Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-12-21 · Heft 30 (21.12.1894) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 30 (21.12.1894)
Date
1894-12-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453304-3453334--4169-3458602
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 30. Gesterrerchisch-ungarische Lantoren-Zeitung Seite 7. "schäften weiter ausbilden, die schlechten im Keime zerstören kann. Unnachsichtig im Entdecken und Verbessern der Fehler, darf er 'diese Aufgabe doch nicht in einer rauhen und verletzenden Weise üben. Letztere Bemerkung scheint nicht überflüssig, da es viele gewissenhafte Lehrer giebt, die die Fehler ihrer Schüler grausam wie Todfeinde hassen. Ich selbst hatte mehrfach Gelegenheit, t)ie üble Wirkung dieser Unterofficiersmanieren auf empfindliche Maturen zu beobachten. Ich habe Pattenten in Behandlung bekommen, die vollständig die Macht über ihre Stimme verloren Hatten, nicht infolge irgend einer Krankheit, sondern nur durch die nervöse Erregung, in welche sie ein polternder, unliebenswürdiger Lehrer versetzt hatte. Es ist gerade so, als ob man -eine Uhr, die nicht ganz präcise geht, fortwährend stößt und -schüttelt. Das Nervensystem, besonders der Frauen, ist viel -empfindlicher als der feinste Mechanismus und versagt vollkommen seine Dienste, wenn es rauh behandelt wird. Meine Chronik. Wien. Die Vorarbeiten für den Pensionsfond des österr.- Ungar. Cantorenvereines sind nunmehr abgeschlossen. In der Donnerstag, den 20. d. M. stattgehabten engeren Vorstandsfitzung wurde nach einem umfassenden Vortrage des Vereinssecretärs die Basis, auf welcher die Pensionscasse gegründet werden soll, endgiltig festgestellt und die Aussendung eines Aufrufes an die israelitischen Cultusgemeinden und die gesummte Collegenschaft beschlossen. Das Elaborat wird in den nächsten Tagen der Plenarsitzung vorgelegt und dann wird sofort die Propaganda für den Beitritt ausgenommen. Wien. Das nunmehr im Abgeordnetenhause angenommene «Gesetz über die ״Sonntagsruhe" hat über Antrag des Abgeordneten Dr. Byk zu Gunsten der zahlreichen jüdischen Gewerbetreibenden in Galizien und der Bukowina eine hochwichtige Ergänzung erhalten. Die frommgläubigen Juden daselbst werden uicht gezwungen sein, zwei Tage in der Woche die Arbeit ruhen zu lassen, da in das erwähnte Gesetz nachfolgende Bestimmung eingeschaltet wurde: ״Die politischen Landesbehörden in Galizien und der Bukowina sind ermächtigt, für ihr Verwaltungsgebiet oder Theile desselben die Arbeit in Productionsgewerben am Sonntag unter der Voraussetzung zu gestatten, dass die betreffenden Gewerbsinhaber und deren sämmtliche Hilfsarbeiter mit Berücksichtigung ihrer Confession an einem anderen Tage der Woche regelmäßig eine 24-stündige Arbeitsruhe einhalten und diese Arbeiten nicht öffentlich vornehmen." Der ursprüngliche Antrag, diese Begünstigung auf alle Krön- Länder auszudehnen, wurde nicht angenommen, und die Juden im übrigen Theile des Reiches befinden sich somit gegen ihre Glaubensgenossen in Galizien diesbezüglich im Nachtheil. Wien. In Anwesenheit eines überaus zahlreichen distinguirten Publicums aus den vornehmsten Kreisen der Wiener Gesellschaft, sowie der Finanz- und Kunstwelt fand Sonntag, den 16. d. M. im türkischen Tempel die Trauung des Fräulein Charlotte Elias, Tochter des bekannten Chefs des Groß- Handlungshauses A. H. Elias, mit Herrn Felix Stiaßny, Sohn des Großindustriellen Wilhelm Stiaßny, statt. Unter den Trauungsgästen bemerkte man die Herren Ritter v. Olschbauer, Baurath Süaßny, Kammerrath Vogel, Polizeirath Frankl, Cultusvorsteher Salo Kohn, Bethausvorsteher Stiaßny, die Hofopernsänger Schrötter und Felix, Banquier S. Geiringer, Fabrikant Fröhlich u. v. A. Unter Orgel und Harfenklang zog der Brautzug, geführt von den beiden Vorstehern Marcus M. Russo und Licco I. Adutt, in das im vollen Lichterglanz strahlende Gotteshaus ein. Obercantor Bauer stimmte einen vom Onkel der Braut, dem bekannten Musiker Herrn Heinrich Elias, conrponirten, höchst effektvollen Ma-towu an, der von dem unter der trefflichen Leitung des Chordirigenten I. Löwit stehenden