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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-09-01 · Heft 21 (1.9.1894) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 21 (1.9.1894)
Date
1894-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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sJtr. 21. 'öeite 7. Desterreichisch-unaarische Lantorea-Zeitung. würdiger als animirter Weise verlies. Um den patriotischen Gefühlen der hiesigen Judenheit besonderen Ansdruck zu leihen, wurde der Vereinsabend mit der Volkshymne stimmungsvoll eingeleitet, sodann wechselten einige gelungene Chöre mit Clavier- Psicen und humoristischen Vorträgen ab. Die exacte Durchführung des aus 12 Nummern bestehenden Programmes entfesselte unter der gossen Zahl der anwesenden Festgäste stürmischen Beifall und wohlverdiente Anerkennung. Es gereicht dem löblichen Chorvereine zur großen Ehre, dass er bei besonderer Pflege der gottesdienstlichen Gesänge durch seinen großen Eifer und die ganz besondere Unverdrossenheit im Einstndieren sich die dankenswerthe Aufgabe gestellt hat. durch Veranstaltung von geselligen Vereins-Abenden den zahlreichen beitragenden Mitgliedern Gelegenheit zu geselligen Zusammenkünften zu bieten. Ungetheiltes Lob um die Entwickelung des Vereines gebührt in erster Linie dem wackeren Obmanne. der es weder an Mühe noch an Zeitopfer fehlen lässt, um sowohl für Erhebung des Geistes durch einen weihevollen Syuagogal-Gesang. als auch durch Pflege des iveltlicheu Liedes in vortheilhaster Weise zu wirken, und verdient dessen eifriges Streben nach beiden Richtungen die ehrendste Anerkennung, die ihm hiedurch zum Ausdruck gebracht sei. 8. P. lüirakan. (Die B lnt lüg e in b ild l ich er Darst e l l u n g). In den Tagen vom 10. bis 15. August mallführten alljährlich viele Taufende von Leuten, namentlich Bauern aus Galizien, Ungarn. Böhmen. Mähren und Schlesien sowie aus Russisch Polen nach Kalwarya b״i Krakau, um bei dem weit und breit berühmten Bilde der Mutter Gottes Ablass, zu erlangen. Arme und Reiche. Bauern und Bürger eilen zu Wagen oder zu Fuß herbei, und das kleine Städtchen ist um diese Zeit so überfüllt, dass viele im Freien campiren müssen. Aber nicht nur das Marienbild, das sich in der Kirche des Bernhardiner-Ordens befindet, iibt große Anziehungskraft aus, auch ein anderes merkwürdiges Bild ist in der Klosterkirche zu sehen. Unmittelbar beim Kircheneingange hängt ein großes Gemälde, das die Abschlachtung eines Kindes durch Juden dar-- stellt. Das Bild ist ungefähr drei Nieter hoch und zwei׳ Meter breit. Auf demselben ist dargestellt, wie mehrere Juden in jüdisch-polnischer Tracht, in Gebetmäntel gehüllt, ein Kind umstehen, dem sie Blut abzapfen: ihr Gesichts ansdruck und ihre Mienen entsprechen der Situation Um gar keinem Zweifel Raum zu geben, befindet sich am Fuße des Bildes folgende Aufschrift in polnischer Sprache: ״Das Martyrium des Kindes Simon, des Sohnes der Ehegatten Adam und Eva Stndzinsky, das im Alter von 31.) Jahren am Charfreitag von einem Juden geraubt und am Sonnabend nach Samstag zur Nachtzeit auf grausame Weise im Markus-Wirthshause bei Zytomir von Juden ermordet wurde. So geschehen am 26. Mai 1475. Renovatum A. D. 1870." Man kann sich leicht vorstellen, welchen Eindruck dieses Bild auf die für solche Darstellungen leicht empfänglichen Landleute ausübt. Der slavische Bauer ist gläubig, der Geistliche ist ihm eine besondere Autorität, und er hält die gemalte Lüge für wahr, da sie ihm im Raume einer Kirche entgegentritt. So wirkt das Bild ungemein aufreizend, und es ist erklärlich, dass der Aberglaube, die Inden brauchten Blut von Christenkindern, nicht auszurotten ist. Mehrere Päpste haben in besonderen Bullen ihrer: Abscheu gegen diese teuflische Beschuldigung ausgesprochen, sollte das den Herren vom Bernhardiner-Orden in Kalvarya nicht bekarrnt sein? Budapest. (Professor Ignaz Goldzieher.) Das Amtsblatt veröffentlichte jüngst ein aus Ischl datirtes Allerhöchstes Handschreiben, durch welches dem Privatdocenten an der hiesigen Universität Dr. Ignaz Goldzieher der Titel und Charakter eines öffentlichen ordentlichen Professors verliehen wurde. Diese Aus- Zeichnung eines verdienstvollen Gelehrten, welche dadurch noch eine besondere Bedeutung erhält, dass Dr. Goldzieher