Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-05-01 · Heft 11 (1.5.1895) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 11 (1.5.1895)
Date
1895-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/1304829-3453335-3453346--4263-3458706
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Qesterreictiisch-ungarisctie י. Pränumerations-Preis. 3fürO*antorßn u.<EnIiusbeanxfB in Vefirrreich-Angarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjäbrig.fl. 2.— FürLantorrn u.CuItnsbramtr im Ausland Ganzjährig ..... 8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig . ... fl. 6.— Osutral-Organ für die Interessen der Csntorrn und Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Kedartron und Administration Wien II., Novaragasse Nr. 27. Intrrnte werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt.! Abonnementsu. Insrrtionsjj betrüge sind in Wien zahlbar. Nr. II. Wien, 1. Mar 1895. 15. Jahrgang. Zur Gründung des Penssnnsfondes. Ein Wort an die israelitischen Cantoren und Cultusbeamten Oesterreich-Ungarns. * Seit vielen Monaten arbeitet der LZorftand des österr.- ungarischen Cantorenvereines an der Verwirklichung einer bedeutungsvollen That, die wohl gleich bei Gründung des Vereines ins Auge gefasst wurde, doch zufördeift einer gewissen Kräftigung der materiellen und ethischen Vereinsmittel bedurfte, um endlich mit einem festen Programnr der Oeffentlichkeit gegenübertreten zu können. Allerdings, die verehrten Vereinsmitglieder so wie die außerhalb des Vereines stehenden Cantoren würdigten unsere ihnen bekannte und unbekannte Thätigkeit, würdigten die mannigfachen durch den Verein geleisteten Untersuchungen, würdigten so manche musikalisch-fachmännische, das Standesbewusstsein hebende Anregung re.; würdigten Alles und Jedes wie ein abgerungenes Zugeständnis, um endlich mit dem immerwiederkehrenden Refrain zu schließen: ״Ja, das ist Alles sehr schön, allein so lange die jüdischen Cantor en keine P ensi o n s- resp. A ltersv erso rgun g skasse gründen, hat der Verein seine Aufgabe n i ch t g e l ö st." In den mannigfachsten Abstufungen mussten wir dieses vorwurfsvolle Lied anhören. Jeder Cantor, der nach Wien kam, glaubte ein Schir haschirim gesungen zu haben, jeder Cantor, der au uns schrieb, vermeinte einen sensationellen Aufsatz zu veröffentliche׳.!, indem man uns klar legte, dass wir eigentlich die uns durch die Wahl angethanen Ehren nicht so ganz und voll verdienen, weil.und da folgte der oben wiedergegebene Neftain. Ja selbst sogenannte Strebervereinchen schossen plötzlich hervor, um durch rasche, beabsichtigte aber nicht bewerkstelligte Gründung einer Pensionskasse den hohen Herren in Wien zu Gemüthe zu führen, was sie in ihrem Hochmuth und mit ihrer Lässigkeit zu thun verabsäumten, und sogar am Tage der letzten Generalversammlung in Wien stellten sich mehrere Cantoren (Nicht- Mitglieder) an die Spitze einer Bewegung, um uns zu demonstriren, dass wir die Wichügkeit unserer ,Ehrenstellungen gar nicht erfassen, nur mit nichtsbedeutenden Gegenständen — wie z. B. Unterstützungen der Wittwen und-'. Waisen-> bei Todesfällen, Hebung der Standesinteresfen der hohen Behörde gegenüber, wie beispielsweise bei Aufstellung des Gemeindestatutes, in welchem ursprünglich die Cantoren unter dem Allgemeinbegriffe der Religionsdiener subsummirt erschienen und durch unsere Beranlasfung eine spezielle Berücksichtigung erfuhren — oder mit ähnlichen Lappalien uns befassen. Und der Vorstand des österreichisch-ungarischen Cantoren- Vereines, stets geneigt, gestellte Anforderungen Rechnung zu tragen, unternahm es endlich, allerdings nicht dem Andrängen von Außen, sondern der eigenen Ueberzeugung folgend, an die Griindung einer Pensions- oder Altersversorgungskasse zu schreiten. Nach wirklich, mehrwöchentlich anhaltender Arbeit traten wir mit Tausenden von gedruckten Aufforderungen an die Gemeinden, Rabbiner, Cantoren und anderen Cultusbeamten heran und versuchten, die Wichügkeit dieser Gründung als einen eminenten, ja einzig richügen Akt der Selbsthilfe nahezulegen, in der sicheren Erwartung, dass es nach dem vorausgegangenen Andrängen nur einer einfachen Anregung bedarf, um die Cultusbeamten insgesammt wie ein Mann sich erheben zu sehen und der hochwichtigen Gründung beizutreteu. Und was geschah'? — Die Gemeinden, namentlich die bedeutenderen, stellen sich dem Unternehmen sympathisch gegenüber und erklären sich bereit, demselben beizutreten; aber die Cantoren und Cultusbeamten? I —Gerade diese Herren, die ihre Sümmen erheben könnten und sollten, sie schweigen bis ans einen geringen Prozentsatz derselben, nnd zwar sind es wieder nur Angestellte größerer Gemeinden, die ihre Bereitwilligkeit zum Beitritte kund gegeben. Man sollte es wahrhaftig nicht für möglich halten, dass Familienväter, denen doch die Zukunft von Weib und Kind am Herzen liegt, dass Männer, deren eigener Ausblick nach jener Zeit, da die Kräfte erlahmen und die Arbeit ruhen muß, ein umflorter, in den meisten Fällen ein vollständig verhüllter ist, sich einer solch wichtigen Frage gegenüber theilnahmslos verhalten, und trotzdem ist es so. Dem Vorstande des österreichischungarischen Cantorenvereines, beziehungsweise den Collegen, die in Wien leben, wird es mit rührender Eindringlichkeit vor die Seele geführt, dass es ihnen ein Leichtes sei, jährlich einige Gulden auszugeben, deshalb auch eine Kleinigkeit, das ftagliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.