verstärkten Chor geradezu glänzend ausgeführt wurde. Die Leistungen sämmtlicher Functionäre wurden allgemein bewundert. Den Trauungsact vollzogen Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann und Herr Rabbiner M. Papo. Der Erstere hielt eine deutsche, der Letztere eine spanische Trauungsrede. Nachdem der Trauungsact vollzogen war, wurde die türkische Hymne angeftimmt, womit die selten schöne Hochzeitsfeierlichkeit ihren Abschluss fand. Wien. Zn Folge einer Meinungsverschiedenheit ist Herr Rabbiner W. Reich aus Baden aus dem Redactionsverbande der Wochenschrift ״Reichsbote" ausgetreten. Diese Zeitschrift, deren verantwortlicher Leiter seit Mitte October Dr. L. Gold- Hammer ist, dürfte überhauptzu erscheinen aufhören, und Rabbiner Reich beabsichtigt, die Talmudübersetzung selbständig fortzusühren, u. zw. in einer ״talmudisch wissenschasfentlichen Monatsschrift", die ausschließlich diesem Zwecke dienen soll. HollesAzau. Am 16. d. M. wurde Herr Adolf Braunfeld nach achtjähriger Amtsthätigkeit als Cantor und Secretär der Holleschauer Cultusgemeinde definitiv angestellt. Holleschau, eine allgemein bekannte, altehrwürdige und humane Gemeinde, bezahlt gegenwärtig jährliche Ruhegenüsse an Herrn Marcus Jokel, emer. Secretär 550 fl. nebst freier Wohnung; an Herrn Simon Nußbaum, emer. Cantor 300 fl.; an Herrn Abraham L. Wolf, emer. Tempeldieuer 250 fl. und an Frau CH. Wolf, Assessorswitwe 100 fl. Möge die Holleschauer Cultusgemeinde allen Provinzgemeinden zum Muster dienen, mögen aber auch die Herren Cultusbeamten bestrebt sein, sich durch Pflichttreue, Pünktlichkeit im Amte und tadelloses Verhalten die Zufriedenheit und die Achtung ihrer Gemeinde zu erwerben, dann wird die gebührende Anerkennung gewiss nicht ausbleiben. PrrHburg. Sonntag, den 16. Dezember fand hier die feierliche Setzung des Grabsteines für den Rabbiner Salomo» Spitzer דל unter Anwesenheit des hiesigen Präses I. Wolf und der übrigen Vorstandsmitglieder, sowie des Gesammtvorstandes der ״Schiff-Synagoge" aus Wien statt. Am Grabe hielt der Schwiegersohn des Verblichenen, Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner I. B. Kohn, eine tiefempfundene Rede, welche aus alle Anwesenden einen erhebenden Eindruck übte. Es dürste in kurzer Zeit die Ernennung des Herrn Rabbiner Kohn als würdigen Nachfolgers seines Schwiegervaters erfolgen. Zum Schlüße recitirte Herr Cantor Wittmann von der ״Schffffchul" das ״LI mole rachamim•‘ mit tiefer Empfindung. Kornorn. Unser allbeliebter Obercantor, Herr Kurzmann, der schon zu wiederholten Malen seine schöne Stimme in den Dienst der Humanitären Institutionen unserer Stadt gestellt hat, hat sich neuerdings durch das am 1. d. M. vom Sängervereine zu wohlthätigem Zwecke veranstaltete Concert den Dank und die Anerkennung aller Mitbürger erworben. Der Sängerverein zählt zahlreiche christliche und jüdische Bürger als Mitglieder und wurde von Kurzmann gegründet. Petersburg. Der Czar hat angeordnet, dass die Durchführung aller in der letzten Zeit verfügten, jedoch noch nicht vollzogenen Ausweisungen von Juden aus Orten, die außerhalb ihres Aufenthaltsrayons liegen, sowie aus Orten in der Nähe der Grenze zu unterbleiben habe. Des Ferneren soll der Czar der Intention Ausdruck gegeben haben, die Einschränkung der Anzahl der jüdischen Studirenden au russischen Hochschulen aus fünf Percent der Gesammtzahl der Studirenden auszuheden. Drukfehler-Berichligung. In voriger Nummer hat sich in der Ueberschrift des zweiten Artikels, Seite 2, ein unliebsamer Druckfehler eingeschlichen. Start ״Das fünfundzwanzigjährige Regierungs-Jubiläum" soll es daselbst richtig heißen: ״Das fünfzigjährige Negierungs- Jubiläum." Cvrresxondrnz der Kedaction. S. S. 25. Als Seelsorger genießen Sie dieselbe Begünstigung wie die christlichen Religionsdiener und ist dieselbe alljährlich bei der politischen Behörde geltend zu machen. Ausführliches darüber finden Sie im Wehrgefetze vom 11. April 1889 sowie in der hiezu gehörigen Verordnung des Ministerillins für Landesvertheidignng vom 15. April 1889. . . Die Nedaction.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.