Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 18 (15.7.1894)
- Date
- 1894-07-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 18. Gest erreich! sch. ungarische Lantoren-Aeitung Seite 7. kann ein solcher Mensch , begiime!!? Zumeist mit zahlreicher Familie mnß er. znm Bettelstäbe greisen und von Ort zn Ort pilgern. Von unserer Gemeinde oder von größeren Provinzgemeinden ist natürlich nicht die Rede, da diese ans ob-erwähnten Ursachen einen Schvchet nicht entlassen: doch jeder hat nicht das Glück, in einer größeren Gemeinde angestellt z׳n sein. Es ist demnach sehr einleuchtend, dass etwas geschehen muss, bevor es zn spät wird, darum die unterfertigte Cnltns-Seetion svlgende Vorschläge dem 1. Vorstande unterbreitet: 1.) Wolle der l. Vorstand eine General-Versammlung einberufen und derselben zn Herzen führen, welch trauriger Zukunft wir in dieser Hinsicht entgegen gehen. 2.) Möge diese tvichtige Angelegenheit in einem Aufrufe sännntlichen Gemeinde- Vorständen ans Herz gelegt werden und erwägen, was im Wege der Presse erzielt werden könnte. 3.) Sollen einleitende Schritte, behufs Gründung eines orth. allgemeinen Pensionssondes gemacht werden. Unseres Erachtens nach, könnte diese Institution lebenskräftig erhalten werden: a) Soll jedes Gemeindeniitglied einen, Jahresbeitrag leisten, b) soll jedem Schochet ein gewisser Perzentsatz von seinem jährlichen Gehalt in Abzug gebracht werden, .e) sollen Spenden gesammelt werden, d) soll die hohe Regierung angegangen werden, diesen Fond möglichst zn dotiren, e) sollen wohlthätige, bemittelte Personen ersucht werden, den Fond mit Spenden zn vermehren, s) soll ein Zlusrns, behufs Unterstützung des Fondes, nach dem Ausland erlassen werden, da auch die ausländischen Gemeinden ein Interesse daran haben, wenn ein Mittel gefunden wird, wodurch sich fromme und geeignete Personen herbeilassen werden/ die Schochet-Lansbahn zu wählen.' Ob a 11 ch die übrigc 11 A11 g e s teilten d er Ge ineind e (mit Ansnah me d er Leh rer) mit einb e z o g e n w e r d e n s o l l e n, b i l d e t e i n e s p ä t e r e F r a g e. Betrachten wir nur unsere Gemeinde, welche nur etwas mehr als 20 Jahre besteht, sie hat schon jetzt mehr als sl. 2000 jährlich an Pensionen zn bezahlen, was erspart worden wäre, wenn ein solcher׳' Fond bestünde. Demnach ans dieser Jnstitntion auch ein pecnniürer Vortheil für die.Gemeinden erwachsen würde. In Berücksichtigung, dass diese Frage eine allgemeine Landesangelegenheit bildet, wäre es zweckdienlich, wenn die orth. Durchführungs-Commission diese bestmöglichst unterstützen würde. Wir hoffen, dass Gottes Segen all' denen wird, welche zn Lösung dieser hochwichtigen Frage beitragen werden. Die Cultus-Seetion der Budapester orth. Gemeinde. Budapest. Dem ״Pester Lloyd" wird ans O,-Liszka folgende höchst bedauerliche und die prekären Verhältniße der jüdischen Gemeindefnnetionüre charakterisirende Mittheilnng gemacht: Der Lehrer der jüdischen Gemeinde, Herr Armin Stern, vermochte mit seinem von der Gemeinde bezogenen kärglichen Gehalte nur kümmerlich sein Dasein zu friste.!. Ueberdies war der 60-jährige. Mann seitens der Gemeinde vielen Chieanen ausgesetzt; seit Jahr und Tag war man dort bemüht, Mittel und Wege zu finden, um den alten Lehrer los zn werden. Der k. Schulinspector schützte aber den Bedauernswerthen gegenüber den Angriffen der Gemeinde. In Folge dessen nahm diese zn einem drastischen Mittel ihre Zuflucht: Die Eltern schickten ihre Kinder nicht in die Schule, um ans diese Weise die Wirksamkeit des Lehrers unmöglich zn machen. Dieser nahm sich dies so zn Herzen, dass in ihm der schrecklichste Plan reiste, durch Ver- Übung eines Selbstmordes dem Kampfe mit seiner Gemeinde ein Ende zu machen. Vor ungefähr 14 Tagen warf er sich in der Nähe von O.-Liszka vor die Loeomotive des heranbransenden Zuges. Der Locomotivsührer bemerkte dies aber noch rechtzeitig und brachte den'Zug zum Stehen, wodurch Stern gerettet wurde. Nunmehr wendete sich dieser an einen College!!, der für ihn vor Allem beim isr. Landeslehrerverein eine Geldnnterstütznng erwirkte und ihm dann ans Herz legte, um seine Pensionirnng einzuschreiten. Da Stern aber nur eine Pension von 200 sl. zu erwarten hatte, konnte er sich mit dem Gedanken der Pensionirnng nicht befreunden. Als nun vorige Woche beschlossen wurde,, sich wegen Pensionirnng des Lehrers direet an das Cultusministerinm zn wenden, so bemächtigte sich des Schwergekränkten tiefe Melancholie. Am 2. Juli stürzte er sich in die Bodrog und verschwand spurlos in den Wellen. Soest» 25. Juni. Am gestrigen