Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 10 (1.4.1894)
- Date
- 1894-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Hulbjäürig.fl. 2.— FiirCrnitdrenu.Cultusbrrnnte im Auslrnrd Gaiizjährisi.8 Mark oder 4 Rubel. Für private und Institnte Gauziährin Pränumcrations-Prcis. FiirCantvrrn n.Eultnsl'eamtr in Sesterreirl;-L!nsarn sl 6.- Central-Organ Kedartion für die Intereffrn der Cantoren und Cultusbeamten. Administration! Wien! IT.. Novaraga jse Nr. 27. Erscheint jeden zehnten Tag. Inserate j. werde» billigst berechnet. i; Dianuscripte werden nicht ( retonrnirt. Begründer: Obercanior Jacob Bauer. Abonnements- 1t. Insertion», betrage sind in Wien;ahlbarlr. 10. Wien» 1. April 1894. 14. Jahrgang. Abonnements-Einladung W Mit dieser Nummer beginnt das II. Quartal des Henrigen Jahrganges und wir ersuchen um sofortige Erneuerung des Abonnements nnd Einsendnng -er Pränmnerationsgebühr. Die Administration. Nwodas Iisrorl. Der israelitische Gottesdienst (Mannscript -104 S.) von I. L a ch m a n n n. Besprochen von Obereantvr Singer, Wien. (Schluss.) Seite 197 schreibt der Herausgeber des vorliegenden Werkes: ״Die Charakteristik frer Jekum purkon--101uu־t besteht darin, dass trotz des Durcharakters derselben die Terz und Septime dennoch klein, dafür aber die Quarte übermäßig ist, jedoch wird auch die große Terz häufig gebraucht, zuweilen auch die große Septime angewendet." Auf der Basis dieses etwas systemlosen Systems erscheint auch in Nummer 134 (332) ein sechszeiliges Neeitativ-Fragment ,.Lechol keholoh. kadischo hoden“ anfgebant: das Tonstückcheu ist mit 4 Kreuzen verzeichnet, doch.treten die Auflösungs- und Erhöhungszeichen legionartig auf. Wozu die Borzeichnung, wenn dieselbe nicht eingehalten werden kann? Wozu die Vergewisserung und Bekräftigung einer Durtonart, wenn die kleine Terz, mit alleiniger Ausnahme des allerletzten Taktes, obligat auftntt? Oder gibt es etwa eine andere Charakteristik für die Durtonart als die große Terz? Ganz ähnlich verhält es sich mit dem vorgezeichneten ״Bier-Vierteltakt". Unter der Botmäßigkeit des Metronom gesungen, seufzen diese leichtfüßigen Sechzehntel- und Zweinnddreißigstel-Noten über die ihnen anferlegte, unnatürliche Fessel und bei der gebotenen Berücksichtigung des Textinhaltes ist man zu einem wiederholten Ritardando und Ruhepunkte, demnach zu einer andauernden Rücksichtslosigkeit dem vorgezeichneten Gesetze gegenüber, veranlasst. Also wieder der. allbekannte Nothschrei, dass das sogenannte ״Sagen" sich unmöglich in modernmusikalischer Weise verzeichnen lässt, ohne an seiner Eigenart beträchtlich einzubüßen, ja zumeist sogar zum Zerrbilde zu werden. Es ist sicherlich unerquicklich, so viel nnd ausführlich über diesen Gegenstand zu sprechen, allein unsere Sache ist eine heilige nnd von diesem Gesichtspunkte dürfen wir keine Gelegenheit außer Acht lassen, um immer und stets unverdrossen für dieselbe eine Qrnze zu brechen. Gleich eifrigen Kämpen aus dem Boden eines anderen Glaubens, die mit der Macht der Wissenschaft gegen die phrygische Mütze und andere kirchentvnartliche Waffen Jahrhunderte lang gekämpft/ können auch wir unsere traditionellen Standarten hervorholen nnd müssen als begeisterte Krieger entschlossen sein, unter diesem heiligen Banner mit der Macht der Ueberzengnng zu kämpfen und zu kämpfen. Hier können weder persönliche Beziehungen geschont noch Herzensangelegenheiten berücksichtigt werden; ans diesem heilig e u Boden gilt einzig und allein nur die Wahrheit und der Beweis. In diesem Recitativ-Fragmente Nr. 134 (332» klingen ja allerdings gute, bekannte, in der nun verblichenen Meschvrerzeit oft gehörte und oft geübte Töne an unser Ohr, schmeicheln sich auch in mächtiger Weise in unser Herz, als ob sie uns das Zugeständnis für ihre Ehrwürdigkeit abringen nnd unsere Bürgschaft für ihr ״Alterthum" erzwingen wollten. Allein in solchen Momenten muß unsere Sympathie schweigen nnd den gleißuerischen Schmeicheleien gegenüber die ganze Macht unserer Einsicht in den Vordergrund treten. Diese Klänge gehören ebensowenig der antiken Zeit ein, wie die der Lol nidre- Melodie: es sind einfach Töne einer modernen Molltonart mit zufällig erhöhter Quarte, wie in der sogenannten Zigennerskala: auch die Musikphrase ist zumeist modern nnd tritt bei den Text- Worten wejitten archo liscimeclion in solch' transparenter Weise hervor, dass füglich alle Zweifel schwinden müssen. Was einigermaßen an den Traditionsgesang erinnert, das sind einzelne, schattenartig vorüberziehende Anklünge an den skdowpj-rliolook-Steiger, überall, wo die kleine Septime in der aufsteigenden Skala sich bemerkbar macht oder Anklänge an den .Ii80ktada611-Steiger bei abwärts bewegter Passage mit übermäßiger Quarte und kleiner Terz. Hütte der geehrte Herausgeber bei Aufzeichnung dieses Reeitativs an eine moderne Molltonart gedacht, so wären ihm die meisten AuflösungS- Zeichen, namentlich die siir die kleine Terz bestimmten, erspart Worden.