Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-01-01 · Heft 1 (1.1.1895) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 1 (1.1.1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453335-3453336--4179-3458612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 1. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung Seite-?. Meine Chronik. Wien. Anlässlich der Jahrzeit seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Salomon Spitzer s. A. wurde im Beth-hamidrasch der ״Schiffschule" eine Gedächtnisfeier abgehalten, an welcher ein zahlreiches distinguirtes Publikum, sowie der gesammte Vorstand und die Functionäre der,Schiffschnte theilnahmen. Um 6 Uhr bestieg Herr Rabbiner Kohn die Kanzel und hielt einen geistreichen Vortrag in Abhandlung einer Halacha. der eine volle Stunde währte, hierauf einen agadischen Vortrag ansgehend von der Halacha hadlokoh. ausseh mizwoh, die Pflicht des Anzündens der Channkalichter, diesmal aber auch das An- Zünden des Jahrzeitlichtes für Rabbiner Spitzer erläuternd. Redner hob hervor, wie der Verewigte das Licht der Thora, das in ihm verkörpert war, in den Herzen der Jehudim entzündet hat, feierte die Verdienste desselben und schloß npch einem Hinweis auf den Verein ״Jessode Hathorak״ mit dem Wunsche, das Licht des Verewigten möge fort leuchten madlikin miner le’ner, damit dasselbe eine Quelle des Lichtes und der Begeisterung für Andere bleibe. Mit dem Maariw-Gebet endete die würdige Feier, und die Begeisterung des Publikums über den gehörten Vortrag war eine uugetheilte und außerordentliche. Prag. Am 22. Dezember, anlässlich des 25-jährigen Bestandes des Vereines zur Unterstützung armer isr. Kinder ,,Chauuka", veranstaltete der Vereins-Vorstand im Convictsaale einen Jubiläums-Festabend, welcher durch fein reiches und ausgewühltes Programm ein zahlreiches distinguirtes Publikum heranzog und wegen seines sensationellen Erfolges allen Theiluehmeru noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Mit einer von großem Beifall begleiteten Ansprache des Vereins- Präses, Herrn Jacob B. Brand eis, in welcher derselbe eine chronologische Skizze über die Wirksamkeit des Vereines entwarf und der verstorbenen Mitglieder, Gönner und Förderer des Vereines ehrend gedachte, wurde die Feier eröffnet, worauf der Sänger-Verein ״Tauwitz" unter Leitung seines Chormeisters Professor Josef Frey er die ״Ehre Gottes" von Beethoven mit gewohnter Meisterschaft zum Vortrag brachte. Sodann hielt Sr. Ehrwürden, Herr Ober-Rabbiner Dr. N. Ehrenfeld, in der ihm eigenen, meisterhaften Weife die Festrede, welche eine mächtige Wirkung auf die Fest-Versammlung übte. Die Ehrung Gottes durch die Menschen zum Ausgangspunkte nehmend, schilderte Redner die Bedeutung des Festes, die Entstehung und den Entwicklungsgang dieses Humanitären Vereines, und mit einer Anspielung ans die 8 Channkalichter widmete er jenen 8 Personen, welche in edelster Weise diesen Verein im Jahre 1869 gegründet haben, einen ebenso dankbaren als ehrenden Nachruf. Die zweite Abtheilung des Programmes bot eine Fülle musikalischer und declamatorischer Vorträge, die von dem Gefchwisterpaare Melanie und Poldi S p i e l m a n n, abwechselnd mit einigen dazwischen vorgetragenen Chören, mit großem Erfolge, und unter brausendem Beifall zu Gehör gebracht wurden. Die kleine Melanie ist trotz ihrer 8 Jahre schon Mitglied des Wiener Hofburgtheaters und entzückte mit der Declamation einiger Gedichte. Ebenso wusste sich der 12 jährige Ctaviervirtnose Poldi Spielmann, der seine Ausbildung auf Kosten der Erzherzogin Valerie erhält und dem alljährlich die hohe Ehre zu Theil wird, Proben seiner Fortschritte vor dem Allerhöchsten Hofe abznlegen, durch fein künstlerisches Spiel stürmischen Aplaus zu erringen.Nach Schluß des Festabends fand mit Ausschluß der Oeffentlichkeit, nur in Gegenwart des Vorstandes und Damencomitäs, die Betheilung statt. Schließlich sei noch erwähnt, dass unter jenen Herren, die sich um die Verherrlichung des jeweiligen Festabende verdient gemacht haben, auch Herr Moritz Pereles, Ober-Cantor s. A., durch gesangliche Vorträge und Herr. Rubin durch Leitung der Chöre, in der dem Programme beigedrucktem statistischen und chronologischen Uebersicht des Vereines angeführt sind. Prag, 25. Dezember. Sehr geehrter Herr Redacteur! Bezugnehmend auf den in der letzten Nummer (Nr. 30) Ihres geschätzten Blattes erschienenen Artikel, anlässlich des