Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 14 (21.5.1894)
- Date
- 1894-05-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 14. Mesterreichisch-ungarische Caut01־eu־§citung. Seite 7. ■!OOevcniitoi• der Pilsener-Cnltnsgemeinde, Herr Armin Freisinger, sein 25-jähriges Amts-Jnbilänn: und gleichzeitig das Fest der silbernen Hochzeit. Der Jnbilar, welcher seit 21 Jahren als Obereantvr in Pilsen wirkt und sich namentlich seit der Einweihung des neuen, herrlichen, monnrnentalen Tempels um die Verherrlichung des Gottesdienstes unoergängliche Verdienste erworben, sowie seine Gemahlin Frau Rosalia Freisinger, geb. Kirsch mann, erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit und Werthschätzung, weshalb sich der Cultusvorstand veranlasst gesehen hat, anlässlich dieser Doppelfeier am 1. Juni zum Sabbath-Eingange einen besonderen Festgvttesdienst zu veranstalten. (Die Werthschätzung, der sich College Freisinger in den weitesten Cvllegenkreisen erfreut, lassen auch eine lebhafte Theilnahme derselben an seinem Jubelfeste erwarten. Die Red.) Inngliunzlau. Am 15. Mai ist Herr Adolf Singer, gewesener Obereantvr in Nenbydzov, gestorben. Der Verblichene lebte seit vorigem Jahre, wo er in Folge eines Lungenleidens schon hocbbetagt vom Dienste scheiden musste, hier bei seinem Sohne, unseren: beliebten und geschätzten Obereantvr Benedict Singer. Er war jederzeit ein pflichttreuer und charaktervoller Cultnsbeamter, der sich die Anerkennung seiner Gemeinde sowie die Sympathie seiner Collegen durch seine Biederkeit zu erwerben verstand. Adolf Singer gehörte auch zu den ältester: Mitgliedern des österr.-ungar. Cantoren-Vereines. Das Leichenbegängnis fand an: 17. Mai unter zahlreicher Theilnahme statt. 51 ת' נ׳ צ' ב׳ Frankfurt a. M. (Kaiser Wilhelm und der jüdische Gerichts-Assessor.) Die ״Magd. Ztg." schreibt: So oft Kaiser Wilhelm Frankfurt a. M. berührt, versäumt er nie, einen Schulkameraden, zu dem er in Kassel schon sich einigermaßen hingezogen fühlte, 'zu begrüßen. Dieser, Dr. Sommer, ist jetzt Gerichts-Assessor. Als der Kaiser in der vorigen Woche sich von Schlitz nach Cronberg zu seiner Mutter begab, hatte er seinen Schulkameradeil nach Rödelheim, der Frankfurt nächst gelegenen Station, die der kaiserliche Zug durchfuhr, bestellt. Die fünf Minuten, die der Kaiser dort Aufenthalt hatte, benutzte der Kaiser, um sie mit dem Kasseler Schulfreund in seinem Salonwägen zu verplaudern. Dr. Sommer gehört einer in Frankfurt a. Nt. ansässigen jüdischen Familie an. Baden-Baden. Eine Synodalverfassnng fürdie israelitische Religionsgemeinschaft im Großherzogthum Baden hat die badische Regierung ausarbeiten lassen. Darnach tritt dem bisherigen Kirchenregiment, den: Oberrath, vor: jetzt ab eine aus 25 Mitgliedern bestehende Synode zur Seite. Von den 25 Synodalgenösse!: sind 5 Rabbiner, die von ihren Standesmitgliedern zu wählen sind, und 20 weltliche Abgeordnete (10 städtische und eben so viele ländliche), die von den Religionsgenosse:: in 16 Wahlbezirkei: auf den: Wege geheimer und direkter Abstimmung gewühlt werden. Hannover. Bei der stattgehabten Wahl eines Mitgliedes des Vorstandes der Synagogengenieinde an Stelle des verstorbenen Herrn geheimen Commerzialrathes Louis Ephraim Meyer entfielen von den abgegebene:: 434 Stinunen 300 Stimmen ans Herrn Emil Louis Meyer, der somit an Stelle seines verstorbenen Vaters gewühlt ist Derselbe hat gemeinsam mit seinen drei Brüdern eine Stiftung in der Höhe von hunderttausend Mark zum ehrenden Gedächtnis für feinen entschlafenen Vater und zu Gunsten wohltätiger jüdischer Institutionen und Vereine errichtet. Möchten doch viele unserer Glaubensgenossen, denen der Allgütige die Mittel dazu gewährt hat, sich an diesem hochherzigen Vorgehen ein Beispiel nehmen! Jassy, lieber den Fasttag des 3. Mai, den die Unglücklichen Vertriebenen aus dem Districte Bakau veranstaltet haben, wird aus Jassy geschrieben: In Anbetracht des bevorstehenden schrecklichen Tages (in den den Anszuweisenden jüngst zngestellten Sommatio!:en wurde der 23. April a. St. als letzter Termin festgesetzt), an dem so viele unschuldige Existenzen rninirt werden sollten, fand den letztverflossenen Donnerstag (3. Mai) in den jüdischen Gemeinden von Bakau und den anderen Städten dieses Districtes ei!: allgemeines Fasten und Beten in den Synagogen