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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-11-01 · Heft 25 (1.11.1894) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 25 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oe8terreichlsch-ungarl80he Canioren - Zeitnn| Pränumerations-Preis. FiirCantorrn «.Cultusbramtr in Vefirrreilh-Angarn Ganzjährig.fl. -1-— Halbjährig.fl. 2.— uenurai-urgan für dir Interessen der Csntoren und Eultusbeamtrn. Rrdartion und Administration Wien H., Novaragaffe Nr. 27. FürCantoren u.Cultnsbramte im Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Erscheint jeden zehnten Tag. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Für Private und Institute Ganzjährig.fl. 6.— Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Abonnementsu. Insertionsbetrüge find in Wien jaltlbar. Wien» 1. November 1894. 14. Jahrgang. Nr. 26. Vom Gebete im Allgemeinen als wichtiges Mittel zur religiös-sittlichen Erziehung; ferner vom Gebete in hebräischer Sprache als wichtiges Mittel zur Erziehung für die jüd. Confession. Eine pädagog.-didaktische Studie von Israel Singer, Religionsprofeffor am Ober-Gymnasium zu S. A. Ujhely. Nachdruck nur mit Erlaubnis des Verfassers gestattet. Gar oft vernehmen wir seitens der Eltern deswegen Klagen über den Lehrer, dass ihre Kinder, besonders die Knaben, von denen hier hauptsächlich abgehandelt werden soll, nicht hebräisch beten können. So mancher Vater, der seinen Knaben zur בר מצוה (Consirmation) vorbereiten lassen will, erfährt mit schmerzlicher Ueberraschung, dass seinKind nur sehr schwach, oder gar nicht mehr hebräisch lesen kann; daher die genannte Vorbereitung ganz unterbleibt, wodurch ein sehr wichtiger Weihe-Act zur religiösen Erziehung unterbleiben muß. Noch öfter dürste mancher Religionslehrer an den Wittelschulen die deprimirende Erfahrung gemacht haben, dass Kinder, die in der 1. Classe geläufig hebräisch lesen konnten, dies in den oberen oder obersten Klassen nur schleppend, oder gar nicht mehr vermögen. Die Ursache hievon ist zumeist diese, dass diese Kinder von den Schul- und etwa noch Privatdisciplinen so sehr occupirt werden, dass ihnen nicht soviel Zeit für das übliche umfangreiche hebr. Gebet (im Sidur) bleibt, deshalb beten sie gar nicht, auch nicht in einer anderen Sprache. Diesen mangelt demnach das wichtigste Nahrungsmittel ftir das religiöse Gefühl überhaupt, und für die Synagoge insbesondere. Denn Kinder, die nicht hebräisch beten können, bleiben der Synagoge fem, weil sie am Gottesdienste nicht factisch theil nehmen können, wessen sie sich schämen. Dieser Umstand ist umso bedauerlicher, als bekanntermaßen ein verhältnismäßig bettächtlicher Theil unserer Schuljugend die Mittelschulen besucht, welcher zugleich die Intelligenz der Gemeinde und hiemit des Judenthums in nächster Zukunft bilden wird. In'folgenden Zeilen bestteben wir uns, auf Grund unserer bescheidenen Erfahrungen im Unterrichte — durch 40 Jahre an der Volksschule und 35 Jahre am Gymnasium — die betreffenden Eltern ans ihre diesbezüglichen Pflichten aufmerksam zu machen und ihnen zugleich den Weg anzuzeigen, auf dem sie mit Rücksicht auf die Zeitverhültniße diese ihre Pflichten mit Erfolg erfüllen können. Es soll uns freuen, von Fachmännern hierüber eines Besseren belehrt zu werden .׳שמטו רבים ותרבה הדעת (Daniel 12. 4.) Es dürfte nicht überflüssig sein hier zu bemerken, dass nachfolgende Zeilen entnommen sind aus unserem druckfertigen Manuscripte mit dem Inhalte: Pflichten israelittscher Eltern gegen ihre Kinder von der Zeit, dass diese sprechen können, bis^ zu ihrem Austreten aus den Mittelschulen. Es enthält 20 Capitel, etwa 9 Druckbogen, gegen 100 Bibel- und Talmudstellen, nebst vielen Parallelstellen aus Schriften berühmter moderner Pädagogen. Wir sind — nebenbei bemerkt — bereit, das Manuskript für ein sehr müßiges Honorar einem Verleger zu überttagen. Mehrere Capitel daselbst enthalten Belehrungen gegen das von Alters her noch übliche, aber jetzt schon unzeitgemäße Erziehungs- und Unterrichtswesen wie in Galizien und Polen, d. i. gegen ״Fanatismus". Die anderen Capitel enthalten Belehrnngen gegen die entgegengesetzte Richtung, gegen die im modemen Erziehungs- und Unterrichtswesen unserer Glaubensgenossen sich zeigenden Mängel, d. i. gegen ״Jndifferenttsmus". Jedes Capitel beginnt mit einer entsprechenden Bibel- oder Talmudstelle, welche wir auch in gegenwärttger Mittheilung beibehalten haben. Bisher unsere Vorbemerkung. — Wir beginnen nun mit dem eigentlichen Inhalte. Von der Pflicht der Eltern, ihre Kinder anzuhalten, dass sie täglich in hebräischer Sprache beten sollen. 1.) ״Abends, Morgens und Mittags bete ich zu Gott und Er erhört mein Gebet (Psalm 55, 18). Eines der wichttgsten, zweckentsprechendsten und zunächst liegenden Mittel zu einer religiös sittlichen Erziehung ist — das Gebet. Das würdige Gebet ist zwar ein äußerlicher Gottesdienst; aber es hat mehr, als irgend ein anderer äußerer Gottesdienst seinen Ursprung in unserem Innern — im Herzen des Menschen — und ist deshalb auch mehr, als jede andere äußere gottesdienstliche Handlung geeignet, auf dessen Inneres heilsam einzuwirken. Deshalb hat die hebräische Sprache für ״Beten" allgemein ein ״rückbezügliches" Zeitwort התפלל, weil das Subjekt die Handlung auf sich selbst zurückführt. —

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