cherk-EonLo! Nr. 885,240. Redaetion u Administration! IVien! IL, dtovaragasse Nr. 27. i Inserate j werden billigst berechnet.! Manuskripte werden nicht > retournirt.! Abonnrmrntsu. Insrrtions-! betrage find ln Wienzahlbar. 0v81e1-1-eiekisek-ungLn8vke Zeiiun Central-Organ für die Interessen der Esntorrn und Cullusbesmten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor tavvd Lauer. Pränumerations-Preis. FürLantvrer« u. Eultusbrsrnt« irr Vrfierrriitz-Ungmm Ganzjährig ..... st. 4.— Lalbjäürig ..... st. r._ FürTantorrn u.Culkusbramte im Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Privat» und Institut» Ganzjährig .. ... fl. 6.— Nr. 17. Wien, 15. Juli 1895. 15. Jakroans. An die geehrten Herren Abonnenten. Jrrthümlicher Weise wurden auch an die geehrten Abonnenten in Ungarn österreichische Postchecks beigelegt. Da dieselben in Ungarn nicht benützt werden können, bitten wir die geehrten Abonnenten in Ungarn diesmal noch den Abonnementsbetrag, und zwar mit Abzug des Porto, per Postanweisung einznsenden. Vom nächsten Quartal werden ihnen ebenfalls ungarische Postchccks zur Verfügung gestellt werden. Diejenigen Herren Abonnenten tu LEMMA... welche die ihnen übermittelten Pöstchecks noch Glicht benutzt haben, werden dringendst ersucht, sich derselben umgehend behufs Einsendung des Abonnemrntsbetrages zu bedienen. Die Administration. Kulturelles, Rituelles, Liturgisches. Nach Quellen aus biblischen und nachbiblischen Schriften bearbeitet und erläutert von Rabbiner L. Wollner. LIV. Verwendung der alten Synagoge. Die Synagoge im Mittelalter diente nicht nur als eine . Stätte; der Andacht,^ sondern auch als eine Lehrstelle.' Bezeichnend - dafür ist die noch,heute übliche Benennung ״Schul'". In der ,Synagoge.wurdetäglich Gottesdienst.gehalten, gebetet und.das Volk durch religiöse Vorträge belehrt (Megila 27.), .in religiösen Büchern gelesen und -studirt und^d^ Jugend. unterrichtet (Psrach. 17 ), die Leiche eines geleWkn und ausgezeichneten ,Mannes zur Abhaltung - eines Trauergottesdienstes aufgebahrt und...Trauerreden gehalten. (Jeruschalmi Psach. 1, 1.) Auch das hat die Kirche der. Synagoge entlehnt. Auffallend bleibt es . aber,, dass׳ die Synagoge im- Mittelalter auch zu profanen Zwecken verwendet ׳ wurde, .wie mehrere Stellen im Talmud dies, beweisen.׳ - Das Bet-Hakneses als Gemeindehaus war - nicht 5 blos, wie heut - zw Tage, zur gemeinschaftlichen Andacht bestimmt, es ׳ diente auch: als. Herbergefiir - zugereiste Fremde, . Orchim, d’ochlu ־w •schossu bebes Kenischto, die in der Synagoge gegessen, getrunken und geschlafen haben. (Psach. 101.) ^Zwar versucht Mögen Awrohom zu ,Orach Chajim 269,. -2, diese. Stelle so auszulegen, dass.das Anstandsgefühl nicht ver- -letzt.werden soll,, indem er commenürt : Lebajis hasomnch; (l’bess . hakneses, im anstoßenden Gemache der. Synagoge. ist darunter zu verstehen. Doch ist das gegen den Wortlaut der angeführten Talmudstelle. Uebrigens erzählt uns auch die Bibel, dass der kleine Samuel mit dem Priester Eli im Heiligthum zu Schilo schliefen. (1. 8am. 33.) Auch dort sprechen die Commentare von einem anstoßenden Zimmer, was ebenfalls mit dem Wortlaut des Textes ״bshschol Adonai“ nicht übereinstimmt. Dass man die Nacht des Versöhnungstages im Mittelalter in der Synagoge zubrachte, ist aus Orach Chajim 619, 6 ersichtlich "Da übrigens im takm. Alterthum die Beherbegung von Reisenden (hachnossas Orchim) für höchst verdienstlich gehalten wurde, (S. Schebnot 35), so wird man es begreiflich finden, dass die Verwendung der Synagoge als Zufluchtsstätte für Wanderer nicht als Profanation erschien. lieber diesen Gegenstand finden wir noch Folgendes in dem Buche ״Lebensalter" betitelt vom sel. Rabbiner zu Szegedin, Leopold Löw, was uns auch Ausschluss gibt über die Einführung des ״Kiddnsch" in der Synagoge an Säbbath und Festtagen. Daselbst (S. 205) heißt es: ״Die israelitischen Synagogen, namentlich die der talmudischen und der gaonäischen Zeit, waren nicht nur Betsondern auch Gemeindehäuser.׳ Ihre Räume wurden nicht nur zum gemeinsamen Gottesdienste, sondern auch zu sonstigen Gemeindeversammlungen, ja sogar zum Absteigquatier einkehrender Reifender benützt, wo dieselben auch speisten. In den asiatischen Synagogen, wo die Gaste ihr sabbathlich.es Mal einnahmen, entsprach das Kiddnsch vollständig der talmudisch-halachischen Schlussfassung, nach welcher dasselbe nicht mit dem Abendgebet, sondern mit dem Abend mahle zusammenhängt und daher mit diesem an einem und demselben Orte stattfinden muß. (En Kiddnsch 610 b’mokanm sendoh) Das Kiddnsch bahnte sich dann den Weg auch in europäische Synagogen, bis auf unsere Zeit, wenn auch die Synagogen nicht zu Speisesälen dienen.; Auch Maimuni (Hilch. Schäbbös 29/ 8 ) führt, an in der Synagoge wird das Kiddnsch recitirt wegen der zugereisten Gäste, die dort das Säbbathmäl halten. Dazü bemerkt ״ ׳Magid Mischne“: Wenn das jetzt auch nicht mehr stattfindet, dass Gäste, in der Synagoge speisen, so wird doch daselbst das Kiddnsch gesprochen, weil eine alte Einführung (Tekone) nicht ' abgeschafft werden darf. Dagegen spricht Dir Orach. Chajim 269*: