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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-03-21 · Heft 9 (21.3.1894) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 9 (21.3.1894)
Date
1894-03-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis. FnrCsnkorrn u.Cuttuobearnte in Vrfirrrrirh-Ungarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjäbrig.fl. 2.— FiirCankorrn u.Culiusbearnle im Ausland- Ganzjährig ..... 8 Mark oder 4 Rubel. Für Prioatr nnd Infiitutr Ganzjährig.fl 6.— Zeitnn Gentpal-Opgan für die Interessen der Cantorrn und Cullusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor lavob Lause. KrdarLion und Administration Wien II., Novaragajse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Aüonnemrntsu. Insertion», betrage sind in Wien ratzlbar- Nr. 9. Wien, 21. Mär; 1894. 14. Jahrgang. Abraham Vary Cantor der israelitischen Gemeinde in Gothenburg, Schweden. Geboren am 26 Dezember P3H — gestorben am 7. März Aus dem fernen Norden dringt jäh und unerwartet zu uns eine Kunde, die überall, wohin sie gelangt, aufrichtige Trauer mib schmerzlichstes Mitgefühl wachrnfen wird. Abraham B a e r, einer der Edelsten und Besten der Unsrigen, eine Leuchte und Zierde des Cantorenstandes ist am 7. März aus dem Leben geschieden. Nicht der Glanz seiner Stellung, nicht das Ansehen seiner Gemeinde, nicht der Zufall der ihn umgebenden Verhältniße hat seinen Namen groß gemacht, sondern einzig und allein der Werth seiner eigenen Persönlichkeit hat ihm in- und außerhalb seines Wirkungskreises Achtung und Anerkennung erworben. Hoher sittlicher Ernst war der Grnndzng seines Wesens und dieser führte ihn von kleinen Anfängen an die Seite jener Männer, deren Namen mit goldenen Lettern in der Geschichte des Cantorenthums eingegraben sind. In Rußland geboren, war Abraham Baer in frühester Jugend ״Singerl" bei Jisrolke S kn der, der die Liebe zu seinem zukünftigen Berufe in ihm wachrief. Von einem mächtigen Drange nach Vervollkommnung geleitet, zog es ihn fort von der Heimat, und so kam er nach Deutschland, wo er an dem Vorbilde trefflicher Meister ׳und׳ ausgezeichneter Berufsgenossen mit eisernem Fleiße sich bildete und läuterte, bis er sich selbst würdig fand, in die heilige Berufssphäre einzutreten. Im Jahre 1857 wurde Abraham Baer nach voriibergehender Wirksamkeit in Pa ko th (Provinz Posen) und C n l m (Westpreußen) nach Gothenburg in Schweden berufen. Und als er hier in den sicheren Hafen einer wohl nicht übergroßen aber hochintelligenten und angesehenen Gemeinde eingelaufen war, da gab es für ihn nicht ein Ausruhen von der bisherigen, anstrengenden Thätigkeit, sondern er erachtete erst jetzt den Momentfür gekommen, um dieSumme seines Wissensund Könnens zum Wohle Anderer fruchtbringend anzulegen. Zurückgezogen von dem lauten Toben der Welt, lebte Baer in stiller Klause, dem mächtigen Zuge seines Herzens folgend, und arbeitete unverdrossen fünfzehn Jahre lang an der Verwirklichung eines Gedankens — der Herausgabe seines ״Bal-PsMa, der praktische Vorbeter". Fünfzehn Jahre! Es ist leicht ausgesprochen. Desto mächtiger ergreift es unD aber, wenn wir daran denken, welche Resignation, welch' tüchtiger, sittlicher Kern in der Brust eines Hannes ruhen muß, der durch seine ausgezeichneten Fähigkeiten für eine große Stellung prädestinirt, in seinem bescheidenen Wirkungskreise allen weiteren ehrgeizigen Bestrebungen entsagt; der sich von allen schweren Kümmernißen des Daseins, von all' den Lockungen und Trübungen des Erdenlebens zu befreien vermag, um, einer Biene gleich, Tropfen zu Tropfen sammelnd, täglich sein Lieblingswerk wachsen zu sehen, und endlich nach fünfzehn Jahren rastlosen Strebens der Mitwelt ein Vermächtnis übermittelt, welches ein unschützbares Kleinod für die Cantorenwelt, aber auch ein granitenes Monument für ihn selbst ist. B aer 's ״Bal-Tefijlfs* war die erste umfassende Sammlung des gesammten deutschen, polnischen und portugiesischen Chasonus, die noch durch viele eigene, gelungene Reeitative für den Cantor, zahlreiche Chorresponsorien und Composrtionen mit Orgelbegleitung, sowie durch Auszüge aus den besten synagogal-gesänglichen Werken anderer Meister eine werthvolle Ergänzung fand. Der großartige Erfolg, den sein Werk errungen, die vielfache Anerkennung, die es allseitig gefunden, hat jedoch Abraham Baer nicht stolz und überhebend gemacht;, nach wie vpr blieb

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