Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 15 (5.6.1894)
- Date
- 1894-06-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Cantoren - Zeitung. Pränumcrations-PrciS. Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Rrdartion FnrCantorrn u.Lultusbeamte in Vesterreirh-Angarn und Administration Wien II., Aovaragaffe Nr. 27. Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig.fl. 2.— Cultusbeamten. FürEantoren u.Cultnsbeamtr Erscheint jeden zehnten Tag. Inserate im Ausland werden billigst berechnet. Ganzjährig.8 Mark Manuscriptc werden nicht oder 4 Rubel.! retournirt. Für Private und Institute Ganzjährig.fl. 6.— I Begründer: Obercantor Jacob Bauer. > Abonnementsu. Insrrtions. betrage sind in Wien zahlbar- Nr. 15. Wien, 5. Juni 1894. 14. Jahrgang. Armin Freisinger Obrrranloy der israelitischen Cultusgemrinde in Pllsrn. Zn seinem 25jährigen Cantor-Jubiläum am 9. Juni 1894. Einer der Jüngsten jener merkwürdigen Schaar jüdischer Cantoren, die im Cantorhause das Licht der Welt erblickten — §r eifing er ist am 9. October 1846 in Balosza Gyarmath geboren — dortselbst die ersten Kindesjahre verlebten, frühzeitig die charakterisüschen Töne des jüdischen Tradiüonsgesanges vernahmen und oftmals auch zu srühzeiüg die schemenhaften Töne ihres kaum ausgebildeten Kehlköpfchens dem Dienste des Herrn gewidmet. Das Elternhaus war die einsüge Hochschule jener Cantoren, die wir heute mit Befriedigung als die Besten unseres Standes begrüßen, und dort auch lernte Armin Frei sing er die allerersten Singübungen, indem er dem anerkannten Kunstgesange seines berühmten Vaters lauschte und in feinem Geiste bei passender Gelegenheit ein eigenes Nisborele (Solfegie) zu machen veranlasst wurde. Als der Jüngste dreier Brüder, die vom Vater dem Synagogengesange zugeführt wurden, scheint unser Jubilar der Begabteste gewesen zu sein, dessen Töne schon im zartesten Kindesalter Anerkennung' und Würdigung fanden und dem es daher auch später bei Creirung des modernen Synagogengesanges ein Leichtes ward, den Anforderungen der Neuzeit voll und ganz zu genügen. Nachdem Freisinger seine musikalische Ausbildung bei Professor Kavalczik und Stoll in Budapest sowie am Prager Conservatorium vollendet hatte, trat er schon im 18. Lebensjahre in die synagogale Berufssphäre ein. Nach vorübergehender Wirksamkeit in Temesvar, Szegedin, Gran, Großwardein und Preßburg wurde er am 1. Juli 1873 in der Pilsener Cultusgemeinde als Obercantor angestellt. Von all' den früheren Etappen hatte nur Gran eine besondere Bedeutung für Fr ei sing er, weil er daselbst seine Gattin Rosalia, geb. 'Kirschmann kennen lernte, mit welcher er nunmehr 25 Jahre in glücklichster Ehe verbunden ist. - Bei Besetzung aller hervorragenden Cantorposten unseres ' Vaterlandes und des Auslandes, wie Budapest, Prag, Pilsen, ׳Nürnberg, Berlin und Wien wurde überall mit der künstlerischen Qualität Armin Freisinger's gerechnet, und so sehen wir ihn schon eine stattliche Reihe von Jahren in der ansehnlichen Cultusgemeinde Pilsen als anerkannte Capacität wirken und schaffen. Er hatte stets ein offenes Auge für die neuen Erscheinungen auf seinem wie auf verwandten gesanglichen Kunstgebieten, wusste nicht allein den Synagogengesang der Pilsener Gemeinde zu bedeutsamer Höhe zu gestalten, sondern verstand es auch, den Sinn der jüngern Gemeindeangehörigen insofern fiir den Gesang auszubilden, dass er sie acüv beim Singen betheiligte, und seinen Bemühungen ist es zu verdanken, dass heute viele seiner einstigen Zöglinge bei einem Gesangsvereine mit Interesse thäüg sind. Was die sonsüge Qualification Armin Freisinger's betrifft, so müssen wir constaüren, dass er zu den Besten unseres Standes gehört, als gesinnungstüchüger Mann und zuverlässiger Freund sich allgemeiner Achtung erfreut. Möge er an seinem heuügen Jubeltage, an welchem er gleichzeitig der einstig Herzenserkorenen, nunmehrigen Gattin den Kranz der Silberhochzeit aufs Haupt legt, mit Genugthuung zurückblicken auf seine bisherige Wirksamkeit; möge unser Amtsgenosse Armin Freisinger noch viele, viele Jahre wirken und schaffen in der stillen Umfriedung seiner Familie, im Gotteshause und nicht minder zum Besten unseres Vereines, dem er seit seinem Bestände angehört. Amen! Singer.