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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-05-01 · Heft 12 (1.5.1894) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 12 (1.5.1894)
Date
1894-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12. Gesterreichisch-nngarische Lantoren-Aeitlmg. Seite 7. geschulter Stimme und ausdrucksvollem Vortrag keuunen. Von den Genannten sind Frl. Lederer für die Wiener Hofoper, Frl. Kornfeld für Hamburg und Herr Dvnauer für Weimar von der nächsten Saison au eugagirt. Das Zöglings-Orchester dirigirte Herr Director und Hvfopern-Capellmeister I. N. Fuchs mit bekannter Meisterschaft. Protznitz. Am 15. April wurde in nuferer Nachbarstadt Olmütz Herr Dr. Adolf Brecher zur ewigen Ruhe bestattet. Der Verblichene war der Sohn des im Jahre 1873 hier Heimgegangenen Arztes Dr. Gideon Brecher, der nicht nur in feinen philosophischen und medicinischen Werken ein ewiges Andenkeil zurückließ, sondern vielmehr noch durch seine Lerltseligkeit und seine unbegrenzte Humanität sich ein unsterbliches Denkmal in den Herzen aller seiner Mitbürger errichtet hat, die ihre Verehrung und Dankbarkeit dadurch zum Ausdrucke brachten, dass sie die Hauptgasse des israelitischen Stadttheiles und eine großangelegte Alterversorgnngsaustalt nach seinem Namen benannten. Als Dr. Adolf Brecher seinem großen Vater am offenen Grabe den Abschiedsgruß nachrief, da schwur er, in den Fnßtapfen seines Vaters zu lvandeln, obwohl er zweifle, ihn jemals erreichen zu können. Und siehe da, als hebräischer Gelehrter, als geistvoller Poet, als gewandter Belletrist, als vielgesuchter Arzt hat er seinen Vater erreicht und als Mensch in wahrem Sinne des Wortes noch überholt. Abgesehen davon, dass er bis zu seiner letzten Lebensstunde selbst schon schwer leidend, bei jeder Witterung, zu jeder Nachtstunde, ohne Unterschied der Confession, selbst in die armseligste Hütte eilte, um Heilung zu bringen, hatte er noch, bei einem armen Kranken angelangt, stets eine ansehnliche Gabe in Bereitschaft, um unbemerkt dieselbe zu überreichen und, ohne Dank dafür empfangen zu wollen, wieder rasch davonzueilen. Die Betheiligung an dem Leichenbegägniße war deshalb auch eine ungemein großartige. Der städtische Magistrat mit dem Bürgermeister, die Civil- und Militärbehörden, die Geistlichkeit, sünlmtliche Militär- und Civilärzte, alle Vereine und Schulen, mit einem Worte, die ganze Stadt 1tnb ihre Umgebung waren erschienen, um dem Edelsten aller Menschen noch das letzte Geleite zu geben. Im Trauer- Hause eröffuete Herr Cantor Stößt er unter Assistenz des Herrn Moritz Drucker und des gut geschulten Chores Punkt 5 Uhr die Tranereeremonie durch Jntonirnng des ״ckosolls-cv be’ssesser“. Hierauf setzte sich der ungeheure Zug in Bewegung. Am Friedhofe, der kaum die Hälfte der Trauergäste fassen konnte, Hielt der Olmützer Rabbiner, Herr Dr. Oppenheim, die Trauerrede, in welcher er in breiten! Rahmen die Verdienste des Verstorbenen als Arzt, Gelehrter und Mensch znsammenfasste. Dann bestieg unser Bezirksrabbiuer, Herr Dr. Hofs, die Kanzel und Hielt im Namen unserer Gemeinde und der Chewra-Kadischa, deren Ehrenmitglied der Verblichene war, einen kurzen warmen Nachruf. Nach dein Herr Ed. Hamb n r g e r als College in der Cnltus-Nepräsentanz von dem Verstorbenen herzlichen Abschied genommen und der Gesangsverein einen tiefergreifenden Grabgesang abgesungen hatte, wurde der schmucklose Sarg in die Gruft gesenkt, wobei noch ein altes Mütterchen herzzerreißende Klageworte ins Grab rief, dass ihr der Heilspender, der Wohlthüter und Rathgeber entrissen worden ist. So den edlen Menschenfreund der gebührende Lohn im Jenseits erwartet, so möge wieder hieniden den gebeugten Hinterbliebenen heilsamer Trost zu Theil werden. Rum bürg. