Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-09-15 · Heft 22 (15.9.1894) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 22 (15.9.1894)
Date
1894-09-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453304-3453326--4097-3458522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 22. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. Lemberg. Unter den Huldiguugsdeputationeu, welche Sr. Majestät der Kaiser bei seinem Eintreffen in Lemberg empfieng, befand sich auch die Deputation der jüdischen Gemeinde in Lemberg. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde sammt dem Rabbinate erschien unter Führung des Präsidenten Samuel Horowitz und des Vicepräsidenten Abg. Dr. Emil Byk. Auf die Loyalitäts-Versicherung dieser Deputation antwortete der Kaiser: ״Ich bin von der Treue und Anhänglichkeit Ihrer Glau b ens geno ss en ü b erzengt u nd rechne stets auf dieselben." Huldreich nahm der Kaiser den Segensspruch der -Rabbiner Schmelkes und Dr. Karo entgegen und wendete sich dann in leutseligster Weise an die einzelnen Deputatiousmitglieder. Dem Vicepräsidenten Abg. Dr. Byk sagte der Kaiser: ״Sie haben als Reichsraths-Abgeordneter eine schöne patriotische Ausgabe, die aber für Ihren Berus gewiss mit sehr viel Zeitverlust verbunden ist. Sie kommen bald wieder nach Wien zur Arbeit." Lvurberg. Ueber die offfciellen Vorstellungen bei dem Kaiser, welche gleich nach seiner Ankunst in dem Statthaltereigebäude stattfanden, äst noch ein interessantes Detail uachzutragen. Es war allgemein ausgefallen, dass in der Reihe der Körperschaften, welche zur Vorstellung zugelassen wurden, dem Cultusrathe der israelitischen Gemeinde in Lemberg der letzte Platz angewiesen wurde. Dies wurde im letzten Augenblicke jedoch abgeäudert und der israelitische Cultusrath gelangte sofort nach den Behörden und den anderen Religionsgenvssenschaften zur Vorstellung. Der Cultusrath wurde von seinem Präsidenten Samuel Horowitz geführt, welcher ״in Vertretung der treugehorsamsten Cultusgemeinde Lembergs deren unterthänigste Huldigung in aufrichtiger Treue und Ergebenheil" dem Monarchen darbrachte. Der Kaiser dänkte für die Begrüßung und äußerte sich, dass er von den loyalen Gefühlen der jüdischen Bevölkerung stets überzeugt ist, woraus er sich beim Cultusprüses Horowitz über die Anzahl der'jüdischen Bevölkerung Lembergs, über die Zahl der Synagogen erkundigte und dabei erinnerte, dass er während seines vorigen Aufenthaltes in Galizien eine sehr schöne Synagoge besucht hat. Der Kaiser zeichnete alle Mitglieder der Deputation durch Ansprachen aus und bemerkte dem Abgeordneten Dr. Byk gegenüber, dass die Thätigkeit eines Abgeordneten eine patriotische ist, da sie viel Zeit in Anspruch nimmt. Ueber besondere Erlaubnis des Kaisers sprach Rabbiner Schmelkes bedeckten Hauptes den üblichen Segensspruch in hebräischer Sprache, welchen Rabbiner Dr. Karo dann in deutscher Sprache wiederholte. Der Kaiser verabschiedete die Abordnung der Cultusgemeinde in der gnädigsten Weise, indem er ihr wiederholt den Dank für die Begrüßung aussprach. Erwähnens- Werth ist es noch, dass nach der Audienz der Präses der Cultusgemeinde Samuel Horowitz und der Rabbiner Dr. Karo Einladungen zur Hoftafel für Montag erhielten. Lemberg. Die Einweihung des hiesigen israelitischen Waisenhauses wird durch die Theilnahme )einer Majestät des Kaisers an der Eröffnungsfeier für ewige Zeiten eine denk- . würdige bleiben. In der Janower Straße, in welcher sich der Neubau besindet, wurde der Monarch von einer Vieltausendköpfigen Menge enthusiastisch begrüßt. Am Eingangsthore des Waisenhauses begrüßte den Kaiser der Cultuspräses Horowitz an der Spitze des Cuttusrathes mit einer kurzen Ansprache und geleitete ihn in den mit großem Reichthum und Geschmack decorirten größten Saal des Hauses, welcher in einen Empfangssaal umgestaltet und wo ein improvisirter Thron aufgestellt 1 worden war. Inzwischen intonirte die Knabenkapelle des israelitischen Waisenhauses die Volkshymne und die in langen Spalieren aufgestellte israelitische Schuljugend brach in begeisterte Hochrufe aus. Im Festsaale erwarteten