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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-03-01 · Heft 7 (1.3.1894) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 7 (1.3.1894)
Date
1894-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. aus dem Vorstande, mit dem Präses Mor. Rosenberg an der Spitze, den Vorstehern der Tempelverwaltung und sümmtlicher hierortigen Wohlthätigkeits-Vereine und dem Beamtenkörper aus seiner Wohnung abgeholt, woselbst Herr Religionslehrer Rosen seid die Gefühle der Deputation und den Zweck ihres Hieherkommens verdolmetschte. Tief ergriffen, schloss sich der Jubilar der Deputation an, und wer vermag den Enthusiasmus zu beschreiben, mit der der Jubilar im Saale begrüßt wurde. Unter Leitung des Ober-Cantors Berger stimmte der Tempelchor ein Borach haboh. und üdvözlö dal an und hernach betrat Herr Rabbiner Dr. Adler die Estrade und hielt eine V2stündige schwungvolle und zündende Festrede, in der er den Jubilar als tüchtigen Cantor, als leutseligen Menschen und besonders edlen Charakter markirte. Das Psalmlied ״Hallelu" beschloss den officiellen Theil, dem das Festmahl folgte, welches viele Toaste zu Ehren des Jubilars brachte. Als Erster erhob Herr Dr. Bruk, Schulpräses und 2. Gemeindepräses im Namen der Gemeinde das Glas auf den Jubilar und schilderte dessen Verdienste während seines 30-jährigen Wirkens in der Gemeinde; hernach Herr Rabbiner Dr. Nascher mit seinem zündenden Nednertalent, der die Gemeinde hochleben ließ, die es versteht, die Verdienste ihrer Beamten zu würdigen und dem Verdienste die Krone zu reichen. Ober-Cantor Berger ließ seinen Vorgänger hochleben als Pflichttreuen Beamten, als liebenswürdigen Collegen und als Schöpfer des hierortigen modernen Gottesdienstes. Bei dieser Gelegenheit überreichte er dem Jubilar ein Album, inhaltlich die ihm zu Ehren componirten Compositionen Na towu und Mischeberach.. Cantor Braunfeld wünschte im Namen der Beamten Odjenirwrui. Der Professor der Bürgerschule Lajos K o h n gratulirte im Namen des Lehrkörpers, und nachher toastirten die Herrn Dr. H erman. Dr. Neu, Vorsteher Stern, Will) elm und die Lehrer Ro senfeld und Pollak. Zum Schluss erhob''der Vorsteher Dr. Julius Hess er sein Glas auf die ganze Gesellschaft und beantragte, in Würdigung der Verdienste des Jubilars und um die ihm entgegengebrachte Sympathie für die Nachwelt zu verewigen, möge ein Fond gegründet werden/ mit dem Namen ״Mand el-Cantor- Fond", dessen Zinsen alljährlich an zwei der ausgezeichnetesten Chorknaben vertheilt werden sollen. Die sofort eingeleitete Sammlung ergab ein Resultat von 400 fl. Nach so vieler Sympathiebezeugung und so vielen Glückwünschen erhob sich der Jubilar tief gerührt und sichtlich ergriffen zu einer Erwiderung. Er begann mit den Worten der' heiligen Schrift ,.Lotauuti naiLol hachassodim“ ״Womit habe ich mir diese Auszeichnung verdient gemacht? Wahrlich ich bin in Verlegenheit! Ich finde keine Worte, für diese Ehrenbezeugungen in würdiger Weise zu danken.׳ Was habe ich gethau? Ich habe meine Pflichten als Beamter in der Gemeinde, als Mensch in der Gesellschaft erfüllt und bin sehr stolz, mein halbes Leben in einer solchen Gemeinde vollbracht zu haben. Baja verdient es wahrlich, als Mustergemeinde Eingestellt zr werden, ihre Schulen, ihr Gottesdienst und alle ihre Institutionen sind durchweht vom jüdischen Geiste, ihre Talmud Tora ist lobenswerth, und dies alles haben wir vor allem dem hochverehrten Vorstande zu verdanken. Wohl hat die Gemeinde durchwegs pflichttreue, tüchtige und fleißige Beamten, aber ist auch jede Gemeinde so einsichtsvoll wie die Bajaer? Nein, und hundertmal nein! Dafür, meine theueren Freunde, gebührt Ihnen besonderer Dank, Sie verdienen als Musterbild hingestellt zu werden. Die Gemeinden mögen Einsicht haben, was sich einem ausgezeichneten Beamten gegen־ über gebührt; nicht mir haben Sie gehuldigt, sondern sich, nicht mir allein haben Sie den Dienst erwiesen, sondern allen Cultusbeamten. Ich mit allen meinen Amtscollegen, die ihre Stimme Gott geweiht haben, rufen Euch jedem Einzelnen zu: Hakodausch boruch hu jesehalem sechorom wejischlach berochoh 'wehazlochoh bechol maasse jedehem im kol jisroel achehem wenaumar omen. Hierauf wurde ein von Herrn Dr. Adler aus