Tage sand in den Räumen des Schützenhofes dahier die vierte Generalversammlung des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens statt. Tie Verhandlungen winden von dem ersten Vorsitzenden Herrn Bankier M. Katzeastei!!, Bielefeld eröffnet. Vertreten waren 22 Verbandsgemeinden mit annähernd 70 Delegirten. lieber die dreijährige Verbandsthätigkeit lag ein Recheiischastsbericht vor. Von den Verhandlungen heben wir hervor: Die Erörterungen über Antrag des Ausschusses ans Gründung eines Pensionsfvnds für Lehrer und Cnltnsbeamte und deren Hinterbliebene. Die Versammlung fasste einstimmig folgenden Beschluss : ״Der Gemeindetag begrüßt den Antrag des Ausschusses ans Gründung eines Pensionssonds für Lehrer und Cnltnsbeamte beziehungsweise deren Hinterbliebene mit Freuden und beauftragt den Ausschuss mit der Ansarbeitnug einer entsprechenden Vorlage und eventuell der Berufung eines außerordentlichen Gemeindetages zur Beschlusssassnng über die Vorlage." H a n a l o t h L i s ch l o m o h. Der Obrrrabbinrr Elija Chazon ans Alexandrien, einer alten Gelehrtensainilie entstammend, ist ein äußerst fruchtbarer Schriftsteller. Seine Arbeiten zeugen von großem Flciße und von tiefem Bcrstäuduißr für die Bedürfniße der Gegenwart. Predigten und talmudische Werke hat er veröffentlicht, die den Beifall competenter Fach- Männer sich erworben haben: fein Buch ״Neweh Schalom" hat die Sitten und Bräuche der Juden in Aegypten geschildert, und nunmehr veröffentlicht er ein bibliographisches Buch, das eine große Lücke auszufnllen berufen ist, da die litrerarischen Erzengniße der Sephardim bis auf die Titel den Aschkenasim unbekannt sind. Wir empfehlen daher das Buch ״Hanaloth Lischlomoh", das den Großvater des gegenwärtigen Oberrabbmers von Alexandrien zum Berfasser hat, aufs Wärmste allen Freunden jüdischer Bibliographie. Dr. M. Grünwald Die uns vorliegenden drei neuesten Nummern 10, 11 und 12 der ״N e u e n M us i k - Z e i t u n g" (Carl Grüninger, Stuttgart) enthalten eine Reihe schätzbarer Beiträge: wir finden darin Biographien und Porträts des Klaviervirtuosen und Componisten Ignaz Jean Padcrewski, der Sängerin Arabella Szilügyi und des K. Kammersängers Anton Hromada. Hieran reihen sich spannende ׳Novellen und Humoresken, werthvolle musik!itterarische und musik-pädagogische und andere belehrende Aussätze von R. Batka, A. Ecrarius-Sieber, Rudolf Schäfer n. a. Ferner ein interessanter Artikel: Ein Blick auf die Geigenbaukunft und ein Gedenkblatt zum 600. Geburtstage Orlando die Lassos, sowie kritische Besprechungen der neuesten Publicationen des Musikalien- und Büchermarktes. Wie sehr die Nedaction bestrebt ist, die Leser der Zeitschrift auf dem Laufenden zu Hallen mit Allem, was Belangreiches im Reiche der Musik passirt, bekunden auch wieder die vorliegenden ׳Nummern: sie erstatten Bericht über Opern- ׳Neuheiten, welche in München, Karlsruhe uns Stuttgart zur Aufführung kamen, über das 71. ׳Niederrheinische Musikfest in Aachen und bringen ferner interessante Mitthrilungrn über das Musikleben in London und St. Petersburg. Die Musirbellagen enthalten reizende Klavierstücke von Paul Juou und Bruno Wandelt, Lieder von Josef Giehrl, R. v. Wilm, sowie ein Wiegenlied von G. Linder für Bioline und Cello mit Klavierbegleitung. Trotz des reichen Inhaltes kostet die ״Neue Musik-Zeitung" vierteljährlich (6 Nummern) nur 1 Mark. Handbuch für Cu ltus beam te. Dieses jüngst von Herrn Cautor Salomon M ü n z in Turocz Szt. Marton (Ungarn) hcransgegebene Büchlein enthält in praktischer Anordnung und kurzer Zusammenfassnng die wichtigsten und gebräuchlichsten Gebete und Regeln bei Funrrionen in- und außerhalb des Tempels und dürfte daher vielen Collegen willkommen sein. Das kleine Ortav-Format gestattet es auch, dass man diesen prarlischen Führer durch das Cultusleben jederzeit bei sich tragen kann. Das Bank- und Wechselgeschäft A. G u t f e l d, W i c n, versendet als Beilage ihren neuesten Prospert über die beliebtesten Losgruppen. Wir können den geehrten Collegen und Lesern unseres BlacteS eine Berbindnng mit dieser als sehr solid und reell bekannten Firma aufS Beste empfehlen An die geehrten Abonnenten muffen wir die dringende Bitte richten, den Abonnementsbetrag für das 3. Nuartal, sowie die eventuellen Rückstände umgehend einsenden zn wollen. Durch Einhebung derselben mittels Postauftrages erwachsen große Kosten, die die geehrten Abonnenten in Anbetracht des ohnehin geringen Abonnements-Betrages srch und uns ersparen mögen. Die Administration. Als Beilage ein Prospect der Firma A. Gutfeld. Wien.