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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-04-01 · Heft 9 (1.4.1895) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 9 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Vesterreichisch-ungarische Lantoren-Ieitnng. Nr. 9. 80LÜNÄ 8LNS emgeleitet-. Nach dem Anzünden des Seelenlichtes hielt Herr Rabbiner Dr. Deutsch ein formvollendete Gedächtensrede, die Las Wirken des Verewigten in der Gemeinde OttaMng mit treffenden.Worten schilderte. Hierauf gelangte ein deutscher Trauerchor ״Ach d e s L e b e n s B l u t h e n falle n" zur Aufführung. Das vorhergehende Solo ״Meine Seele durstet nach Gott", wurde vom 1. Cantor, Herrn M. Sch l e s i u-g e r, wirkungsvoll vorgetragen. Wien. Montag den 25. März hat Obercantor M. S ch o rr vom polnischen Tempel in der Leopoldsgasse zum erstenmale während seiner Amtirung das ״Jom Kipur Koton" mit seinen Meschorerim vorgetragen. Zu diesem Gottesdienste hatten sich außer dem gesammten -Tempelvorstande zahlreiche Gäste eingeftmden, unter denen wir Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch, Rabbiner Dr. Gelb Haus, Obercantor Bauer u. A. bemerkten. Obercantor Schorr wirkte außerordentlich mit seinem Vortrage und seiner prächtigen Stimme. Wimr. Sonntag den 31. d. M. fand unter großer Be- Heiligung das Leichenbegängnis des Herrn Adolf Kaiser, Bruder des Obercantors Rev. Kaiser in Baltimore (Amerika) statt. Der Verblichene war ein Schüler Nestor Sulzer's, widmete sich jedoch später dem Kaufmannsstande und fungirte blos an den hohen Festtagen durch viele Jahre im Musikvereinssaale mit Beifall Änd Akierkennung. Ein tückisches Leiden raffte den kräftigen Mann im Mter von 50 Jahren hinweg. Der Vorstand der Wiener- Cultnsgemeinde ordnete für den Verstorbenen ein Ehrenleicheübegängnis an, bei welchem Obercantor Goldstein die Function in erhebender Weise versah. Prag. Der Statthalter Graf Thur hat zur Pflege der nationalen und confessionellen Duldsamkeit einen Erlass an sämmtliche Schulbehörden in Böhmen gerichtet. Der Passus über die Förderung des confessionellen Friedens hat folgenden Wortlarck: ״Alle Gesetze und Vorschriften, welche die Schulbildung betreffen, legen Gewicht auf die Veredlung des Gemüthes der Schuljugend. Wissen ohne ethische Anschauungen macht ja das Individuum nicht selten zu einem schMichen Mitgliede der Gesellschaft. Der Grimdsatz der Nächstenliebe, durch welchen die Reügiou die Menschheit auf eine höhere Culturstufe gebracht Hai, nmss in der Schule die vollste Beachtung finden, und derselbe hat namentlich auch in der. nationalen und confessionellen Duldsamkeit zmn Ausdrucke zu kommen. In dieser Richtung muss die Erziehung von dein jugendlichen Herzen Jrrthümer fernhalten und in dasselbe jenen Geist der Friedfertigkeit verpflanzen, welcher das Zusammenleben und Zusammenwirken der Menschen ermöglicht und den allgemeinen Fortschritt fördert. Mcht iü der Hingebung an wechselnde Zeitströmungen, sondern in dem Bewusstsein, der Humanität zn dienen, sucht der wahre Pädagog seine Befriedigung. Und. wie weit ist ein Lehrer von feiner Aufgabe entfernt, wenn er bei seinen Schülern Aeußerungen der Zwietracht unbeachtet lässt oder gar selbst den Schülern ein Beispiel der Unverträglichkeit giebt!" Prag. Am. 14. März feierte der durch seine Schriften, Namentlich durch den Roman ״Gabriel", viel bekannte Schriftsteller S. Kohn seinen 70. Geburtstag, bei welcher Gelegenheit chm viele Auszeichnungen zu Theil und mannigfache Ovationen bereitet, wurden.. An dem darauf folgenden Samstag abends veranstaltete der Verein zu Ehren des Jubilars im Hotel Stein ein«: ״K o h n - A b e n d". Nach einer Ansprache des Vereins-Präses wurde dem Jubilar ein Diplom überreicht, laut welchen!. derselbe zum Ehrenmitgliede des Vereines ernannt wurde. Sodann, hielt Herr Rabbiner Dr. Kisch einen Vortrag über Ghettobilder und Ghetto-Schriststeller, welcher in eine schmeichelhafte Ehrung des Jubilars u. seiner Gemalin ausklang. Das hierauf folgende Festmahl nahm einen sehr animirten Verlauf. Wir bemerkten, unter den Anwesenden den Präses der isr. Cultnsgemeinde Prag, Herrn Jur. Dr. Arnold Rosenbacher, Landesabgeordneten und Stadtrath Herr Jur. Dr. Zalud, Herr Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. M. Tauber, Rabbiner Dr. Grün,.Rabbiner Dr. Kaminka. Die drei letzteren Herren sprachen schöne Toaste, wobei sie die Verdienste und Leistungen Kohus hervorhoben. Besonderen Humor entfaltete hiebei Herr. Rabbiner Dr. Grün. PNNg. Am 15. März fand im Wintergarten des Grand Hotels ein Concert des Tauwitz-Vereines statt, bei welchem sich die Tochter