Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1895)
- Date
- 1895-01-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung Seite 7. werde. Meine Rede war ganz improvisirt. Ein Erfolg würde mich nur freuen: Ich zähle mehr als tausend Schüler, und ich bin wohl überzeugt, dass die meisten mir und meinen Anschauungen treu ergeben sind. Dass diese nun in meinem Sinne wirken und arbeiten, das hoffe und wünsche ich sehnlichst, denn davon verspreche ich mir für die kommende Zeit viel." Brünn. Kürzlich fand die constituirende Sitzung des neugewählten Vorstandes der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde statt. Es waren 14 Vertreter erschienen; gewählt wurden: zum Präses Julius R. v. Gomperz, Stellvertreter k. Rath D. Mandl, zu Obmännern der Sectionen, 11. zw.: Für Cnltus Dr. Hier. Fialla, für Unterricht Med. Dr. Jacob Ehrenstein, für Wohlthätigkeit und Bestattungswesen Hermann Epler, für Finanzangelegenheiten Alois Müller. Sämmtliche Wählen erfolgten mit Stimmeneinhelligkeit und es erklärten die Gewählten, die ihnen übertragenen Mandate anzunehmen. Prag. Die vorletzte Nummer der Cantoren-Zeitung brachte einen Bericht anlässlich der Jubilüums-Feier des Chordirectors Herrn Rubin, welcher die Biographie des Jubilars*) so ausführlich, und das Verhältnis desselben zu den Cantoren in so treffender Weise schilderte, dass es überflüßig erscheinen dürfte, diese einer weiteren Besprechung zu unterziehen. Jedoch muß es Jedem auffallend erscheinen, in demselben Berichte dasjenige zu vermissen, welches geeignet sei der Feier die eigentliche Weihe zu verleihen, ihr den Stempel der Würde aufzudrücken, und das ist der Verlauf derselben beim Gottesdienste im Tempel; diesen zu skizziren will ich als Ergänzung zu jenem Berichte, in gedrängter Kürze mit diesen Zeilen mir erlauben. Am Freitag Abend fand in dem großen Tempel, in welchem der Jubilar seit 25 Jahren im Dienste Gottes steht zu Ehren desselben ein sollener Gottesdienst statt, welcher wegen Aufführung ausschließlich Rubinischer Gesänge ein ״Rubin-Freitag-Abend" genannt werden darf, ebenso wurden beim Morgengottesdienste nur Rubinische Gesänge zur Aufführung gebracht. Außerdem wurde der Jubilar als ״Sclielisclii“ hoch zur Thora gerufen, bei welcher Gelegenheit unser allgemein geliebter und hochgeachteter Obercantor Herr Mor einen. entsprechend dieser Feier eigens verfassten מי שברך in sehr würdiger Weise vortrug, der bei der ganzen Kestversammlung einen sichtlichen Eindruck hervorrief. Dem Jubilar wurden nach dem Gottesdienste viele Glückwünsche von allen Seiten entgegengebracht, ebenso erwarteten ihm zu Hause viele eingelangte Gratulationen von Nah und Fern. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass Herr Mor bei dieser Feier mit seinen höchst würdigen und künstlerischen Vortrag sich selber übertraf, und wusste er auch seine noch jugendlich wohlklingende Stimme zur vollen Geltung zu bringen. Budapest. In Abanj-SzLnto ist dieser Tage der Ksrer jüdische Privatlehrer Hermann Wäldmann eines plötzlichen Todes gestorben. Der arme Lehrer war einer der Helden der Schlacht von Custozza und für seine damals geleistete Heldenthat hatte sein — Hauptmann die goldene Tapferkeitsmedaille erhalten. Waldmann, der als junger Freiwilliger an dem ungarischen Freiheitskampfe theilgenommen hatte, wurde nach der Niederwerfung desselben in die kaiserliche Arme als ״gemeiner" Artillerist eingereiht. In der Schlacht von Custozza war er als Wache bei einer an einem abgelegenen Waldessaume stehenden Batterie postirt, während die Mannschaft und die Officiere — da weit und breit vom Feinde keine Spur war — drinn im kühlen Walde Rast hielten. Plötzlich kam eine große Truppe feindlicher Reiterei herangesprengt, die durch den Wald dem österreichischen Lager in den Rücken fallen wollte. Waldmann hatte keine Zeit mehr, seine Kameraden herbeizurufen. Einer Eingebung des Augenblickes fylgend, feuerte er in raschem Aufeinander sämmtliche Geschütze der 'Batterie ab, wodurch in den Reihen des Feindes große Verwirrung entstand, da es auch viele Todte gab. Die *) Die in der Biographie enthaltene Bemerkung, dass Rubin nach Uebernahme des Chores im neuen Tempel auch noch die Leitung der Meiselsynagoge behielt, vcranlasste in voriger Nummer eine Berichtigung, und auch diese Woche erhielten wir eine solche von Herrn Rubin, sowie dem Einsender obiger Corrclpondcnz. Wir erachten jedoch sämmtliche für überflüßig durch die Erklärung, dass