diesem Anlasse verfasster Mifcheberach von Obercantor Herrn Berger in Musik gesetzt, vom Chor vorgetragen, und nachher folgten viele Piecen von den hohen Feiertagen. Erhebend war anzuhören, als der Jubilar nach dreijährigem Ruhestande seine alten Piecen vorturg. Dieser Jubel, dieses Entzücken ist kaum möglich niederzuschreiben. Hierauf wurden die Telegramme und brieflichen Gratulationen, die über 200 betragen, von Obercantor Berger vorgelesen. Hervorragende Depeschen sind zu verzeichnen: Dr. Salven di D ü r k h e i m; Obercantor Singer, Obercantor Bane r, Wien; Obercantor Linh ard, Hannover; Geiger, München; Geiger Mannheim; I a r m u t, Schwechat; Dr. K o h n, Ober-Cantor Lazarus, Cantor S u s ch n i, Dr. G o l d b e r g, Ober-Cantor Ed. W e iß, Leo F r an k, Budapest; K a r t s ch m ar o f f, Kanizsa; . Kohn, Grünzweig, Arad; Sz anto, Raab; Schön, Neusatz; Gessler, Rechnitz; Stössel, Pilsen u. s. w. Von sämmtlichen Cantoren Ungarns, von vielen mährischen und böhmischen, ferner vom ungarischen israelitischen Cultusbeamtenverein, von der Totiser und Bajaer Gemeinde langten Gratulationen ein. Bis 4 Uhr Früh war die Gesellschaft in heiterer Stimmung beisammen. Möge diese Feier recht viel Nachahmung finden. Dem Jubilar, dessen Biographie wir uns für nächstens Vorbehalten, wünschen wir, auch noch sein Nsoh-Mahl feiern zu können. B . . . . r. GrvH-Ksnisza. Unter dein Vorsitze des Herrn Adolf Löwy fand am 7. Adar die ordentliche Generalversamlimg der Chewra-Kadischa statt. Der verlesene Rechenschaftsbericht bezeichnet das abgelaufene Jahr als ein günstiges, indem es dem Vereine möglich war, sowohl eine größere außerordentliche Ausgabe zu bestreiten, als auch den letzten namhaften Restrückstand fiir den Bau des Ziduk Hadinhaufes, dessen Kosten 12000 fl. betrugen, vollständig zu tilgen. Der Gesammteinnahme von 4500 fl. standen die Ausgaben von rund 400 fl. gegenüber. Infolge der Anwerbung einer jüngeren Kraft als Spitalwärter wird den: Spitale in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zugewendet, die Aufnahme der Kranken erleichtert und diese humanitäre Anstalt in allen ihren Theilen den Anforderungen der Zeit entsprechend ausgestattet werden können. Die Kosten der Krankenpflege betrugen in diesem Jahre bei einer Verhältnismäßig geringen. Frequenz 600 fl. Den Rechnungsausweisen entnehmen wir.ferner, dass der Verein einen Spitalfoud, einen Reconvaleszentenfond, Grabstein-Renovirungsfond und mehrere Seelenheil-Stiftungerl verwaltet. Nach Verlesung des Rechenschaftsberichtes erfolgte die Ernennung des Obercantors Herrn Leon Kartschmaroff zum Ehrenmitgliede und die Wahl des Ausschusses. Vom Sitzungssaale begaben sich die zahlreich versammelten Vereinsmitglieder zum üblichen Gottesdienste in den Tempel, wo Herr Oberrabbiner Dr. Neumann dem jüngst verstorbenen Wiener Oberrabbiner Herrn Dr. Adolf Jellinek eine gediegene Gedenkrede hielt. Ausgehend von dem ersten Verse der Wochenperikope, in welchem Ahron dem Hohenpriester, die Wahrung des ewigen Lichtes im Tempel anbefohlen wird, verglich der Redner den Verklärten, den Träger des ähnlichen Namens, als Kämpfer für Licht und Wahrheit mit dem biblischen Hohenpriester, in dessen Erbgut er getreten. Und so wie jener auf der Brust die Namen der 12 Stämme Israels trug, so barg dieser in seiner Brust das Wohl und Wehe seiner Nation. Das ״Lbds8oh la Adonaj“, das der Stirnschmuck des Hohenpriesters war, hat sich Dr. Adolf Jellinek zur Devise gemacht, der er sein ganzes Denken und Fühlen widmete. G. Slrllenvrränderung. Herr Cantor A. R e i ch h a r d, bisher in Pucho, ist mit Acclamation als Obercantor nach Mähr. Weißkirchen berufen worden. Berichtigung. Im Artikel ״R. Jes. Hurwitz" vir. 6, Seite 5, 1. Spalt?, Zeile 26 von nuten fehlen einige Worte. Es soll daselbst heißen: ״Denn die damalige Justiz verurtheilte einen Dieb, der einen bedeutenden Diebstahl verübt hatte, znm Tode. In der That wurde auck unser A, nachdem er vor Gericht geladen ward rc." Die geehrten Herren Abonnenten, welche den Abonnementsbetrag für das laufende Quartal noch nicht entrichtet haben, werden höflichst ersucht, denselben umgehend einzusenden, damit nicht nenerdings Rückstände anwachsen. Die Administration.

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