Rubin- Jubiläums, erlaube ich mir, ohne irgendwie die Verdienste des Herrn Chordirectors Rubin schmälern zu wollen, als Aufklärung zu constatiren, dass seit dem Momente, wo ich das Amt des Obercantors, Regenschori und Synagogencomponisten (Ende September 1870) vor nahezu 25 Jahren in. der Meiselfynagoge antrat, Herr Rubin diesem Synagogenverbande nicht mehr angehört. Indem ich um gefällige Veröffentlichung dieser Zeilen in Ihrem geschützten Blatte freundlichst bitte, zeichne in voller Hochachtung Obercantor Moritz Wallersteirr. Tropzmu, 22. December. (Chanukafest.) Wie alljährlich wurde auch Heuer von der israel. Volksschule ein Chanukafest veranstaltet, welches von den voraugegangenen dadurch sich auszeichnete, dass nicht nur die Schüler der hiesigen jüdischen Volksschule sondern auch sümmtliche Schüler und Schülerinnen der Bürgerschulen daran theilnahmen. Die Feierlichkeit wurde durch eine schöne Ansprache des Herrn Oberlehrers Blatt eingeleitet, in welcher er die Bedeutung des Channkafestes erklärte. Hierauf zündete ein Chorknabe (Schüler der dritten Bürgerschulclasse) das Chanukalicht an. Die Absingung der Segensprüche durch denselben wurde vom Harmonium begleitet, hieran schlossen sich zweistimmige Chöre mit Ctavier- und Harmoniumbegleitung, gesungen von sämmtlichen Schülern und Schülerinnen unter der Leitung des Gesangslehrers Herrn Obercantor Singer m a n n. Einige recht sinnreiche und schöne Gedichte von Schülern und Schülerinnen, sowie die hierauf folgenden Gesangsvocträge fanden den lebhaftesten Beifall der zahlreich erschienenen Gäste. Zum Schlüsse stimmten die Schüler, nach einer nochmaligen Ansprache des Oberlehrers, die Volkshymne an. lind nun folgte die eigentliche Freude der Kinder. Es wurden reichliche Geschenke, vollständige Bekleidungsstücke an sümmtliche arme Kinder, sowie Düten mit verschiedenen ״schönen Sachen" au sümmtliche Schüler vertheilt. Xemlimt, 22. Dezember. Die polnischen Blätter treten sehr energisch gegen das zügellose Treiben der Antisemiten im Abgeordnetenhause ans und betonen, dass die Christlich-Socialen a la Lueger mehr zum Socialismus als zum Christenthume Hinneigen, denn das Christenthum erlege vor allem die Berpflichtnng auf, die Wahrheit zu sagen und nicht etwa durch! allerhand Verleumdungen die Nächstenliebe zu bethütigen. Sogar clericale Polenblätter, wieder ״Przeglond", drücken ihr Befremden darüber aus. dass Dr. Lueger, dessen ganze parlamentarische Laufbahn sich aus einer Reihe schwerwiegender moralischer Niederlagen zusammensetzt, noch immer seiner Vorstadtclientel zu imponiren vermag. — Der Reichsraths-Abgeordnete Dr. Byk war heute hier bei seiner Rückkehr ans Wien Gegenstand einer herzlichen Ovation. Auf dem Bahnhofe wurde er von Ab- Ordnungen der israelitischen Handwerker, zahlreichen Studenten und hervorragenden Persönlichkeiten unter Führung des Landtagsabgeordneten Dr. Goldmann erwartet, welche ihrem Danke und ihrer Anerkennung für das wirksame Eingreifen Byk's in die Debatte über das Gesetz, betreffend die Sonntagsruhe, entsprechenden Ausdruck gaben. London, 28. Dezember. Der Correspondent des ״Jewish Chronicle" erklärte, von einer Person, welche großen Einfluss auf die Politik Russlands habe, die Versicherung erhalten zu haben, die Israeliten Westeuropas würden, wenn sie Geduld übten, finden, dass die Rathgeber des Kaisers von Rußland geneigt feien, den Wünschen der russischen Israeliten in hochherziger Weise zu willfahren. In dem letzten Jahre seien dertrauliche Befehle ertheilt worden, um die strenge Handhabung der Oppresfiv-Gesetze zu modifiziren, und man denke daran, die weitgehendsten Concessionen zu machen. Neivyork. Unter den auf dem ״Berg" wohnenden russischen Israeliten ist eine Bewegung im Gang, nach Rußland znrückznkehren, falls der neue Zar, der den Juden mehr geneigt sein soll, als sein Vater es war, die Erlaubnis dazu ertheilt. Der russische Consnl wurde um Auskunft darüber befragt. — ״In diesen heiligen Hallen" — kennt man den Antisemitismns nicht. Da wird in Brooklyn eine Ausstellung von der protestantischen Episcopal-Kirche ״Of the Epiphany" abgehalten und 100 Puppen nebst anderen Spielsachen sollen jenem Waisen- Haus zugewiesen werden, das die höchste Stimmenzahl auf sich vereinigt — und mit Hilfe der Stimmen guter Protestanten fielen die Spielsachen dem jüdischen Waisenhaus mit einer Majorität von 700 Stimmen zu.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.