Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 27 (21.11.1894)
- Date
- 1894-11-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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2?v (!)esterreichisch-mr^rilche CcrntoreitfSfcitunq Seite 7. dass dem׳ großen Publicum, welches׳ nvch^ Interesse ׳für eine solch' seltene Erscheinung hat, Gelegenheit gegeben werde,' dieses berühmte .״Chasendel" in einer großen Synagoge zu Horen. Prag. Am 25. December d. I. wird Herr David Rubin seill 25jähxjges Jubiläum als Regenschori am neuen israelitischen Tempel in" Prag begehen. Für diesen Anlass werden von den Feunden, Verehrern und Schülern׳ des׳ Jubilars mannigfache Ovationen vorbereitet. Tl.-Kanizsa. Sonntag, am 11. d. fand die Trauung des Fräulein Jda Kartschmaroff, Tochter unseres hochgeschätzten Obercantors Herrn Leo Kartschmaroff, mit Herrn Adolf Zerner aus Wien, ünter ungewöhnlich großer Berheiligung der hiesigen Bevölkerung im hiesigen festlich beleuchteten und geschmackvoll decorirten israelitischen .CultustemPel, der die Besuchenden kaum fassen konnte, statt. Der gesainmte zweiunddreißiggliedrige Vorstand mit dem Herren Präsidenten königl. Rath Vilmos Gutmann oe Gelse und Vicepräsidenten königl. Commerzienrath Eduard Hirschel an der Spitze, der Ausschuß des Frauenvereines mit der Präsidentin Frau Hedwig Vidor, geborene Gutmaun de Gelse, wie auch hohe Gerichts- und Magistratsherrn, mehrere Miltärs en Parade, , bildeten einen schönen, erhebenden Anblick. Rach einem weihevoll gespielten Orgel-Präludium executirte der Brautvater in gehobenster Stimmung das Mah-tauwo-Gebet unter Assistenz des trefflich geschulten gemischten Chores, worauf das Bedecken der Braut und das'Absingen des Mi-Adir erfolgte. Hierauf bestieg unser^ allverehrter Prediger, Herr Oberrabbiner Dr. Ed. Neumann, die Kanzel und hielt eine vom Herzen kommende zum Herzen sprechende, warm empfundene Ansprache an das Brautpaar, anknüpfend an den Satz des verlesenen Wochen-Abschnittes : ״We-hejeh b’rochoh.'•‘, und schüttete einen Füllhorn von Segnungen in geistreichster Weise über das Brautpaar aus, was umso größeren Widerhall in allen Herzen fand, als die ganze Familie Kartschmaroff sich der ungetheiltesten Sympathien der ganzen Stadt erfreut. Am allermeisten zündete der Redner, als er von der 30-jährigen Amtsthätigkeit und den Verdiensten des ״Freudenvaters" um die Hebung und Veredelung unseres mustrgiltigen Gottesdienstes, .sprach. ׳ Die mit besonderer Verve voregetragenen scb.ewa b’rocbaus mit dem Nsbsrob-Schluss, worauf der Hochzeitsmarsch Mendelssohns vom tüchtigen Organisten Herrn Max Pollak vorgetragen wurde, bildeten ein unvergessliches Ensemble in fröhlicher und zugleich rührendster Stimmung. Und so haben wir einen schönen Tag in der Nagy-Kanizsaer israelitischen Gemeinde zu verzeichnen, der damit seinen würdigen Abschluß fand, dass außer namhaften Privatgeschenken die Vertreter des Gemeinde-Vorstandes ein Silbergeschenk von rund 500 fl. und der Ausschuß des.Frauen- Vereines ein prachtvolles Silber-Theeservice überreichten. Die Hochzeit wurde im engsten Familienkreise gefeiert, da das Brautpaar noch vor dem Hochzeitsmahle seine Reise antrat. Nriv-Hork. Eine musikalische Frau. A.: Finden Sie nicht auch, dass die Frau des Schneidermeisters Häppchen das reine Müsikgenie ist? B.: Die — ich wüsste nicht. A.: Nun, im Hause spielt sie die erste Violine, will ihr Mann ein Wörtchen mitreden, so flötet sie ihm etwas oder trompetet ihm auch die Ohren