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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-05-21 · Heft 13 (21.5.1895) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 13 (21.5.1895)
Date
1895-05-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Cantoren ־ Zeiinng. Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor tavüd ksuvP. Rrdsrtion und Administration Wien II., Novaragasse Nr. 27. Innerste werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Sbviuuuuuteu. Insertion«- betrag* stnd in Wien zahlbar. Pränumerations-Preis. FürCantorrnu.Cultusbramte in Vrfirrrrirh-Angarn Ganzjährig ..... fl. 4.— Haldjäbrig.fl- 2.— FnrLantorrn u.Cultusbramte im Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig . ... fl. 6.— Nr. 13. Wien, 21. Mai 1895. 15. Jahrgang. ן l I Wilhelm Ritter von Gntmann. I IzWWWW^^^^^IWWWWWWWWWWWWWI^WWWWWWIMMs! Freitag den 17. Mai ist Wilhelm-Ritter von Gwt.m an n nach kurzer Krankheit im Alter von 68 Jahren gestorben. Ueberall, wohin diese schmerzliche Kunde dringt, wird sie wahrhafte- und aufrichtige Trauer Hervorrufen und nicht nur seine Familie, sondern die gesammte Glaubensgenossenschaft und große Kreise außerhalb derselben stehen schmerzerfüllt an der Bahre dieses edlen Mannes. Wilhelm v. Gutmann wurde als der Sohn armer Eltern zu Leipnik in Mähren geboren. Ursprünglich für den Rabbinerstand bestimmt, führte ihn nach dem Tode seines Vaters die Nothwendigkeit, die Familie zu erhalten, gegen seine Neigung dem geschäftlichen Leben zu. Durch rastloses Streben, durch unermüdliche Schaffenslust und strengste Solidität verstand er es, sich aus der dürftigsten Lebenslage zu einem der hervorragendsten Industriellen emporzuschwingen und der von ihm im Vereine mit seinem ihn überlebenden Bruder, David Ritter von Gutmann, gegründeten Firma einen Weltruf zu erwerben. In der Höhe seiner gesellschaftlichen Stellung verlor er niemals den Zusammenhang mit seinen Glaubensgenossen, er blieb immer und jederzeit ein treuer Sohn des Judenthums, der seinen weitreichenden Einfluß überall einsetzte, wo es galt, die Interessen der Glaubensgenossen zu wahren und ihre angefochtenen Rechte zu vertheidigen. An der Entwicklung der Wiener Cultusgemeinde nahm er hervorragenden Antheil und während der Zeit seiner Präsidentschaft sind von ihm mannigfache Anregungen zur Hebung des religiösen Sinnes ausgegangen. Eingedenk - der Dürftigkeit -seiner eigenen Jugend und getreu-den jüdischen Traditionen, welche dem Reichen und Besitzelchen die Bethätigung der Menschen- und Nächstenliebe als heilige Pflicht auferlegen, hat Wilhelm Ritter v. Gutmann Wohlthätigkeit in weitestem Maße geübt. Helfen und Wohlthun war ihm innerstes Bedürfnis. Sein Palais in der Kantgaffe Wardeine Zufluchtsstätte fiir die Armen und Dürftigen, und dass es auch fernerhin so bleiben wird,׳ dafür bürgt das gute jüdische, vom Wohlthun gleich beseelte Herz des überlebenden Bruders, Herrn David Ritter von Gutmann. Jedoch nicht nur auf die Glaubensgenossen erstreckte sich die Fürsorge des Verblichenen. In dieser Beziehung kannte Wilhelm v. Gutmann keinen Unterschied der Confefsion, er übte Wohlthaten überall, wo Noch und Elend zu lindern waren, und jeder edle Zweck konnte auf seine Unterstützung rechnen. Dankbar gedenken seiner der Philanthropische Verein in Wien, die Wiener Poliklinik, das Waisenhaus in Döbling, das Alterversorgungs- und das Waisenhaus der israel. Cultusgemeinde und viele andere humanitäre Anstalten, denen er sich mit seltener Wärme und Freigebigkeit widmete. Von hoher Bildung und großer Belesenheit unterstützte er großmüthig jedes Streben auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft, aufstrebende Talente fanden an ihm einen jederzeit hilfbereiten Gönner und Förderer, und auch die Gründung der jüdisch-theologischen Lehranstalt in Wien wird mit seinem Namen ewig verknüpft sein. Auch wir Cantoren sind dem Verewigten zu großem Danke verpflichtet. Als wir den österreichisch-ungarischen Cantoren- Verein in's Leben riefen, war Wilhelm Ritter v. Gutmamr einer der Ersten, der unsere Humanitären Bestrebungen durch eine munifizente Spende unterstützte. Das Spendenbuch des Vereines wird uns jederzeit die Erinnerung wachrufen an das große und edle Herz, das nunmehr zu schlagen aufgehört hat. So hoch die gesellschaftliche Stellung, so glänzend das öffentliche und humanitäre Wirken des Dahingefchiedenen gewesen ist, so bescheiden und anspruchslos war sein Privatleben, das er in urspriinglicher Einfachheit bewahrte. Schlicht und einfach hat er gelebt, schlicht und einfach, gleich dem Geringsten der Sterblichen wollte er begraben werden; und als eine illustre Gesellschaft dem dahingeschiedenen Wilhelm Ritter v. Gutmann das letzte Geleite gab, da barg ein einfacher Holzfarg die irdische Hülle des großen und edlen Menschenfreundes, den eigene Kraft zu den ersten und besten Männern seines Volkes gebildet hat. In seinem Wirken wird sein Andenken ewig fortbestehen. Er ruhe in Frieden! ת׳נ׳צ׳ב׳ה

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