den Kaiser der gesammte Cultusrath, der Gemeinderath mit dem Bürgermeister an der Spitze, der Landesausschuß, geführt vom Landmarschall Fürsten Sanguszko, sowie zahlreiche Abgeordnete in Nationaltracht. Als der Keiser, gefolgt von seiner Suite, vom Statthalter Grafen Badeni, Ministerpräsidenten Fürsten Windisch grätz und den anderen Hier weilenden Ministern den Saal betrat, brach die Versammlung in Hochrufe aus, während der Tempelchor in Begleitung der Orgel die Volkshymne anstimmte. Rabbiner Schmelkes sprach hierauf einen hebräischen Segensspruch, den Rabbiner Dr. C ar o deutsch übersetzte, worauf Letzterer eine polnische und eine deutsche Ansprache hielt, in welcher die Mildherzigkeit des Kaisers, des Beschützers der Waisen und Bedrückte!: gepriesen wurde. Der Kaiser war von dieser Anspräche sichtlich gerührt, und als er dann seinen Namenszug in polnischer Sprache ius aufliegende Gedenkbuch eingetragen, trat er auf beide Rabbiner zu. dankte ihnen und sagte: ״Es ist hier Alles schön, sehr schön!" Eingehend besichtigte dann der Kaiser alle für die Waisenknaben bestimmten Räume und Ein- Achtungen, begab sich darauf in das Bethaus, wo Alle bedeckten Haupt es eini g e Äugenb licke verweilte n. Als der Kaiser das Haus verließ, streuten ihm zehn in Weiß gekleidete Mädchen Blumen auf den Weg, wofür der Kaiser militärisch dankte. Ulster den Klängen der Volkshymne und enthusiastischen Hochrufen fuhr der Kaiser in das Statthaltereigebüude zurück. Budapest, 6. September. Der clericale Magyar Allam, welcher auch in Antisemitismus!nacht, fiihrt heute in einem Leitartikel darüber Beschwerde, dass vor Kurzem ein Jude, Dr. Ignaz Gold zieh er, an der Budapester Universität, welche aus katholischen Fnndationen erhalten werde, zum Profcssor ernannt ׳wurde. Es dürfte dem ultramontanen Organe noch nicht bekannt sein, dass seither ein zweiter Jude zum ordentlichen öffentlichen Professor ernannt wurde. Es ist dies der Advokat und Privatooceut Dr. Gustav Schwarz, dessen Ernennung zum Professor des römischen Rechtes vom Kaiser bereits vollzogen worden ist und demnächst im Amtsblatte publizirt. werden soll. Stellenveeänderung. Cantor Albert Presser aus Straßnitz ist als Obercantor nach Oroshaza berufen worden und hat am 1. September seinen neuen Posten angetreten.—Herr Obercantor A Weißmann in Diakovar ersucht uns zu constatiren, dass er mit dem zweiten Cantor I. Weißmann in Lugos nicht identisch ist, daher die in voriger Nummer gemeldete Stellen- Veränderung nicht seine Person, sondern einen Nameusvetter von ihm betraf. An die Mitglieder des österr. ungar. Eantoren-Vereines. Wir erfüllen hiemit die traurige Pflicht, das Ableben zweier Vereinsmitglieder, des Herrn Ignaz Blau, Cantor in Essegg, und des Herrn Sigmund Pol lak, Cantor in Blaschim zu allgemeiner Kenntnis zu bringen. Mit Rücksicht auf die diesbezüglichen Bestimmungen der Statuten werden die P. T. Mitglieder gleichzeitig ersucht, die statutarischen Pflichtbeiträge von je 1 fl. baldigst an die Vereinscasse einzusenden, damit die Ansprüche der Witwen unserer dahingeschiedeneu Collegen ehemöglichst befriedigt werden können. Unser Vereinscassier, Herr Cantor M. Blatt, ist bereits von seinem Urlaube zurückgekehrt und sind die Einzahlungen wieder an seine Adresse II., Tempelgasse Nr. 3 zu richten. Der׳ Vorstand des österr. Ungar. Cantoren-Vereines. Büchrrschau. Sitten und Bräuche der Juden int Orient von Dr. M. Grünwald, Großrabbiner in Bulgarien. Separatabdruck der ״österr. ungar. Cantoren-Zeitung". Zu beziehen durch den Verfasser und die Verlagsbuchhandlung I. Kauffmann, Frankfurt a./M. Zur Geschichte der Targuntint nach talmudischen Nuellen, von Louis Hausdorff. Sonderabdruck aus der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, 38. Jahrgang, Heft 5, 6 und 7. Zehn Dredigten für Kosch haschauak, Jom Kippnr und Snkkoth, von Rabbiner Dr. H. Sänger. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a./M. Moses Mendelssohn und seine Zeit» von Dr M. H. Friedländer. Separat-Abdruck aus der ״Neuzeit" Nr. 18 — 30. Im Selbstverläge des Verfaffcrs.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.