voll und jagt ihn so in's Bocks- Horn. Stets lässt sie ihn nach ihrer Pfeife im Tacte tanzen und hält ihm jeden Abend eine Standp a u k e. Sie rührt für das Geschäft die Reklamet r o m m e l. Ihre Stimme ist schon von dem vielen Reden der reine Baß geworden, und wenn sie sovor Aerger z i t h e r t, kommt es ihr gar nicht darauf an, ihm auch ein Becken an den Kopf zu werfen oder ihm den Rücken nach N o t e n' zu g e i g e n. Nur das Trübsalb lasen überlässt sie ihm. Mteratur. Grabreden von Oberrabbiner Dr. M. Güdemänn. Im Verlage von Älfted Hölder in Wien ist eine Sammlung von Grabreden erschienen, die׳ Herr-Oberrabbiner Dr, Güdemänn während der letzten 25 Jahre an den Bahren horvorragender Männer und Frauen der. Wiener Cultusgemeinde gehalten hat.. Die Sammlung, welche der geistreiche Redner dem Andenken seiner Anfang dieses Jahres Heimgegangenen Gattin widmete, muß jedem Leser ein doppeltes Interesse abgewinnen. Es ist zumeist leichter.; eine großangelegte Kanzelredc zu verfassen, als im Angesichte einer tiefbewegten Trauerversammlung einen wirksamen Nachruf zu hatten. Wie ein Meister diese schwierige Aufgabe sich zurecht legt, hat Oberrabbiner Dr. Güdemänn in all den veröffentlichten Grabreden bewiesen. Mit schlichten und einfachen Worten wird überall von der dahingeschiedenen Persönlichkeit! ein lebenstreues Bild entworfen und ebenso treffend deren Verhältnis zu; der Gcsammtheit festgestcllt. Doch abgesehen von dem rhetorischen Werthr, ' der jeder Rede innewohnt, wird der Leser auch nach einer anderen Richtung mächtig angeregt. Mit den lichtvollen Gestalten, wie Jonas Freiherr von Königslvarter, Dr. Ignaz Kuranda, Minna Gompcrz, Josef Ritter von Wertheimer, Salomon Sulzer, Bettina Freifrau von Rothschild, Dr. Adolf Fischhof und- Dr.Mdolf Jcllinck zieht ein! gut Stück Geschichte der Wiener israelitischen Cultüsgemeinde und ihrer gemeinnützigen Institutionen an unserem geistigen Auge vorüber, und wehmuthsvoll gedenken wir der großen Verluste, die die Wiener Gemeinde in. dieser kurzen Spanne Zeit erlitten hat. Aber mit kunstgerechtem Griffel zeichnet der Redner das unvergängliche Wirken und Schaffen all dieser um das Judenthum hochverdienten Männer und Frauen und wir erheben uns an dem Bewusstsein,'Zeugen ihrer unsterblichen Schöpfungen gewesen zu sein. Erbauung und Erhebung schöpfen wir aus diesen Grabreden und darum können wir dieselben unseren Lesern nicht genug änempfehlen. Trotz der schönen Ausstättuäg hat die Sammlung außerdem einen sehr niedrigere Ladenpreis (80 kr., ö. W.) und es ist da umsomehr zu erwarten, dass dieselbe in den weitesten Kreisen Eingang finden werde. Litteratur des Iudenlhmns. Man berichtet aus London: Unter dem Titel ״The Jewish Library“ wird im Verlag von Macmillian & Co., eine von Joseph Jacobs redigirte Sammlung von Büchern erscheinerr» welche die Ergcbniße der letzten Forschungen auf dem Gebiete jüdischer Geschichte, jüdischen Lebens und Denkens darbieten werden. Unter den bereits angekttndigtcn Werken befinden sich folgende; ^spects of Rabbinic Theqlogy, von T. Schechter, Professor in Cambridge: Jewish social lffe in the' middle age, von Israel Abrahams, einem der Redacteure der Jewish tzuatterly Revlow: The return of the Jews to England, von Lucien Wolf, dem Präsidenten der jüdischen geschichtsforschenden Gesellschaft; Jewish Prayer Book, its History and Relation to Christian Ritual, von S. Singer; Jewish Ethics von Morris Joseph; The Jewish Race von Joseph Jacobs. Die italienischen