statt. Sämmtliche Geschäftslocale waren geschlossen, alle Markt- Plätze, alle Straße!: schiene!: lute ansgestvrben, das ganze Lebe!: der jüdischen Gemeinden concentrirte sich in den Synagogen, welche, von den fastenden und betenden Männern, Frauen nnd Kindern vollgepfropft, einen feierlich ergreifenden Anblick darboten, wie er selbst in der frömmsten Jndengemeinde am Vorsöhuungstage kann! gedacht werden kann. Ten ganzen Vormittag und darüber wurde in sämmtlichen Synagogen und in deren Vor- Hallen und Höfen bis an die Straßen hinans, bei angezündete׳.: Lichter!: und Posaunenschall unter Schluchze!: und Weinen, Psalmen und andere Gebete mit einer der Situation entsprechende!: Andacht verrichtet, und zwar unter allgemeiner Betheiligung der Unglücklichen ans den umliegenden Dörfern, dene!: die ganze Feier galt und die sich zu derselben mit Weib und Kind eingefunden haben. Der Polizeipräfect von Bakau, welcher hinter dieser spontanen Schmerzensänßerung des getretenen Wurms ״jüdische Solidarität", ״Alliance Jsraelite" und wie die imaginären Schreckbilder der Rnmünen noch sonst heißen mögen, gewittert habe!: mochte, ließ den dortigen Rabbiner zu sich kommen und versuchte es, uou ihn: heransznbringen. ob nicht etwa diese staatsgefährliche ״jüdische Demonstration" von Bukarest oder gar von: Auslände aus inscenirt worden wäre. Da dieser ihn: darauf keinen Bescheid gebe!: konnte, so musste er ihn: wenigstens die Namen der dortigen Gemeindevorsteher angeben. London. In den: deutschen Hospitale in London, welches bekanntlich durch regelmäßige Znschüsse der Könige von Preußen, der Regenten von Baieru und des Kaisers von Oesterreich, vor allen: aber durch freiwillige Beiträge erhalte!: wird, hat sich ein confessioneller Streit erhoben. Das Hospital ist in: Gründe kein confessionsloses, sondern ein protestanti/ches. Diakonissinnen ans Kaiserswerth besorgen die Krankenpflege gratis und ein protestantischer Geistlicher hält zweimal h: der Woche in den Krankenzimmern, in denen der Zustand der Patienten es erlaubt, eine Bibelstunde und des Sonntags in der Capelle seinen Gottesdienst. Gegen diese Bibelstunde haben sich nun von Seiten der katholischen nnd israelitischen Kranken Proteste erhoben. Im Ganzen versügt das Hospital über 160 Betten, von denen in den letzten Wochen 8 von Juden und 16 von Katholiken belegt waren. Es scheint, dass diese Klagen einer verschwindenden Minorität ei!: Echo bei jüdische!: und katholischen Patronen des Hospitals geweckt haben, die möglicherweise, wenn die Bestimmung der Bibelstnnde aufrecht erhalten wird, ihre Beiträge zurückziehen. Diese Bibelstnnde schließt sich übrigens ganz dem Brauche in de!: englischen Hospitälern an, wo ohne Rücksicht auf die Confessio!: allwöchentlich derartige Vorlesungen gehalten werden. Die Situation ist ziemlich precär. Das Festhalten au der Tradition entzieht den: Hospital vermuthlich einen Theil der Beiträge, namentlich von Seiten wohlhabender Israeliten in der Provinz wie in London. Das würde aber als nvthwendige Folge den Ä usschlnß der Israeliten und Katholiken vom Hospital haben. H ernnter würde dann eine Reihe armer Kranker leiden, die keinerlei Schuld an diesen Vorgängen tragen, nnd denen, wenn sie nur von ihren: Leiden geheilt werden, es auch auf eine protestantische Bibelstunde nicht ankommt. Das Einfachste scheint zu sein, de!: Gottesdienst aufzuheben. Dann verliert aber das Hospital sofort seine Krankenpflegerinnen. Die Annahme gewöhnlicher ״irarses“ ist aber eine riskante Sache. Nebenbei sträubt sich auch das Comite nnd vor Allem der durch seine Munistcenz und große Wvhlthätigkeit bekannte Schatzmeister Baron v. Schröder gegen diesen Schritt. Ich kenne zwar die Einrichtungen des deutschen Hospitals nicht. Mir will aber scheinen, dass sich doch Vorkehrung treffen ließe, die Protest-Juden und -Katholiken, zusammen in einen besonderen Raun: zu legen, wo sie von der Bibelstnnde nicht in Anspruch genommen werden. Die Angelegenheit sollte sich auf die eine oder die andere Weise aplaniren lassen. ״Where 18 a will, there 18 a way.“ Es ist schon hässlich genug, dass die Frage aufgeworsen wurde. Hoffentlich verschlimmert sie sich nicht durch den Eigensinn auf der einen oder der andern Seite. Es wäre das höchst bedauerlich für den ausgezeichneten Ruf. den die Anstalt bisher genossen hat.