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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-01-01 · Heft 1 (1.1.1894) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 1 (1.1.1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oeste rreichisch-unaarisfflie Pränumerations-PreiS^ ÄürCsniorrnn.CuUnsbrnnrir In Vrstrrreirh-Nngarn Ganzjährig. . . . . . fl. 4.— Halbjäürig.fl. 2.— FürCaniorrn u-Cultusbeamte im Ausland Ganzjährig . .. . . . 8 Mark oder 4 Rubel. Für Private nnd Institute Ganzjährig ..... fl 6.— Gentral-Organ ü.. Kr die Interessen der Eantoi CMusbeamten. rschernt jeden zehnten Redartion und Administrstion Wien Ij., Novaragasse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Begründer: Obercanrvr ^avob kausr. Abonnementsu. Inkerkions. drtrKgs'stud in Wien p»^^7»»rr Nr. 1. Wien, 1. Jännrr 1893. 14. Jahrgang. 3Der:. gefeierte Kanzelredner und hervorragende Gelehrte Dr. Adolf Iellinek, ~ Ober-Rabbiner, und Prediger der. '״ "״*■'- -Wiener Cültusgemeinde, ist Donnerstag, den 28. Dezember 7 Uhr ^Abends nach kurzem Krankenlager im 74. Lebensjahre gestorben. Eine ׳Zierde unh-׳ Leuchte des Judenthums, ein hellstrahlendes Vorbild glänzender Kanzelberedtsamkeit ist mit ihm dahingeschieden, em großer Mann ist einer großen Wirksamkeit entrückt worden, und trauernd-, steht nicht nur seine . Familie und die Wiener Cultusgemeinde, sondern auch das gesammte Judeüthum, dem er, wenn auch keH Eiferer,, mit. allen Fasern seines glühenden Herzens anhieng, an seiner Bahre. ״Nicht das bloße Wissen, Sinnen, Denken, Forschen und Grübeln ohne lebendigen und innigen Zusammenhang mit dem Schaffen und Wirken, dem Ordnen und Gestalten des Menschen, sondern die Umbildung und Ausprägung der Wahrheit in Recht und Liebe, die Entwicklung des irdischen Lebens zu einem bescheidenen Gang in innigster Gemeinschaft mit Gott, in Ver- ^^Mndüng mit seinem Geiste, dem Geiste von Recht und Liebe, HbyA-sittliche Stteben, die sittliche That, die sittliche Lebens- ^»-«^Wllettdung —. das allein ist das wahrhaft Gute, die Forderung Gottes, an den Menschen." Es ist ein Satz aus einer Rede des dahingeschiedenen Öber-Rabbiners und Predigers der Wiener jüdischen Cultusgemeinde Dr. Adolf Jellinek, den wir hier citirt haben. In diesen Worten eoncentrirt sich das Lebensprogramm Jellinek's, WD? Programm seiner! Wltswirkfäinkeit, das freiist pdn Irgend Echer ckhMogMK^. Krbung,/ und ׳das. vMH j>ZFrAittli<D Höher stshaMe Mensch,--zu welchem' GHrben 7H.Krmer-Mch bekönnen möge, zu üütersGreiben vermag?'^ -llitb darin liegt auch das Charakteristische des Mannes, dessen Hinscheiden nicht nur die ganze Judenheit zu beklagen allen Grund hat, dass er, so sehr seine Gelehrsamkeit .auf der Forschung der Wissenschaft seines Glaubens ruhte, in seinen Reden nnd Predigten allgemein menschliche Themen vom allgemein menschlichen Standpunkte behandelte und seine Lehren daher mehr Lebens regeln als Glaubens regeln wurden. £ . Er war weder ein starrer Orthodoxe, noch ein Eiferer, er war ein von den freiesten Auffassungen beseeltem Mann, der sein׳ Denken längst durch die hohe allgemeine Bildung, die ihm Z eigen war, derintercaMOsiouellenPhilofophie der großen Geister des Jahrhunderts.vermählt hatte, der in seinem Wirken, durch den vornehmen Ton seiner Reden, durch den Zauber seiner Sprache die Zuhörer zu sich emporhob und ihnen den Geschmack am Schönen beibrachte. Was Mannheimer, der erste Prediger der Wiener Cultusgemeinde vorbereitet hatte, war Jellinek beschieden zu vollenden, und die Sammlungen seiner Kanzelreden sind Lehrbücher für alle Jünger der synagogalen Rhetorik geworden. Stand er auch allen polittschen Streitigkeiten ferne, so berührten seine Reden doch oft brennende Tagessragen, die er jedoch in einer der Weihe des Ortes entsprechenden Weise behandelte, ohne als Kämpfer und Streiter auf der Kanzel zu stehen. Es ist leider eine nicht zu läugnende Thatsache, dass die beiden Repräsentanten des jüdisch-synagogalen Lebens, Rabbiner und Cantor, in vielen Fällen sich nicht mitder nöthigen Harmonie zusammenfinden und sich und ihrer Wirksamkeit die gebahrende Anerkennung versagen. Aber auch hierin bildete Dr. Adolf Jellinek eine glänzende Ausnahme, obwohl tiefdurchdrungen von der hohen Bedeutsamkeit des jüdischen Predlgeramtes und oft sogar als Feind der Cantoren verschrieen, ist. er ttotzdem zu wiederholten Malen durch Wort und Schrift für die Pflege und Förderung des jüdischen Tempelgesanges und hiemit für. hie .große.Wichtigkeit der.cantoralen Wirkungssphäre im jüdischen/ Gottesdienste eingetreten und: hat jenen. Vertretern [ M CanMäteA HK im Sinne, ihres heiligen Berufes wirkten, die gerechte. Anersinnung. niemals vorenth alten./ Unvergesslich wird ea uns. bleiben, mit welch' glühender Begeisterung er an der Bahre .'des. verewigten Professor Sulz er die Verdienste desselben um die Veredlung des Gottesdienstes schilderte und damit von der cantoralen Wirksamkeit ein Bild entwarf, wie es schöner und lebensvoller nie gezeichnet wurde.

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