unseres Collegen Obercantor Wallerstein als Violin-Virtuosin producirte. Die jugendliche Künstlerin, die bereits wiederholt in öffentlichen Concerten großen? Beifall gefunden hat, wurde diesmal besonders durch stürmische Acclamation und Lorbeerkränze ausgezeichnet. Die Clavierbegleitung versah Herr Obercantor Wallersteinder dem hiesigenmusikalischen Publikum als tüchtiger Musiker bekannt ist. Auch alle übrigen Piecen fanden wohlverdiente fteundliche Aufnahme.. TroppÄU. im März. Der hiesige Synagogen-Chor hat sich nunmehr in seiner letzten Hauptversammlung zu einem Vereine constituirt und nennt sich ״Troppauer-Synagogenchor", der sich selbstredend als erste Aufgabe stellt: die Pflege des Tempelgesanges und die Mitwirkung beim Gottes-/ dien sie. In die Leitung dieses Chores wurde 7 Herren und 3 Frauen gewählt, und zwar die Herren: Ferd. Donnath, Malzfabrikant zum Obmann. Gerichts-Adjunkt Dr. Eckstein, Obmann-Stellvertreter, k. k. Finanz-Comwissär Bach r a ch zum Cassier, k. k. Controlor Oberländer zum Schriftführer, Chemiker R. Schramek zum Archivar, Stud. jur. Jul. Hirsch zum Ordner. Von den Damen wurden gewählt: Frau Obercantor Singermann, Frau Selma Donnath und Frl. Jda Buchbinder. Dirigent des Chores ist Herr Ob er-Cantor Sing er mann. Wir' wünschen diesem edlen Unternehmen vollstes und bestes Gelingen! Budapest. Die Niederstimmung der Juden-Rereptivns- Vorlage im Magnatenhause hat die ganze Erregung des kirchenpolitischen Kampfes wieder wachgerufen. Alle Blätter, mit Ausnähme zweier ausgesprochener clerikäler Organe, verurtheilen die Haltung des Magnatenhauses - aufs Heftigste. Das hässliche Hepp-Hepp-Geschrei, das gestern Markgraf Csaky-Pallavicini ausgestoßen, begegnete einer sehr energischen Abwehr, wenn man auch nirgends gesonnen ist, das antisemitische Debüt des edlen . Grafen ernst zu nehmen. Darin sind alle Blätter einig,, dass die Regierung nichts anderes thun wird, als die beiden Gesetzentwürfe über die Religionsfreiheit sowohl wie über die Judenreception intact und ehestens an das Magnatenhaus zurückzuleiten. Im liberalen Partei-Club ist man entschlossen, das Cabinet hiebei wieder mit aller Entschiedenheit zu unterstützen. Von einer Krise oder auch von einem Nach geben ist nicht die Spur. Der gestrichene Absatz von der Confessionslösigkeit?wird in das.Gesetz wieder eingestellt; die Vorlage über die Recipierung der Juden wird gleich zu Beginn der neuen Session, wahrscheinlich am .2. oder 3. April, im Abgeordnetenhause verhandelt werden, respective zur Annahme gelangen und dann sofort ,wieder an die die Magnatentafel gewiesen werden. Titteratur. ... - Tilnrn-Lrl-Schimurrm. Hagada für die zwei beilig. Scder-Abcnde. Zum S ch u l g e brau ch bearbeitet und mit Erklärungen ,und Erläuterungen versehen von Leopold Buxbaum, cmcr. Rabbiner und Religionslehrer. — Der Verfasser, ein tüchtiger Schulmann, der in Bibel und Talmudwohl versiert ist, hat mit derHcrausgabe seiner Hagada die Hagada selbst rehabilitirt. Kein litnrgisches Buch fordert sozur Kritik heraus wie die Sedcr-Hagada^ und thatsächlich musste sie sich gar oft eine ätzende Kritik gefallen lassen. Dem geehrten Verfasser ist cs nun gelungen, die Ehre unserer lieben Hagada aufs Glänzendste zu retten. Wir verweisen beispielsweise auf löte Anmerkuugcn zn Nabbi Jose aus Galiläa, Nabbi Eliesir und Chad-Gadja,. können aber versichern, dass der Verfasser jedes Anstößige mit scharfem 1 Milk zu beseitigen wusste. Im Texte selbst wurde mit richtigem Verständniße Absatz ״Zehul mad^ (Seite 26) mtt ״Arami owcd owi" geschlossen und mit denselben Worten der nächste Absatz begonnen; desgleichen wird. ganz richtig Absatz ״Dowor acher" (Seite 31) mit ״bemizrajim" geschlossen und mit ״W elu Heu" ein neues Stück begonnen. Die Uebersetzung ist wohl ' thcilwcise eine erweiterte, doch so abgcfasst, dass sie vom Lehrer wie vom? Schüler sehr leicht als eine wörtliche benützt werden kann. Warhaft schön und doch dem Texte getreu sind die Uebcrsetzungcn von ״Kidusch Hävdalah", «Al Achas" (Seite 41) und der Schluß-Beracha (Seite 47.) °Dic zweckmäßige Eintheilung- Zergliederung und Nummcrirung der Absätze ' bietet, wie der Verfasserin seinem Vorworte bemerkt, thatsächlich dem Lehrer; wie dem Schüler große Vortheilc. denn sie ersparen denselben das zeitraubende Aufsuchen. Der hcbr. Text hat hübsch große, die Uebersetzung recht gefällige Typen, und das gattze Büchlein, nett ausgestattet und handlich,? nimmt sich ganz wie ein Schulbuch aus, so dass der Preis von 20 kr., bei der Stärke non 88 .Seiten ein sehr mäßiger ist. Indem wir dem werten

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