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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-03-01 · Heft 6 (1.3.1895) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 6 (1.3.1895)
Date
1895-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung Seite T. Nr. 6. wegen. Wir wissen aber, dass ein derartiges Vorgehen das Wachsthum eher unterdrücken als fördern würde und es ist daher schwer einzusehen, weshalb ein analoges Vorgehen bei der Stimme nicht den gleichen Erfolg haben sollte. Ich fasse meine Ansicht schließlich dahin zusammen, dass außer in den Fällen, in welchen sich der Kehlkopf in einem ungewöhnlichen Reizzustand befindet und die Sttmme ganz übermäßig verändert ist, die Stimmausbildung fortgesetzt werden kann, natürlich nur unter sachverständiger Aufsicht und mit sorgfältiger Vermeidung jeder Ueberanstrengung. Weine Chronik. Wien. 16. Februar. (Gegen die Ausschreitungen der Antisemiten.) Im Verein ״Oesterreichische Union" hielt vor einigen Tagen Dr. Heinrich Sieger einen Vortrag, welcher sich vornehmlich mit der Erörterung der Stellung des Coalitions- Ministeriums zum Antisemitismus und der sich immer mehrenden Ausschreitungen desselben befasste. Nach einer Besprechung der politischen Verhältniße im Allgemeinen und Darstellung der Thätigkeit der Coalitionsregierung gelangte der Redner zur Frage des Antisemitismus. Tausende von Bürgern, sagte er, treue Unterthanen werden von einer wüsten Bande unaufhörlich beleidigt, verhöhnt, beschimpft, verfolgt, verläumdet, in ihrer körperlichen Integrität bedroht. In zahllosen Versammlungen werden die wüstesten Hetzreden gehalten, die wildesten Volksleidenschaften aufgestachelt, Hass und Verfolgungswuth sind in die geheiligten Räume der Schule und Gerichtssäle eingedrungen. (Rufe: Sehr richtig!) Das Wort, welches ein geistvoller Dichter, Gutzkow, seinem Uriel Acosta in den Mund legt, es ist heute ein furchtbar wahres Wort geworden: ״Ihr dürft mir fluchen, denn ich Bin ein Jude." (Rufe: So ist es!) Ein katholischer Priester scheut sich nicht, in der Kirche die schändlichsten Hetzreden über das Judenthum zu halten, durch Schulkinder Schundgedichte Verth eilen zu lassen, um die Bevölkerung gegen die Inden aufzuwühlen. Wie wäre es wohl gewesen, wenn es etwa einem jüdischen Priester eingefallen wäre, im Gotteshause gegen ein anderes Religions-Bekenntnis so zu sprechen? Ein tieftrauriges Bild findet man im Gemeinderathe. An Stelle sachlicher Erörterungen sind wüste Hepp-Hepp-Scenen getreten. In der Schule hat sich leider eine Specialität herausgebildet, der antisemitische Lehrer, der in allen Volksversammlungen in der wüstesten Weise gegen die Juden hetzt und dem die Jugend und mit dieser die Zukunft des Staates anvertraut wird. Wenn man auf den Landtag blickt, sieht man, wie ein edler Priester, Rector Müllner (Beifall), der es gewagt hat, verdienstliche Leistungen jüdischer Lehrer zu erwähnen, mit blutigem Schimpf und Hohn belohnt wird. Und erst in den jüngsten Tagen tritt ein Jndi-- viduum dort auf, welches in seinem ganzen Leben nichts Anderes aufzuweisen vermag, als die Fälschung einer Stampiglie (leb- Hafter Beifall), und wagt es, zu sagen, das gottverfluchte Gefindet, das Judenthum, es muß ausgerottet werden. (Rufe der Entrüstung.) Und nichts ist bisher gegen dieses Treiben geschehen. Redner erklärt schließlich, dass er kein Gesetz gegen den Antisemitismus verlange, sondern nur strenge Beobachtung und Wahrung der bestehenden Staatsgrundgesetze Wien. Der israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein des VIII. Bezirkes (Josefstadt), welcher unter der bewährten Leitung der Präsidentin Frau Johanna Beck steht, veranstaltet am 9. März im Ronachersaäle einen Vortragsabend mit Tanzkränzchen, welcher durch die Reichhaltigkeit des Programmes und die Mitwirkung hervorradender Kunstkräfte ein genußreicher zu werden verspricht. Wien. (Lese- und Unterstützungsv erein ״Libanouia") Am 9. Februar 1895 fand die constituirende Versammlung dieses Vereines statt, zu welcher die Mitbegründer des Vereines, Herr Gemeinderath Dr. Stern, Ethnograph Herr Dr. Kraus, ferner-Herr Jnspector M. Kanitz, Herr Dr. Grün und Herr Dr. Proßnitz, wie auch die Vertreter der jüdischakademischen Verbindungen Kadimah, Unitas^ Gamala, des Theologenvereines, der jüdisch-akademischen Lesehalle erschienen