Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1894)
- Date
- 1894-01-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3. Seite 7. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeilung. türkische Familie nahm sich nun der verlassenen jungen Frau an, lud sie zu sich, und noch heute befindet sie sich daselbst in bester Pflege und wird fast wie ein eigenes Kind betrachtet. Roflel. Am 3. Jänner ist in Kostet der Senior der mährischen Rabbiner, Herr Rabbiner Samson Kulte, im Alter von 85 Jahren gestorben. Durch 55 Jahre wirkte er bis an sein Lebensende als Seelsorger dieser Gemeinde, in welcher er sich durch seine hohe Gelehrsamkeit sowie durch seinen milden, versöhnlichen Sinn die Liebe und Verehrung Aller erworben hat. Das Leichenbegängnis fand unter überaus zahlreicher Theilnähme der Nachbargemeinden statt, und die Trauerceremonien im Tempel und auf dem Friedhofe nahmen einen des hohen Ansehens des Verblichenen würdigen Verlauf. Rumburg. Zur Richtigstellung einer in voriger Nummer dieses Blattes veröffentlichten irrigen Mittheilung sei hiemit eonstatirt, dass nicht Herr Siegmund Pollak aus Wlaschim sondern Herr Ignaz Popper aus Chlumetz a. Cidlina als Bezirks-Rabbiner hieher berufen ist. Budapest. Dem ״Budapester Tagblatt" schreibt man: ״Es ist ein großer Jrrthum der ultramontanen Kreise — sofern es noch solche in Ungarn gibt — wenn sie meinen, dass der Clerus gegen die Civilehe Stellung nehmen wird. Mag sein, dass ein gemeinsamer Hirtenbrief geplant ist, mag sein, dass in den Kirchen gegen die Civilehe gebetet wird, der Clerus scheint doch in seiner Mehrheit — für die Civilehe zu sein. In der Regierungs- Partei sitzen bekanntlich drei katholische Geistliche: Silvius Rezey, Josef Todor und Norbert Francsies und da aus der Regierungspartei bereits alle jene Mitglieder austraten, welche gegen die Civilehe sind — es war im Ganzen eil: Einziger, der nicht einmal einen ״Revers" unterschrieben hatte, denn die Anderen 53 Abgeordnete, welche ״Reverse" unterschrieben, haben sich als Männer von Ueberzeugung die Sache überlegt, und stimmen jetzt für die Civilehe, und jetzt nur Anhänger der Civilehe in der Regierungsalias ״liberalen" Partei weilen, so darf man darauf Hinweisen, dass die drei katholischen Priester: Rezey, Todor und Francsies wahrscheinlich für die Civilehe stimmen werden. Dass sie noch Gegner der Civilehe wären, ist nicht anzunehmen, weil sie sonst längst die Regierungspartei verlassen hätten. Angesichts solcher erhebender Beispiele noch von clerikalen Agitationen zu sprechen, ist wirklich lächerlich!" Hiezu bemerken wir nur, dass aus dem Anfangs dieser Woche in Budapest stattgefundenen Katholikentage der gesammte Clerus und ihnen voran der Fürst-Primas Vaszary gegen die Civilehe Stellung genommen hat. Kempen. Nur wenig fehlte, und die becüchtigten ״L'antener Tage" hätten jüngst in Kempen a. R. ihre Auferstehung gefeiert. Der jüdische Metzger Lambertz erwartete einen Jungen aus Neukerk, der eine größere Quantität bestellten Fleisches bei ihm abholen sollte. Lambertz traf auf dem Heimwege einen Jungen aus Neukerk, und da dieser mit einen! Tragkorbe ausgerüstet war, hielt er ihn für den erwarteten Boten und forderte ihn auf, mit in seine Wohnung zu kommen. _ Als Beide in die Wohnstube traten, saßen, so erzählt die Franks. Ztg., in derselben zwei .