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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-05-11 · Heft 12 (11.5.1895) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 12 (11.5.1895)
Date
1895-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische m ■■■ Pränumerations-Preis. FürLanloren n.CuUusbratntr in Vrfierrrith-Nngarn Ganzjährig ..... fl. 4.— Halbjäbrig.fl. 2.— FnrCantorrn n.Eullusbramte int Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig . ... fl. 6.— Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Lultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Rrdsrtron und Administration Wien II., Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. ji Abonneuirntsn. Insertions- :j betrage sind in Wien xatzlbar. Nr. 12. Wien, 11. Mai 1895. 15. Jahrgang. Soll der Cantor sprechend vorbetrn? Die jüdische Religionsschule hat es in unserer Zeit zu hoher Bedeutung, gebracht - aus dem engen, dumpfigen Cheder ist eine unter staatlichem Schutze stehende, vornehme Unterrichtsanstatt; aus dem geknechteten, mittelalterlichen Nelamed, kurz gesagt, ein Religionsprofessor geworden. Das sind die Resultate eines zielbewussten, einheitlichen und rastlosen-Strebens, welches uns Cantoren wie ein hellstrahlendes Musterbild vorschweben sollte, uns Cantoren, die trotz geschriebener und gedruckt-verbürgter Brüderlichkeit, trotz aller Vereinsgründungen 2c. in ewigem Hader und Zwiste mit einander leben und deshalb nichts Bedeutsames schaffen können, weil Einer die Bestrebungen des Andern unterwühlt, hemmt und vernichtet. Ja die Herren Religionsprosessoren haben in den letzten Deeennien viel erreicht, scheinen jedoch mit dem Erreichten noch lange nicht zufrieden zu sein; die Umrahmung ihres eigentlichen Wirkungskreises, die Schule, scheint ihnen nicht mehr zu genügen und man versucht Excursionen auf das nachbarliche Gebiet, um die eigene Machtsphäre zu erweitern. Eine solch׳' interessante und zweckentsprechende Erweiterung erblicken die Herren in der Ausdehnung der religionslehrerischen Bestrebung auch auf das Gebiet der Synagoge. Die Rücksicht auf die schulpflichügen . Kinder, die den Hauptgottesdienst nicht besuchen können, zwang die Herren Religionslehrer — so hieß es — zur Abhaltung eines speciellen. des Jugendgottesdienstes. Sicherlich eine schöne und bedeutungsvolle Einrichtung zur Kräftigung des Religionsgedankens im Herzen der Heranwachsenden Jugend, und nebstbei auch zur Bethätigung mancher bis nun unbekannten, jetzt aber . bereits allgemein anerkannten Rednergabe seitens der exhortirenden Herren. Getragen von der Sympathie der Eltern und gesttitzt von der Macht der Behörden, entwickelte sich die Einrichtung des Jugendgottesdienstes zu bedeutsamer Höhe und zieht immer weitere Kreise. Genügte anfangs der übliche Gottesdienst, die Predigt, der Gemeindegesang rc. so sucht man trotzdem dem Gegenstände immer wieder neue und interessante Seiten abzugewinnen, so dass jeder neue Monat auch eine neue Einrichttmg schafft und, wenn das Neue nicht mehr ausreicht, so greift man mit kühner und sicherer Hand wieder zum Alten zurück. Wir beabsichtigen keineswegs, diese oder jene Einrichtung der kritischen Auseinandersetzung zu unterziehen, allein gegen eine der neuesten Einrichttmgen müssen wir entschieden Stellung nehmen. Diesem neuen Bestimmung gemäß, hat der Cantor beim Vorbeten nur zu sprechen und sich des gesungenen Vortrages zu enthalten. Weder im alten noch im modernen Synagogengottesdienste finden wir einen Anhaltspunkt, welcher diese neue Bestimmung entstammen könnte; eine ähnliche ׳ Einrichtung ist nur in der evangelischen Kirche zu finden, wo die Predigt den Mittelpuntt bildet, alles Uebrige jedoch yur als Folie..beh-cmdelt wird. Soll nun dieses neueste Experiment als Vorkäuser einer Reform dienen, so wäre zuförderst düs ^Resultat dieser reformistischen. Bestrebung abzuwarten. Da jedoch ejne ähnliche. Absicht nichk obwaltet, indem eine gleichzeitig versuchte Einführung, nämlich der cantorale Vortrag der ganzen Sclimone-essre., viel eher eineconservative Gesinnung durchblicken lässt, so blielle uns der Ausgangspunkt dieser neuesten Anordnung verschlossen, wenn wir nicht im Hinblicke aus eine in den letzten Wochen geschaffene, wieder neue, vielversprechende Einrichtung für die oben erwähnte Besümmung einen Schlüssel fänden. Dieser neuen Einrichtung gemäß, werden nämlich allsabbathlich je sechs Knaben um den Cantor postirt, um — man höre und staune — abwechselnd mit ihm das ^.ookrs-Gebet Poßuk um Poßuk zu sprechen. Wir folgern nun, dass es nicht erbauend klänge, wenn der Cantor singend und die Knaben sprechend vorttügen; da jedoch die Knaben nicht singen können, so macht man es umgekehrt und dikttrt dem Cantor den sprechenden Vorttag. Dieses Vorgehen entspringt leider einer vollständigen Un- Vertrautheit mit der synagogalen Gepflogenheit, sonst könnte ein solches Machtwort unmöglich gesprochen werden. Der jüdischcantorale Vorttag hat den Zweck, sür's Erste die gottesdienstliche Anordnung der Texte der betenden Gemeinde zu vermitteln, hauptsächlich jedoch, das Gepräge des jeweiligen Festes zum Ausdrucke zu bringen. Dieses Gepräge der zumeist gleich bleibenden Gebettexte, wie Lottmone essre, Kaddisch, Glenn, Ma-ariw rc. kann nun, wie leicht erklärlich, sicherlich nicht durch die Textworte allein zum Ausdruck gelangen, wenn den-

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