waren. Der Vorsitzende Herr med. vet. Josef, Frey eröffnete um 7 Uhr die Versammlung, indem er die Anwesenden herzlich willkommen hieß und die zahlreich eingelaufenen Briefe und Telegramme zur Verlesung brachte. Bei der hierauf abgehaltenen Wahl erschienen Herr vet. med. Josef Frey zum Obmann, der städt. Thierarzt Heinrich Rosenzweig zum -Obmann-Stellvertreter, die Veterinärmediziner Fleischer nnd Altmann zu Schriftführern, Wohlmuth und Jellinek zu Cassiren, Löwy und Fischer zu Bibliothekaren und Blaustem zum Zeitungswart gewählt. Hierauf ergriff Dr. Stern und nach ihm Jnspector Kanitz das Wort, um das Entstehen des Vereines zu feiern, und ihre schwungvollen Reden waren von nicht endenwollendem Beifall begleitet. Nach Abschluss der Constituirung kündeten die Säbelschlüge den Beginn des Commerses an und als das Gaudeamus verklungen war, ergriff der Präses der Versammlung, med. vet. Herr Josef Frey, das Wort, setzte auseinander, auf welche Weise die ״Libanonia" gegründet wurde und charakterisirte mit treffenden Worten, wie der Verein den derzeit herrschenden Strömungen sein Entstehen verdankte. Er wies hin, dass die Idee der Freiheit nunmehr in der jüdischen Naüon ihre eifrigsten Verfechter finde und dass ein Verein wie die ״Libanonia", der sich für solche Ideen auch der nöthigen Sympathien erfreuen werde. Mit dem Vorträge des vom Schriftführer verfassten ״Zionssanges" schloß der officielle Theil des schönen Festes. F. S. Wien. Am 10. d. M. bereitete uns in seinem zu wohlthätigem Zwecke veranstalteten Concert der bekannte Violinprofessor Herr Max Adler und auch dessen Schüler einen genußreichen Abend. Von dem sehr zahlreich anwesenden Publicum wurden die brillanten Leistungen des Herrn Adler auf seinem Instrumente mit nicht endenwollendem Beifalle ausgezeichnet. Aber nicht minder enthusiastisch wurde das mit wahrem Feuereifer von den Schülern des Herrn Adler gespielte, von diesem arrangierte Ensemble ausgenommen und musste wiederholt werden. Fräulein Köppel erntete mit ihrem Claviecvortrage, die Concertsängerin Frl. Wolska mit Liedern von Tosti rc. sowie der Obercantor Herr PH. Kläger mit einer Arie aus Hans Helling wohlverdienten Beifall, ebenso wie die Herren Nachez und Mr. Jake, deren Vorträge außerordentlich befriedigten. Herr Dr. Deutsch übernahm das Accompagnement und führte dasselbe in ausgezeichneter Weise durch. Wien. Nach einem beifällig aufgenommenen Probevortrage wurde Herr Sigmund Weinstein (Schüler des Obercantor I. Bauer) als Cantor für die ״Schönlatern-Synagoge" acceptirt. Troppau. 15. Februar. Wie seinerzeit in diesem gesch. Blatte berichtet wurde, hat sich unter der Leitung des Obercantors Singermann in unserer Gemeinde ein gemischter Chor gegründet, welcher gegenwärtig aus über 50 Sängern und Sängerinnen besteht. Es wurde über Wunsch des Cultusvorftandes beschlossen, dass dieser Chor beim Purim-Gottesdienstes zum ersten Male Mitwirken soll. Aus Anlass der ersten Production im Tempel veranstaltet der Chor am Purim eine gemüthliche Abendunterhaltung, bei welcher der Gesammtchor, sowie Einzelne Vorträge halten werden. Ins Comite für diese Veranstaltung wurden gewählt die Herren: Dr. Eckstein, Gerichts-Adjunct Dr. Wolf, Dr. Beran, Finanz-Commissär Bachrach. Dr. Geb er, Dr. Treu und Ferd. Donnat. Von den Damen wurden gewählt: Frl. Spitzer, Frl. Blatt, Frl. Buchbinder, Frl. Arnheim und Frl. Blüh. Diese Unterhaltung verspricht sehr schön zu werden und werden schon große Vorbereitungen hiefür getroffen. th. Prestburg. In der am 17. Februar stattgehabten Plenarsitzung des Vorstandes der hiesigen orthodoxen Gemeinde wurde Herr Sigm. Schwarz einstimmig als Obercantor acceptirt. Budapest. Der Direktor der Landesrabbinenschule, Herr Moses Bloch, begierig jüngst unter zahreicher Betheiligung seiner Freunde und Schüler die Feier seines achtzigsten Geburtstages. Der Präsident der israelitischen Landeskanzlei, Herr Martin Schweiger, eröffnete die Reihe der Gratulanten und brachte eine Zuschrift des Kultusministers Julius Wlasfics zur Verlesung, der die Verdienste des Jubilars um die vaterländische Wissenschaft lobend anerkennt. Ihm schloffen sich viele Gratulanten aus Nah und fern an. Zahlreiche Cultusgemeinden des InundAuslandes stellten sich mit ihren telegraphischen Glückwünschen ein.

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