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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-01-21 · Heft 3 (21.1.1895) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 3 (21.1.1895)
Date
1895-01-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3. Seite 7. Mesterreichisch-nngaeische Cantoren-Zeitung Wien. Sonntag, der! 13. d. M. fand im Festsaale des kaufmännischen Vereines ein Schüler-Concert der'Musiks ch n l e M o r i n i statt. Der Saal war von einem kunstsinnigen Publicum gefüllt ltitb jede einzelne Nummer des reichhaltigen Programmes wurde mit vielem wohlverdientem Beifalle aufgenommen. Professor Morini ist als tüchtiger Pädagog und bewährter Musiker bestens bekannt und demzufolge erfreut sich sein Institut auch außerordentlicher Beliebtheit. Die Musikschule befindet sich II., Taborstraße 22 und wird dieselbe unseren Lesern aufs Beste anempfohlen. Wien. Der bekannte Restaurateur I. Köpper hat vor Kurzem die Restauration im ״Hotel Romania", II. Kleine Sperlgasse 5, übernommen. Die streng rituell geführte und trotz mäßiger Preise exquisite Küche, sowie die tadellose Bedienung sind die beste Empfehlung, welche die neue Restauration sich selbst gibt, und es ist darum gewiss zu erwarten, dass der Zuspruch, deren sie sich erfreut, auch für die Dauer anhalten wird. Andrychau. Montag, den 14. d. M., Vormittags 10 Uhr, wurden die irdischen Reste eines der bedeutungsvollsten Männer der Andrychaner Gemeinde zur Erde bestattet. Der nach kurzem Krankenlager im 72. Lebensjahre verstorbene Herr Josef Klappholz, Vater des Herrn Heinrich Klappholz in Wien, war ein Manu von bedeutendem hebräischen Wissen und umfassender sonstiger Bildung. Zn diesen seltenen geistigen Eignungen gesellte sich eine geläuterte, dem Heitern zuneigende Lebensanschauung. eine Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit im socialen Verkehre, die ihm alle Herzen, wie mit Zauberbanden zueigneten. Seine Friedensliebe und Herzensgüte waren in seinem Bekanntenkreise sprichwörtlich geworden. Diese reichen Herzenseigenschaften fanden auch in der geradezu imposanten Betheiligung von Juden und Nichtjuden aus allen Schichten der Bevölkerung am Leichenbegängnis den lebhaftesten Ansdruck. Die Grabrede hielt der Rabbiner und Prediger der Bialaer Cnltus gemeinde, welcher in schwungvollen und tiefempfundenen Worten die Bedeutung Und Menschenfreundlichkeit des Verewigten 311111 Ausdrucke brachte. Möge der thenere Verblichene nun ausruhen von seinem Erdenwallen; die seltene Pietät seiner Kinder, Anverwandten und Bekannten bürgt ihm ein theures Angedenken. 8 ת׳נ׳צ׳ב׳ה. Budapest. Charles Drey fus, ein Sohn des wegen Vaterlandsverrathes verurtheilten französischen Hauptmannes Alfred Dreh fus, hat an einen Bndapester Freund, der früher sein Schulgenösse gewesen, folgenden, im ״Magyar Hirlap" veröffentlichten Brief geschrieben: ״Mülhausen, 5. Jänner 1895. ״Lieber Freund! Deine Theilnahme hat mich tief bewegt und ich danke Dir dafür. In dem schweren Unglück, welches in unserer Ehre und in unserer Rechtschaffenheit uns getroffen, dient die lebhafte Sympathie eines alten Kameraden mir zum großen Tröste. Ich danke Dir dafür, dass Du, obgleich wir schon seit einigen Jahren von einander geschieden, Dich meiner erinnertest, umsomehr, als Du in meinem Unglück mich getröstet hast. Du hast unter diesen Uniständen wieder jenes große Herz, jene große Güte bekundet, welche ich schon in der Schule bei Dir gekannt habe. Jawohl, wir haben jetzt die schmerzlichsten Augenblicke zu durchleben, von welchen menschliches Vorstellnngsvermögen sich überhaupt einen Begriff bilden kann. Man beschuldigt meinen Vater, eine ehrlose Handlung begangen, sein Vaterland verkauft zu haben, einem Motiv nachgebend, welches Niemand bekannt ist. Er ist unschuldig, davon bin ich überzeugt: und es gibt sehr viele kluge Leute, die an seine Schuld nicht glauben können. Glaube mir: sein Leben war stets ein makelloses, seine Handhingen allezeit von tadellosester Rechtlichkeit gekennzeichnet. Und iiun erhebt man gegen ihn die schmählichste Anklage: man will ihm seine Ehre rauben: man feindet ihn an und verfolgt ihn mit unglaublicher Wuth. Man will ihn schuldig sprechen auf Grund einer gar nicht ernst zu nehmenden Anklage: und dies ist seinen Feinden leider auch gelungen. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, einst den wahren Schuldigen zu finden, unseren in ungerechter Weise bemakelten Namen einst zn rehabilitiren und allen niedrigen Verleumdern zu zeigen, dass unsere- Ehre makellos und unberührt ist. Ich reiche Dir die Freundesrechte, danke Dir noch einmal für diese Aenßerung Deiner Freundschaft und versichere Dich wiederholt meiner aufrichtigsten Sympathien. Ich bin glücklich, unsere alte Freundschaft sich erneuern zu sehen, besonders bei einem für mich so schmerzlichen Anlasse: diese Ausmerksamkeit macht Dich nur noch sympathischer, als Du jemals gewesen. Dein aufrichtiger Freund Charles Dreyfu s." Bndnpell (Preisansschreibung der israelitisch-ungarischen litterarischen Gesellschaft in Budapest.) Laut Beschluss des Ausschusses gelangen seitens der genannten Gesellschaft folgende Preisfragen zur Ausschreibung: 1. Die gegenwärtige Verfassung (Organisation) der Judenheit in den europäischen Staaten aus geschichtlicher Grundlage dargestellt und gewürdigt. Die Preisarbeit kann in ungarischer, deutscher, französischer, englischer oder italienischer Sprache abgesasst werden. Nichtungarische Arbeiten werden durch die Litterarische Gesellschaft nur ungarisch heransgegeben, doch steht es dem Verfasser frei, sein Werk nach eigenem Ermessen auch in einer anderen Sprache erscheinen zu lassen. Termin 31. März 1806, Preis 1000 Kronen (5100 Gulden) 2. Die Geschichte irgend einer jüdischen Gemeinde Ungarns in quellenmäßiger, volksthümlicher Darstellung. Die Arbeit soll litterarischen Werth haben und nicht starker als 10 Druckbogen sein: sie ist bis 31. December 1895 in ungarischer Sprache einznreichen. Preis 500 Kronen (250 Gulden). Die von fremder Hand und leserlich geschriebenen, mit einem Motto versehenen Arbeiten sind in Begleitung eines den Namen und Wohnort des Verfassers enthaltenden, verschlossenen Briefes an den Präsideuten der Gesellschaft (derzeit Rabbiner Dr. Samuel Kohn, Budapest, VH., lrollo-u. 4 82.) einzusenden. Arad. Der in allen hiesigen Kreisen hochgeschätzte Chordirektor unserer Gemeinde, Herr Adolf Grü»zweig, begeht am 8. Februar, Sabbath Parschat-Schiroh, das 40 jährige Amtsjnbilänm seiner Wirksamkeit in Arad. Aus diesem Anlasse hat sich bereits ein Festcomits constitnirt. das für den Jubilar mannigfache Ovationen vorbereitet. Die componistische Thätigkeit Grünzweigs hat auch außerhalb seines engeren Wirkungskreises verdiente Anerkennung gefunden, so hat z. B. die Bndapester Akademie für Kunst und Wissenschaft in dem jüngst herausgegebenen Lexicon den Namen Grünzweigs in höchst ehrender Weise erwähnt. Durch diese Anszeichnung fühlte sich auch die Stadt Arad geehrt und die ersten Notablen unserer Stadt haben darum Herrn Grünzweig zu diesem Erfolge gratulirt. Stellenverändernng. Herr Cantor Kurzweil, bisher in Polna, ist wieder nach Salzburg berufen worden, wo er bereits früher fungirte. Pablicaiionen des öfferr.-nniiar. Cantoren-Vereines. Aus der ®cuteinbe T 0 bitschau sind uns durch Herrn Collg. Weiß nachfolgende Geldesspcuden für das abgelaufene Vereinsjahr übcrinitlcit worden: Gemeinde Z fl., Zedokoh 2 fl, Chewra Kadischa 2 fl., Frauen- Verein 2 fl-, die Herren Vorsteher Steinschneider und Salomon Steinschncider je 1 fl, in Summa 11 fl, die wir hicmit dankend veröffentlichen. Die verehrten Mitglieder werden dringendst ersucht, die Jahresbeitrüge etwas pünktlicher einzusenden, da durch die Lässigkeit der Ein- Zahlungen die Bereinscassa kaum ihren Verpflichtungen Nachkommen kann. Die Ausscndung des Aufrufes behufs Gründung einer Pensionscasse wird Ende dieser Woche abgeschlossen und wir ersuchen die geehrten Mitglieder und College!!, uns dann jene Gemeinden und Cultusbeamtcn namhaft zn mache!!, an welche der Aufruf nicht gelangt ist. Der Vor st and des ״Oestcrr. ungar. Cantoren-Vercincs." Den geehrten Collegen, welche so freundlich waren, uns viele Collegen ihrer Nachbargemeinden namhaft zu machen, statten wir unseren besten Dank ab und ersuchen all' Diejenigen, welche uns die Karten noch nicht retour gesendet haben, dies ehestens zu thuu. da wir unser Fachblatt allen Collegen zugänzlich machen wollen. Die Redaction. WV Unsere geehrten Abonnenten werden dringendst ersucht, den Abonnernenisbetrag snr's neue Nuartat umgehend einsenden zu wollen.

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