die Redaction, von welcher bewusster Artikel ausgieng, es als bekannt voraussetzte, dass nach Anstellung des Obercantor Wallerstein, diesem die Leitung des Chores übertragen wurde. Die Redaction. Mannschaft der Batterie stürzte aus dem Walde hervor und rasch ließ der Hauptmann noch einmal auf die feindliche Reiterei feuern, welche dadurch in die Flucht gejagt wurde. Nach der Schlacht erhielt, wie erwähnt, der Hauptmann die Tapserkeits- Medaille. Die Belohnung Waldmann's, über die er, nebenbei bemerkt, sehr erfreut war, bestand darin, dass er nach der Schlacht aus dem Militärdienste entlassen wurde. Temesvar. Am vergangenen Freitag fand im Hause des Herrn Gersou Lifschitz, Obercantor der hiesigen orthodoxen Gemeinde die Brith-Milah seines neugeborenen Söhnchens statt, bei welcher die Gemeinderepräsentanz mit dem Präses Consul Josef Schwimmer, Herr Dr. Fischhoff, Rabbinatsassessor Löwinger, sowie sämmtliche hiesige Collegen der Bal-Brith als Gäste theilnahmen. Zu der besonders animirten Stimnmng trugen namentlich die Cantor-Collegen bei. Nach einer schönen Ansprache des Präses Consul Schwimmer recitirte Obercantor Sonntag das Tischgebet: Cantor Spitzkopf brachte einen Toast aus auf Obercantor Sonntag und nachher folgten einige mit Begeisterung ausgenommene Gesangsvorträge. In Gemeinden, wo mehrere Collegen wirken, kann man sich ein Beispiel nehmen von der besonderen Eintracht, die hier unter den Cantoren herrscht. Harnvnna. Unserem beliebten Cantor, Herrn Eisenberger, wurde anlässlich seiner außerordentlich gelungenen Function an dem verflossenen Chanukafeste eine schöne lieberraschung zu Theil. Auf Anregung einiger angesehener Gemeinde- Mitglieder wurde ihm eine silberne Menorah überreicht und hiebei die Anerkennung der Gemeinde ausgedrückt. Nagy-Surüny. Dieser Tage starb der Rabbiner Philipp Plant, der" in orthodoxen Kreisen als Autorität galt. Der nunmehr verstorbene hatte schon vor Jahren, da die Suranyer israelitische Gemeinde keinen eigenen Friedhof besitzt, eine Ruhestälte im Neutraer israelitischen Friedhose für sich erworben. Die Surünyer israelitische Gemeinde wollte aber ihren Rabbiner nicht in der Fremde bestattet wissen und frag bei hervorragenden orthodoxen Rabbinen an, ob der letzte Willen des Verstorbenen unbedingt eingehalten werden müsse, und als sie eine günstige Antwort erhielt, kaufte sie in Suräny einen Acker zu einem neuen Friedhofe und bestattete dort als Ersten ihren Rabbiner. Das Leichenbegängnis hatte aber auch ein eigenthümliches Nachspiel. Fünfzig der zurückkehrenden Tranergäste verrichteten am 27. v. M. Abends im Wartesaale der Station Totmegyer ein öffentliches Abendgebet mit einem Vorbeter, wie im Tempel laut singend. Der Stationschef verbat sich dies und als die Betenden die Mahnung nicht beherzigten, ließ er durch zwanzig Arbeiter die Betenden auseinanderjagen, wo es zu einer Keilerei kam. Sowohl die Betenden als auch der Stationschse erstatteten die Anzeige. Magdeburg» 1. Jänner. Die ״Israelitische Wochenschrift" (Herausgeber Rabbiner Dr. Rahmer) hat zu erscheinen ausgehört. New-Hork. Im Atter von 74 Jahren starb in Detroit, Mich., Herr Rüben Mendelsohn, einer der geachtesten Israeliten der Stadt. — Bei einem Brande im Wohnhause des Rabbiners Salomon Beckermann in Cleveland, A., fanden die 13-jährige Tochter Bertha und die 10-jührige Tochter Martha den Tod in den Flammen. — Der bisherige Dirigent des Germania- Männerchores in Baltimors, Professor Dav. Melamet, hat resignirt. Wie es heißt, haben ihm gewisse Mitglieder des Chores das Leben schwer gemacht, weil er ein Jude ist. Briefkasten drr Kedaciion. G. in L. Die Stelle ist noch nicht besetzt. dt. in K. Bestätige den Empfang des Betrages. K. in Ve. und B. in Wo. Zur Anschaffung der ״Chalofim" empfehlen wir ihnen bestens die Fabrik Bertholdi (Siche Inserat). C. in Bl. Das Handbuch für isr. Cultusbeamte vom Cantor Münz ist sehr geeignet und empfehlenswerth. B. in T. Ml. Bitte sich wegen Anschaffung von Ornaten an die bestbekannte Firma M. Salzberg I., Flcischmarkt 9 vertrauensvoll zu wenden. Die geehrten Herren Collegen werden höstichst ersucht, rurs aus beiliegende Karte, welche mit einer 2 Kr.-Marke zu versehen ist. die Namen von Cantoren und Cultnsbeamten ihrer Nachbargemeinde, nebst genauer Angabe der Adresse michutheilen. Gleichzeitig wollen Sie gefälligst aus derselben Karte angeben, ob Sie dir fernere Zusendung unseres Blattes wünschen. Die Administration.