ältere Männer, wie bald klargestellt wurde, christliche Metzger aus St. Hubert nnd Hüls, und der eine fragte Lambertz: ״Wo hast Du das große Fleischtuch'?" Da wurde es dem Jungen unheimlich. Er entfernte sich unter dein Vorgeben, erst noch eine Bestellung in einem Nachbarhause ausrichten zu müssen, und verbreitete alsbald im Orte die Schanermär, Lambertz habe ihn in sein Haus gelockt, um ihn abzuschlachten. Einige alte Juden (die christlichen Metzger) Hütten dort bereits auf ihn gewartet, Natürlich fand sich schnell ein gerngläubiger, angriffslustiger Pöbelhanfe zusammen. Der Bürgermeister beschied alsbald Lambertz zu sich, ließ sich den Hergang erzählen nnd Hielt ihn so' lange fest, bis auch die Ehefrau verhört war, deren Bekundungen mit denen ihres Gatten vollständig übereinstinunteu. Trotz der von Seiten des Bürgermeisters gegebenen Aufklärung glaubt der Junge ganz fest, man habe ihn schlachten wollen, und die Menge glaubt es ihm nach, oder gibt sich wenigstens den Anschein, es' zu glauben. Da die Juden keinen Moment sicher sind, dass nicht ähnliche Märchen anftauchen, hat sich ihrer eine erklärliche Beunruhigung bemächtigt. Rechnungs-Ausweis des österreichisch-ungarischen Cantoren-Bereines sür das Jahr 1893. Einna hnrrn 1 fl.! ׳ ־־׳־ ׳ ־־־״ .. Ausgaben i st- ' kr. Saldo-Vortrag vorn 1. Jänner 1893 . 204 981 Invaliditäts-Beitrag (Singer, Neubidschov) . . .! 200 — Mitglieder-Beiträge. . 397 1 Unterstützungen.! 65 — Pflichtbeiträge. 128 81 73 Zinsen des Vereinsvermögens. 327 75 Verwaltungs-Spesen. 71 34 Spenden. 50 — Besoldung des Vereinsseeretärs, Remuneration . 160 — Besoldung des Vereinsdieners.. . .! 20 — 1 Cantoren-Zeitung.! 100 —! ' Baarsaldo vom 31. Deeember 1893 .j 409 66 1107 73 11 ■ 1! 1107 73 Vrrmögensstand am 31. Derrmber 1893. 34 Stück 4-2 Perc. gemeinsame Notenrente, 3 Stück ä fl. 1000, 31 Stück 5. fl. 100. 1 ״ 3 ״ östcrr Bodcncredit-Los, Serie 2537 Nr. 33. 1 ״ ״ ״ ״ 3 ״ Serie 2530 Nr. 98 (gezogen m. Treffer v. fl. 100, Ziehung 16. November 1893) 1 ״ Gewinnstschcin von Bodencredit-Los Serie 2530 dir. 98.’. 3 4 ״ Perc. ungar. Theiß-Lose, Serie 0131 Nr. 38, Serie 0699 Nr. 75, Serie 4255 Nr. 16. 1 ״ 5 ״ Ein-Fünftel 1860-Los, Serie 17776 Nr. 13.. 5 ״ 4 ״ ungar. Hypothekenbank-Lose, Serie 1028 Nr. 65, Serie 1014 Nr. 65. Serie 1802 ׳Nr. 3l, Serie 1790 Nr. 27, Serie 1522 Nr. 55 ... .. 2 ״ 4 ״ ungar. Grundentlastungs-Obligationen 1 Stück ä fl. 500, 1 Stück ü fl. 100 .. 2 ״ 5 4 ״ ungar. Staatseisenbahn-Anlehen in Silber, Serie 822 Nr. 35, Serie 823 Nr. 1.. Baarsaldo vom 31. Dcccmbcr 1893... . *) Die Baarwerthe sind nach dem Course voin 31. Decembcr 1893 berechnet. Wien, am 31. Dccember 1893. M. Blatt. Nominale Baarrvcrth *' fl. 6100 fl. 6011.55 100 ״ 115.50 ״ — —.100 ״ —.15 ״ 300 ״ 25 428 ״ 100 ״ 161.60 ״ 647.50 ״ 600 ״ 574.50 ״ 200 ״ —.205 ״ 409.66 ״ Summa fl. 8668.56 Caffier. A. Kotter» Controlor.