der erste ungarische Staatsbürger israelitischer Confession ist. welchem dieselbe zu Theil wurde, wird nicht verfehlen, in weitesten Kreisen Befriedigung zu erregen, und das würde umso mehr der Fall sein, wenn demselben zu dem Titel und Charakter auch die Bezüge eines wirklichen Universitätsprofessors verliehen würden, was Dasjenige, was jetzt Auszeichnung ist, erst zur Ernennuug stempeln würde. Dr. J^naz Goldzieher, welcher die Selle eines ersten Secretärs der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde bekleidet, ist bekanntlich ein Gelehrter von europäischem Rufe, der als Kenner der orientalischen Sprachen und Litteratnr zu den hervorragendsten Capacitäten der Welt gezählt wird. Seine Werke werden in der Regel, so wie sie hier erscheinen, in die deutsche, französische und englische Sprache übersetzt und erfreuen sich bei den auswärtigen Gelehrten der größten Werthschätzung. Dr. Ignaz Goldzieher ist in Stnhlweißenburg im Jahre 1850 geboren, stndirte in Budapest. Berlin und Leipzig die orientalischen Sprachen, in Leyden und Wien die orientalischen Handschriften und ist seit 1872 Privatdocent an der Budapester Universität. Die beiden Jahre 1873 und 1874 verlebte er in Wien Palästina und Egypten. Im Jahre 1876 wählte ihn die ungarische Akademie der Wissenschaften zum eorrespondirenden und 1892 zum ordentlichen Mitglied!.׳. Dr. Ignaz Goldzieher ist als Gelehrter sowohl, wie auch als Charakter ein Mann, der dem Vaterlande nnd der ungarischen Wissenschaft zur hohen Ehre gereicht. läopenhapen. Anlässlich der silbernen Hochzeit des dänischen Kronprinzenpaares brachte auch eine Deputation der jüdischen Cultnsgemeinde, bestehend, ans den Herren Oberabbiner Doetor Simonseir, Etatsrath Bankoirector Glücksstadt und Bangnier Lewin, ihre Glückwünsche dar. Der Kronprinz erwiderte die Rede des Oberrabbiners mit einer längeren Ansprache, worin er seiner Freude Ausdruck gab, dass die Juden Dänemarks vermöge ihrer ehrenvolle!: Haltung und Stellung die allgenreine Achtung und Werthschätzung ihrer Mitbürger genießen, sowie auch, dass kein Funke jenes verderblichen Brandes, den Religionsnnd Raceuhaß entzündet, Eingang am dänischen Herde gefunden habe, noch mit Gottes Beistand je finden werde. — In Nordschleswig haben bekanntlich die dänischen Protestler schon wiederholt die Vorschläge deutscher Antisemiten in Betreff einer Cooperation mit Entrüstung znrückgewiesen. Das dänische Volk weiß sich überall gegen die Antisemitenseuche zu schützen. Jerusalem. Wie man aus Konstantinopel meldet, hat das Ministerium für öffentliche Arbeiten die Reconstruction der alten salomonischen Wasserleitung in Jerusalem beschlossen. Mittelst derselben werden der Heiligen Stadt die 22 Kilometer südwärts befindlichen Ouellen von Arronb zngeleitet werden. Während die alte Wasserleitung das Gebirge in einem Bogen umging, rvird die neue dasselbe in einem 3570 Meter langen Tunnel durchschneiden. Tie Kosten dieses Werkes sind auf zrvei Millionen Francs berechnet. Es ist bemerkenswerth, daß noch zur Zeit des Pontius Pilatus die alte Wasserleitung fnactioairte, welche die Quellen von Arronb nach Jerusalem brachte. Slellrnvrränderungen. College Lippmauu Kurzweil, früher Cautor und Religionslehrer in Kolleschowiy, ist in Polna zum Cantor gewählt worden und hat bereits seinen Posten angetreten. Die Herren I. W e i ß in a n n und I F r i e d in a u u (beide aus der Canloren- Bildungsanstalt des ^bereaiuor Bauer, Wien! sind Ersterer als Cantor in Lugos, Letzterer als Carnor in Wischall acceptilt worden. Frage. Ich bitte die geehrten Fachmänner, um gütigen Aufschluss über Folgendes: Mir scheint der Schlusssatz im zweiten ״ :אני מאמיןw’hii l’־wadau elauhenu hojo, hauwe ״w’jih’jeh״ als nicht hierher gehörend, da diesen Glaubenssatz בצהותי der vierte א׳׳מ enthält. Im יגדל ist auch keine analoge Stelle dafür: ja Maimonides selbst spricht im היסוד הסכר nur von der absoluten Einheit, nichts aber von der Ewigkeit Gottes. L. B u x b a u m Relrgionslehrer in Wien. Die geehrte» Herren College», welche trotz mehrfacher Mahnung den Abonnementsbetrag ftitfä laufende Quartal noch nicht eingefendet haben, werden höflichst nnd dringendst erfrrcht, dies am 1. September bestimmt nachzuholen. Die Redaetion.

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