Geigenbauer und ihr Geheimnis. Das Geheimnis der berühmten italienischen Geigenbauer will Otto Migge in Koblenz a. Nh. in einer in diesen Tagen erschienenen Broschüre (Druck u. Verlag von Geb. Staudt, Frankfurt a. M.) ergründet und erklärt haben. Seit mehr als hundert Jahren sucht man nach dem Geheimnis der alten italienischen Geigen aus der berühmten Cremoneser Schule. Hr. Otto Migge beweist, dass das Geheimnis der großen Meister in nichts anderem bestand, als in der natürlichen Art und Weise, eine Geige zu bauen und zu lackieren. Er zeigt, auf welche Weise die Elasticität der Geigendecke durch die Lackierung erhöht wird. Es ist nur durch einen harten Lack zll erreichen, der von ihm in bestimmter Weise aufgetragen wird. Er stellt einen Lack von gleicher Schönheit und Güte, wie der italienische Gcigcnlack her und macht kein Geheimnis aus dessen Zusammensetzung. Das Nebel aller Nebel war das unnatürliche Ueberlackieren der alten Instrumente, und diejenigen Instrumentenmacher, welche am meisten an den berühmten Meisterwerken herumgcpinselt haben, haben den Ruin derselben auf ihrem Gewissen. Die äußere Form einer Geige hat nach Migge auf Qualität des Tones wenig Einfluss,(?) die Mängel der Ansprache vermuthete man seither stets im Holz, während sic in Wirklichkeit nur die Folge einer unnatürlichen Lackierung oder Ueberlackierung waren. Der Musikschriftsteller Richard Pohl urtheilt über die Entdeckung Miggc's u. a.: ״Die Tragweite die'cr Migge'schen Entdeckung ist sehr groß. Das Vertrauen zu den neuen Geigen wird bald erhöht werden; der Preis für neue Geigen wird sich in bescheidenen Grenzen halten, der der alten Cremoneser Instrumente bedeutend ermäßigt werden; der Gefahr des Betruges wird vorgebeugt; verdorbene Cremoneser Jnstrumente können durch Sachverständige gerettet werden, Reparaturen auf ein Minimum beschränkt. Auch für alle anderen Seiten-Jnstrumente wird die Lösung des Problems von Bedeutung sein. Die Theorie des Herrn Migge ist durch die Praxis bereits bestätigt und wird es noch mehr werden, je allgemeiner seine Instrumente sich verbreiten. Den Fachblättern ist das Weitere zu übcrlaffen. Dass es an Widerspruch nicht fehlen wird, ist vorausznsehcn. Aber das ist das Los aller Entdecker und Erfinder. Herrn Migge todtzuschweigen, dürfte nicht gelingen, dazu ist seine Reform zu bedeutend. ״So ioerdet ihr alt!" Unentbehrliches Handbuch zur Natur- Heilkunde für alle, die gesund werden und bleiben wollen, von Dr. Georg Simoni. Fünfte, vermehrte, illustrirte Austage. Verlagsexpedition Jurik, Feistritz-Lembach, Steiermark. Preis 1 fl. Wenn über ein Buch von allen Blättern ohne Unterschied der Parteirichtung so günstig gcurtheilt wird, wie über das vorliegende Werk cs der Fall ist, so muß sein Inhalt auch ein ganz vorzüglicher sein. Es giebt aber auch thatsächlich kein zweites Buch, welches so berufen wäre, der krankenden Menscheit Gesetze zu dictiren, wie das Simoni'sche Werk. Wer cs genau durchliest, wird bald überzeugt sein, dass es sich hier um keine Hirngespinste handelt, sondern dass alles höchst einfach und unumstößlich ist, weil es sich eben auf unumstößliche Naturgesetze gründet. Dr. Simoni hat den Pfarrer Kneipp weit überholt, er hat die Ideen desselben in ein klares, allgemeines, verständliches System gebracht, an welchem die Gelehrtenwelt vergeblich rütteln wird und sich damit großen Ruhm erworben. Simonis ״So werdet ihr alt!" scheint berufen, ein ״Vo lkslchrer" in des Wortes bester Bedeutung zu werden.