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, fand Dienstag den 17. d. M. die Einweihung des hiesigen neuerrichteten und prächtig ausgestatteten Gotteshauses statt. Präcise 11 Uhr erschienen die Spitzen der Behörden, sowie ein zahlreiches Publikum. Die Feier begann mit einem von Frl. B a n d l e r meisterhaft vorgetragenen Präludium. Hierauf begrüßte unser hochgeehrter Herr Cultnsvorsteher D. Jerusalem die erschienenen Gäste, hielt eine herzliche Ansprache und schloss mit einem Hoch auf Se. M a j e st ä t d e n K a i s e r, in welches die Versammelten begeistert einstimmten. Nach dem Absingen des Ma towu entzündete unser ehrwürdiger Herr Rabbiner I. Popper das ewige Licht, hob die Bedeutung desselben hervor und hielt sodann nach Umzug mit den Thorarollen die eigentliche Festpredigt. Hierauf verrichtete derselbe vor geöffneter Bundeslade das Weihe- und Kaisergebet. Mit dem Absingen der Volkshynine mit Harmoniumbegleitung fand die erhebende Feier ihren Abschluss. P. Neu-?Zander. Dienstag, den 17. April brach in der hiesigen Stadt ein großer Brand ans, der furchtbare Ver- Heerungen anrichtete. Die Hilfe der Feuerwehren erwies sich als ungenügend, und hauptsächlich dem thatkräftigen Eingreifen des hiesigen Oberstlieutenants, Herrn Alexander Edlen von W o l n y, ist es zu verdanken, dass nicht die ganze Stadt sammt der angrenzenden, dicht bevölkerten Ortschaft Zalnbiueze vom Feuer verzehrt wurde. Oberstlieutenant v. Wolny, Cvmmandant der hier statiouirten Truppen (eines Bataillons der Landwehr) schickte einen Theil des Militärs zur Bewachung der wichtigsten Punkte der Stadt, während er einen anderen Theil beauftragte, den Bürgern bei der Rettung ihrer Habseligkeiten behilflich zu sein. Der Rest half bei den in Thätigkeit gesetzten Spritzen und beim Anseinanderwerfen der Holzbauten. So sah man denn, während es an allen Ecken lichterloh brannte, die braven Soldaten überall helfend eingreifen. Die Ausdauer, welche die Officiere sammt ihrer Mannschaft an den Tag legten, war bewunderungswürdig. Der Brand dauerte 24 Stunden nnnnterbrochen fort, und während dieser Zeit konnte man die Soldaten fortwährend bei ihrer Arbeit sehen. Es wurden zwar die Feuerwehren von Krakau, Tarnow, Limanowa, Gorlice, Grybow und anderen Ortschaften um Hilfeleistung ersucht, jedoch bevor sie kommen konnten, wäre die ganze Stadt eingeäschert!vorder!, wenn die Soldaten nicht so erfolgreich den Brand be-- kämpft Hütten. Während die Mannschaft beim Löschen des Feuers und beim Bergen der Habseligkeiten die Bürger und die Feuerwehr unterstützte, überzeugte sich der Herr Oberstlieutenant in Begleitung einiger Officiere persönlich von der pünktlichen Durchführung seiner Befehle, und sie legten auch selbst hilfreich Hand an. Oberstlientenant v. Wolny erfuhr, dass in einem Hause eine Frau schwer krank daniederliege. Rasch gieng er mir seiner Begleitung in die im ersten Stockwerke der Baron Hirsch- Schule gelegene Wohnung des Oberlehrers Herrn Zaunkönig und erkundigte sich nach dein Befinden der kranken Gattin desselben. Er setzte der Kranken die Nothweudigkeit einer Flucht aus dem bedrohten Hause auseinander und trug sie selbst in das vor Feuersgefahr am meisten gesicherte Augmentativns- Magazin, woselbst er sie bei der Familie des dort wohnenden Büchsenmachers Fröhlich unterbrachte und ihr die möglich größte Bequemlichkeit zu Theil werden ließ. Seine Begleiter, Herr Oberlieutenant Rosenkranz und Herr Lieutenant S ch m i e d l des 60. Landwehr-Bataillons, packten die ihnen vom Schulleiter gereichten werthvollen Gegenstände zusammen und trugen sie ebenfalls ins Magazin, während der Schulleiter - Zurückbleiben musste, um die Sicherung und Verwahrung der Kellerräume, in denen es bereits brannte, zu überwachen. Auf den freien Plätzen sah man die dort angehäuften Habseligkeiten verbrennen; auch in vielen Kellern, deren Luftfenster schlecht verwahrt waren, verbrannte alles dorthin getragene Gut, weil der Wind Funken hineingeblasen hatte. Die Abbrändler campirten unter freiem Hirmnel an den Ufern des Dunajec und der Kamienica. Die Behörden wendeten sich an die Nachbarorte um Unterstützung für die Verunglückten. Bis jetzt vertheilte inan unter die Abbrändler Brot aus Alt-Sandec, Grybow und Gorlice. Die israelitische Cnltusgemeinde in Krakau, sowie das dortige Wohlthätigkeits-Bureau der Baron Hirsch-Stiftung schickten zwei Waggonladungen Mazzes und Kartoffeln. (Da Neu-Sandec einen großen Theil jüdischer Einwohner hat, wurde an den Peßachtagen von sümmtlichen Kanzeln der Wiener Cultusgemeinden zu milden Spenden siir die abgebrannten Glaubensgenossen ansgefordert. Bisher sind auch schon nahmhafte Beträge eingelanfen.) Tie Redaction. Die geehrteir Herren Abonnenten, welche durch das Pesiachfest verhindert waren oder vergehen haben sollten, den Abonnementsbetraa für das am 1. April begonnene II. Nnartal rinzusenden, werden höstichst ersucht, dies umgehend nachzuholen. Die Administration.

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