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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-12-21 · Heft 30 (21.12.1893) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 30 (21.12.1893)
Date
1893-12-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oeste rreichisch-ungarische Canioren - Zeitung Pränumerations-Preis. FürCarNorrn u.CuUusbramkr in Vrfirrrrkch-Ungarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjäbrig ->!... fl. 2.— FürCanloren n.Cultusbes«rtr im Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig.fl 6.— Central-Organ für die Interessen der Cantorrn und Cullusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Rrdartrvn und Administration Wien II., Aovaragasse Ar. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Abonnementsu. Inserlions, betrage stnd in Wien zahlbar- Nr. 30. Wien, 21. Drrrmbrr 1893. 13. Jahrgang. Mit dieser Nummer beschließt die ״Oesterreich.- nngar. Eantoren-Zeitnng" den 1s. Jahrgang. Wir erlauben uns demgemäß nnsere geehrten Herren Abonnenten zur baldigen Erneuerung des Abonnements ergebenst einzuladen. Die Redaetio». Dxr jüdische GotteMenst. Was der Unterschied ist zwischen ״Gottesdienst" und einfach ״Dienst", wie der Talmud ihn schlechtweg nennt? Ein sehr großer und himmelweiter Unterschied! Bei einem Gottesdienst nämlich bräücht man nichts zu wissen, nichts zu können, nichts zu verstehen, an nichts zu denken, ja nicht einmal etwas zu wollen. Man braucht nur׳ bei guter Gelegenheit und wenn die kostbare Zeit' es erlaubt, die elegantesten Kleider anzulegen, .aütomatenhaft sich auszuputzen und aufzustriegeln und so in der Synagoge angelangt, Mund und Ohren ■ weit aufzuthün'und Orgel und Predigt auf sich einwirken zu lassen, um dann vollends erbaut und befriedigt, im Bewusstsein, sich auf langehin mit der Gottheit vollkommen ausgesöhnt zu haben, wieder heimzugehen. Vom orthodoxen Standpunkte aus ist die Sache noch'. viel einfacher und leichter gemacht. Hier braucht man den großen Aufwand des Erbauungswerkes auch nicht, und es ist weiter nichts erforderlich, als nur den' elastischen, gewandten Lippen freien Lauf zu lassen und unbekümmert um alles Andere, allein für sich die ganze' Gebetordnung mit allem Zubehör abzumurmeln und herunter zu plappern, um einen rechten und echten Gottesdienst, wie er gar nicht׳ andächtiger und gottgefälliger gedacht werden kann, zuwege gebracht zu haben. Und sollte dies allein vielleicht nicht׳ ausreichen und dem lieben Gott noch eine׳, ansehnliche Zulage ettvünscht sein, nun —- wozu hat man denn:die so verschiedenen,schönen T'chinos und die 150 Psalmen,׳ welche ein sehr kluger Mann in tägliche Pensa eingetheilt hat? Man kann sie" jain einer geeigneten ^Zwischenzeit, wo Made - der Mund . stillstehen . müsste, noch " herrmtersagen! Man muß eben-praktisch sein und es sich einzu- ' Achten wissen, und wenn man Alles beWts hinter sich hat und nun nichts mehr zu thun ist, als nur noch dem Chasen zuzuhören, da kann man noch genug sagen und ״beten". Deshalb soll aber der liebe Gott dennoch rächt zu kurz kommen und ihm gewiss kein ״Bora.eh hu uworuch sch’mau" und kein ״Amen" verloren gehen. Es bleibt sogar noch Zeit genug übrig, hin und wieder mit dem Synagogennachbar ein Wörtlein zu tauschen und. eine angebotene Tabaksprise nicht auszuschlagen. So sehen unsere beiderseitigen Gottesdienste aus. Es ist dabeinichts. übertrieben und nkchtMfehr m schwarz gemalt, ssuLrrn. ganz der Wirklichkeit entsprechend geschildert worden. Sollten aber irgendwo die Verhältniße besser sein, so sind sie noch immer schlimm genug. . Dienst hingegen bedeutet eine ganz andere Sache. Dienen heißt so viel wie arbeiten, etwas Tüchtiges leisten, und ein Arbeiter, der seine Arbeit nicht recht versteht, sie in allen Theilen nicht genau kennt und beherrscht, wird nur verpfuschte Arbeit leisten und immer mehr verderben, als gutmachen. Gottesdienst kann auch manchmal in Menschdienst ausarten, weil sich hier immer Menschen an die Spitze und an Gottesstatt stellen,! welche das Seelenheil ihrer Schutzbefohlenen zu überwachen und Gotteswort und Gotteslob ihnen zu verkünden vorgeben, während sie im Grunde genommen doch nur ihr eigenes Lob und ihre eigene Verherrlichung verkünden und anstreben. Dienst aber setzt eigene Thätigkeit und eigenes Verständnis voraus?und. macht das Seelenheil von keinem Anderen abhängig als vom sich selbst. vielleicht liegt auch diese Absicht der einstmaligen Jnstitution des Opferdienstes zu Grunde, gegen welche wir uns jetzt so abgeneigt zeigen, indem sie uns gar so grausam und wunderbar erscheint. Abgesehen davon, dass dadurch das Volk zur OpferwilligWt überhaupt und zum Einstehen für das allgemeine Ganzelängehalten und erzogen werden sollte, wurde damit Haupt- Das. bezweckt -und erreicht, dass der exorbitanten und der mit ihr verwandten Priester- Herrschaft von - vornherein jede Spitze abgebrochen. wurde. Und zwar gestaltete sich: das auf die einfachste Weife. Es liegt einmal in der menschlichen Natur, dass die eigenen Opfer gewöhnlich höher veranschlagt werden, als die Opfer des Andern und die materiellen Opfer/ größer und werthvoller erscheinen, als die

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