Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1894)
- Date
- 1894-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Veste rreichisch-ungarische Central-Organ Pränumerati ons-Preis. Central-Organ Redartion! FnrCankvren u.Cultusbeamtr in Vesterreirh-Nngarn für die Interessen der Csntoren und und! Administration Wien II., -lovaragasse Nr. 27. Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig.fl. 2.— Cultusdeamten. FiirCantoren u.Cultusbeamtr Erscheint jeden zehnten Tag. Inserate im Ausland werden billigst berechnet. Ganzjährig . . 8 Mark Manuscripte werden nicht oder 4 Rubel. retournirt. Für Private und Institute Ganzjährig . fl 6.— Begründer: Obercantor laevb Bauer. Abonnementsu. Insertion», betrage sind in Wien zahlbar- Nr. 4. Wien, 1. Februar 1894. 14. Jahrgang. Der jüdische Gottesdienst. in. Die Sprache istdas Edelste und Erhabenste, das der Mensch׳ als organisches. Wesen > dein Thiere .voraus hat. - Sie allein, ermöglicht ihm, sich mit dem gleichgearteteil Nebenmenschen über alleseine׳Angelegenheiten und Bedürfniße zu einigem und zu verständigen und gibt ihm dienöthigen Mittel an die Hand, all' sein Denken und Fühlen auch Änderern-FN-wsfenbaren. Je 'edler, je logischer, je inhaltsvoller'diese Sprache dann ist, desto wirksamer und eindringlicher, kann sie dann den beabsichtigten Zweck erreichen und vermittelst ihrer das Herz,des Zuhörers für-sichs einnehmen. Versteht Jemand noch dazu, seine Worte und Begriffe in wohlklingende, nach den strengen Gesetzen der Redekunst geformte Sätze zu kleiden und sie angenehm und verständnisvoll vorzntragen, dann wird er gewiss die erwünschte Wirkung nicht verfehlen und seines Erfolges sicher sein. . Das gilt nun von gewöhnlicher, profanec Rede, die zwischen Mensch und Menschen gepflogen und geführt wird; ungleich höher und - bedeutender aber ist jener Theil des Sprachvermögens, welcher ״Gebet" genannt wird und der dazu bestimmt ist, den Verkehr mit der. Gottheit zu bewerkstelligen und die menschlichen Angelegenheiten alle vor den Thron des Allmächtigen zu bringen und sie dort zu vertreten. . Mit welcher Vollkommenheit müssten also, von diesem Gesichtspunkte betrachtet, die Gebete verstanden und zum Ausdrucke gebracht werden? Und da sie doch nicht selbsterfunden sind, so sollten sie wenigstens selbstemPfunden sein, wenn sie bei Gott und Menschen von Eindruck sein sollen. Aber nein! Es ist gerade, als ob die Menschheit in Anbetracht des Gebetes ganz verlernt hätte, klar und vernünftig zu denken. Alles soll nur auf die Quantität nichts aber auf die Qualität der Gebete ankommen. Es ist zwar wahr, die Gebete sind feststehend und unveränderlich; ..sie bleiben immer dieselben, ob sie mit höchstem Verständnis, vollster Klarheit oder' mit größtem Unverstand hervorgebracht werden. Allein, was nutzen die Kiesel- ׳steine-Demjenigen, ׳der nicht weiß, dasssie Edelsteine in sich;.bergen? Gott weiß es aber doch, und da müssen wir allerdings das Gleichnis ein wenig modiflziren und fragen: Was nützt es. wenn man bewusstlos Jemanden Diamanten hinwirft, die von ihm ebenso unbeachtet bleiben, als ob sie gemeine Kieselsteine wären? Das viele gedankenlose Sagen und Beten hat sich aber schon frühzeitig bei unserem Volke eingenistet und ist so zur allgemeinen Plage geworden, dass schon unsere frühesten und größten Propheten ihre Aufmerksamkeit diesem krankhaften Zustande zuwendeten und sich genöthigt fühlten, dieses verderbliche, der Verkommenheit zusteuernde Treiben mit den schärfsten Worten zu brandmarken nnd zu verurtheilen. Jefaia zetert darüber: ״Mit den Lippen, mit dem Munde verehrt mich das Volk wohl, sein Herz aber ist mir entfremdet und seine Gottesfurcht ist, wie er weiter hinzufügt, zur gewohnheitsmäßigen, mechanischen Werkheiligkeit herabgesunken." Aehnlicherweise lässt sich mich Jiriniah darüber ans, indem er sagt: ״Ihrem Munde bist Du wohl nah, weit ertfernt aber ihren Nieren, ihrem Verstände." So die feurigen, gleich mit Strafe und Untergang drohenden Propheten. Unsere ruhigeren Weisen aber verbergen ihren Groll und Aerger darüber hinter sanften, aber sehr sarkastischen Weisheitssprüchen und geißeln diese Untugend mit verstecktem Spotte. Der gestrenge Schamai hüllt sich plötzlich in Sanstmuth und ertheilt der sündigen Welt seinen wohlmeinenden Rath, mit den wenigen, aber vielsagenden Worten ״sage wenig — thne vielDass er mit diesem unscheinbaren Sprüchlein gerade das sinnlose Hersagen der Gebete treffen wollte, verräth schon der vorausgehende Satztheil, indem der ganze Passus iin Zusammenhange dermaßen lautet: ״Mache die Thora Dir zum Hauptzweck: sage wenig, thne (lieber) viel!" Das will nun heißen: Wozu denn die kostbare Zeit thatlos mit leerem Hersagen von verschiedenen Gebetsormeln vergeuden nnd die Gottheit damit bestechen wollen, wobei aber der Geist leer ausgeht und immer mehr versumpft und abstumpft; lieber doch etwas Lehrreiches und Tüchtiges lernen und leisten, und die werthvolle Zeit mit etwas Besserem nnd Einträglicherem ausfüllen und verwerthen. Es ist aber nicht der Schamai allein, der diese Fackel in die schlaffe, wachträumende Menschheit hineinwirst, auch der Talmud im Allgemeinen erweist sich nicht als besonderer Lieb- Haber vom vielen, selbst verstündnissvolleu Beten und Sagen und stellt bei einer passenden Gelegenheit die hochbedeutende Frage: "״תירתץ היאך משתמרת ומלאכתן מתי נעשית?־ Wenn beim